Annette von Droste-Hülshoff wurde vor 217 Jahren geboren

Annette von Droste-Hülshoff wurde vor 217 Jahren geboren

Die Deutsche Dichterin Annette von Droste-Hülshoff zierte einst den 20-Mark-Schein, ihre Novelle "Die Judenbuche" wird auch heute noch von jeder deutschen Schüler-Generation gelesen.

"Ich mag und will jetzt nicht berühmt werden, aber nach hundert Jahren möcht' ich gelesen werden." Diese Hoffnung der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff ist in Erfüllung gegangen. Zu Lebzeiten erntete die 1797 auf Burg Hülshoff bei Münster (Nordrhein-Westfalen) geborene Adelstochter viel Spott für ihre poetischen Anstrengungen, doch heute ist sie aus dem Kanon der großen deutschen Literatur nicht mehr wegzudenken. Allein ihre Erzählung "Die Judenbuche" hat eine millionenfache Weltauflage erreicht und wird von jeder deutschen Schüler-Generation gelesen.

Radikal modern
Der Droste-Forscher Walter Gödden aus Münster resümiert: "Das Bild vom Land-Edelfräulein, das anscheinend weltfremd in den Tag hineinträumte, ist ebenso passe wie eine Deutung, die ihr Werk auf Elemente des Katholischen und Westfälischen verengte." Die Experten sind sich heute einig: Die Droste war radikal modern.

Ängstliches Ringen um den Glauben
Ihre Naturgedichte - zum Beispiel in den "Heidebildern" - künden vom abgründigen Schrecken einer unheimlichen Welt. Ihre religiöse Poesie - in erster Linie der Gedichtzyklus "Das Geistliche Jahr" - dokumentiert einen tiefen Zweifel an Gott, ein ängstliches Ringen um den Glauben. Auch sozialkritisches, ja revolutionäres Gedankengut läßt sich nachweisen. Das Werk der Droste spiegelt die Zerrissenheit der nicht mehr feudalen und noch nicht bürgerlichen Zeit.

Der Literaturwissenschafter Ernst Ribbat aus Münster sieht in diesem Werk auch ein "Paradigma der modernen Sprachkrise". In der "Judenbuche" zum Beispiel gehe es nicht wie in einem Krimi um die Frage: Wer ist der Mörder?, sondern um das Problem, wie man über den Tod und die Toten angemessen reden könne. Vielfach bezeuge die Dichterin "die skeptische Erfahrung, daß die poetische Rede am nächsten benachbart ist der Sprachlosigkeit".

Annette von Droste-Hülshoff litt ihr ganzes Leben unter den engen Banden und Konventionen ihres Standes. Ihre Mutter überwachte und maßregelte fast alle Schritte der unverheiratet gebliebenen, stets kränkelnden Tochter. Gegen die eintönige Ordnung ihres Lebens im Rüschhaus bei Münster setzte die Poetin mit ihrer Literatur eine zuweilen grausige und schaurige Gegenwelt, etwa in der berühmten Ballade "Der Knabe im Moor".

Ihre glücklichsten Monate verbrachte die Droste wohl im Winter 1841/42 auf Schloß Meersburg am Bodensee, im Hause ihres Schwagers. Dort entlockte ihr der 17 Jahre jüngere Schriftsteller Levin Schücking eine wahre Flut großartiger Gedichte. In Meersburg starb sie auch wenige Jahre später, am 24. Mai 1848.

(APA/Red)