Brexit, Provokationen, Proteste: US-Präsident Trump in Großbritannien

Die britische Premierministerin Theresa May will Donald Trump nach dessen heftiger Kritik ihre Brexit-Pläne erläutern. Hunderte demonstrierten währenddessen in London gegen Besuch des US-Präsidenten.

Die britische Premierministerin Theresa May will US-Präsident Donald Trump nach dessen heftiger Kritik ihre Brexit-Pläne erläutern. "Sie freut sich darauf, sich mit dem Präsidenten zusammenzusetzen und mit ihm das Weißbuch durchzugehen", sagte ein Sprecher der Regierungschefin.

Er bezog sich damit auf das gerade vorgestellte Weißbuch, in dem die britische Regierung ihre Vorstellungen über die künftigen Beziehungen zur Europäischen Union nach dem Brexit erläutert.

US-Präsident Donald Trump hatte anlässlich seines Besuchs in Großbritannien die Brexit-Strategie Mays kritisiert, die nach seinen Worten ein Handelsabkommen seines Landes mit dem Vereinigten Königreich infrage gestellt. Sollte sich Großbritannien weiter eng an die EU binden, würden sich die USA an die Union wenden, hatte er in einem Interview der Boulevardzeitung "Sun" gesagt. "Wenn sie das machen, kommt ihr Handelsabkommen mit den USA wahrscheinlich nicht zustande", hatte er gedroht. "Ich habe Theresa May gesagt, wie sie es machen soll, aber sie hat nicht auf mich gehört".

Wenige Stunden vor der Veröffentlichung des Interviews hatten May und Trump an einem Galadiner im Blenheim Palace - dem Geburtsort von Winston Churchill - in der Nähe der Universitätsstadt Oxford teilgenommen.

"Donald Trump ist nicht willkommen"

Mehrere hundert Menschen haben in London währendessen gegen den Großbritannien-Besuch des US-Präsidenten demonstriert. "Donald Trump ist nicht willkommen", skandierten die Teilnehmer, die sich nahe der Residenz des US-Botschafters im Regent's Park versammelt hatten.

Auf Schildern standen Parolen wie "Rassist", "Sperrt ihn ein" und "Hau ab". Als ein Hubschrauber abhob, um Trump zu einem Abendessen mit Premierministerin Theresa May und Wirtschaftsvertretern in Blenheim nahe Oxford zu bringen, buhte die Menge.

Der US-Präsident war am Donnerstag vom Brüsseler NATO-Gipfel kommend mit Ehefrau Melania in London eingetroffen. Danach werden sie die britische Hauptstadt bereits wieder verlassen: Am Freitag wird May Trump auf ihrem Landsitz Chequers empfangen, anschließend ist ein Besuch bei Königin Elizabeth II. auf Schloss Windsor geplant. Von Freitagabend bis Sonntag werden die Trumps in Schottland sein - vermutlich in ihrem Luxus-Golfclub Turnberry.

Der Trump-Besuch wird von mehreren Demonstrationen begleitet. Die größte davon dürfte am Freitag am Londoner Trafalgar Square stattfinden, dort werden zehntausende Teilnehmer erwartet. Auch Londons Bürgermeister Sadiq Khan hat seine Teilnahme angekündigt. Er betonte, dass die Demonstration alles andere als antiamerikanisch sei. "Die meisten, die demonstrieren werden, lieben die USA, so wie ich", erklärte er. Aber eine besondere Beziehung zu unterhalten, bedeute auch, zu sagen, wenn "wichtige Werte in Gefahr" seien.