"Vatileaks 2": Peinliche Enthüllungen im Vatikan

PAPST FRANZISKUS: Neuer Vatileaks-Skandal

PAPST FRANZISKUS: Neuer Vatileaks-Skandal

Wenn am Dienstag dieser Woche die Heilige Pforte des Petersdoms geöffnet wird, um den Beginn des außerordentlichen Heiligen Jahres zu zelebrieren, hätte eigentlich Besinnlichkeit und Einkehr herrschen sollen. Stattdessen wird gleich nebenan im vatikanischen Gerichtsgebäude Schmutzwäsche gewaschen.

Es geht - schon zum zweiten Mal binnen kurzer Zeit - um Dokumente über peinliche Vatikan-Interna, die an die Öffentlichkeit gespielt wurden. Beim ersten "Vatileaks“-Skandal im Jahr 2012 war der Kammerdiener von Papst Benedikt XVI. der Täter gewesen. Nun stehen zwei Mitglieder der von Papst Franziskus gegründeten vatikanischen Reformkommission Cosea unter Verdacht, für "Vatileaks 2“ verantwortlich zu sein: Monsignore Lucio Ángel Vallejo Balda, der ehemalige Sekretär des Gremiums, und die PR-Beraterin Francesca Chaouqui sollen zwei italienischen Enthüllungsjournalisten Top-secret-Unterlagen zugespielt haben.

Das wäre an sich schon übel genug. Aber seit die beiden von der vatikanischen Justiz beamtshandelt werden, ergehen sie sich in gegenseitigen Anschuldigungen, die nicht nur Peinliches, sondern auch Pikantes enthalten - und von den italienischen Medien entsprechend genüsslich zitiert werden. "Man fühlt sich fast an die Enthüllungen während der Bunga-Bunga-Prozesse von Silvio Berlusconi erinnert“, meint ein Monsignore aus dem vatikanischen Staatssekretariat gegenüber profil.

Balda wirft Chaouquis unter anderem vor …

• als Mitglied der Kommission Cosea intime Beziehungen mit wichtigen Geistlichen gepflegt zu haben,

• ihren Ehemann, einen Informatiker, als privaten Hacker zur Entwendung geheimster Dokumente aus kirchlichen Computer angeheuert zu haben,

• mehrfach bei Paolo Berlusconi, dem Bruder des Medienzaren und Eigentümer der Tageszeitung "il Giornale“, interveniert zu haben, um die Entlassung des kritisch berichtenden Vatikanexperten Fabio Marchese Ragona zu erwirken. Als Paolo Berlusconi sich weigerte, ihrem Wunsch nachzukommen, habe sie gedroht, linken Medien brisante Unterlagen über Silvio Berlusconi zu übergeben.

Chaouqui wiederum behauptet …

• der Kleriker Balda sei ein praktizierender Homosexueller (was dieser vehement dementiert: "Ich mag nur Frauen und war auch in Francesca verliebt“),

• und sie wisse "viele, viele peinliche Dinge“ über hochrangige Persönlichkeiten im Umfeld des Vatikan und in der italienischen Politik.

Der Prozess geht weiter - das Heilige Jahr notgedrungen auch.