Amadeus Award: Kein Gras mehr

Amadeus Award: Kein Gras mehr

Österreichische Popmusik braucht keine Radio-Quote, sondern bessere Programmmacher: Geschmackssicherheit und Respekt vor heimischem Pop sollten Grundvoraussetzung sein. Stefan Grissemann über den Musikpreis „Amadeus Award“.

Wenn am Dienstag dieser Woche die entbehrliche, seit je ambitionslos Charts-Kraut und Volkstums-Rüben mischende Amadeus-Gala zum 15. Mal über die Bühne gehen wird und Musikpreise an Leute verliehen werden, die ohnehin in der Regel so populär sind, dass sie längst keine Preise mehr brauchen, wird auch die Frage wieder aufgeworfen, was die heimische Musikszene eher auszeichnet: die erstaunliche Dichte an ästhetisch raffiniert arbeitenden, in Funk und Fernsehen so gut wie totgeschwiegenen Bands und Acts – oder die Gabaliers, Alkbottles und Ötzis dieser Welt? Die seit Jahren schwelende Debatte um die frappierende Abwesenheit österreichischer Popmusik im öffentlich-rechtlichen Radio ist, passend dazu, vorvergangene Woche unsanft in eine Affäre gekippt: Ö3-Moderatorin Elke Lichtenegger hat im Fernsehen ihrem Lokalpop-Ennui flapsig Ausdruck verliehen – österreichische Bands seien typischerweise „vollkommen unbekannt“ und „ganz schlecht“ sowieso. Der Shitstorm, den diese Worte entfesselten, produzierte absehbar Demut allerorten: Lichtenegger entschuldigte sich für die Respektlosigkeit, und Ö3-Chef Georg Spatt gelobte in fast schon gefährlich drohenden Worten, „mehr nationale Musik“ in seinem Sender zu platzieren. Zudem war nach dem Lichtenegger-Gate alsbald der alte Ruf nach Einführung einer Austro-Radioquote wieder zu vernehmen, aber davor sollte man Österreichs Musiklandschaft, bei allen ökonomischen Vorteilen, nachhaltig schützen: Die Vitalität der lokalen Szene ist auch das Ergebnis ihrer Unabhängigkeit. Im Ghetto der Zwangs-Playlists wächst kein Gras mehr. Österreich braucht keine geschützten Pop-Werkstätten, sondern Programmmacher, die avancierter hiesiger Musik mit Respekt, Entdeckungslust und Passion begegnen wollen.