Bildungsministerin Hammerschmid: "Spaß statt Angst"

Bildungsministerin Sonja Hammerschmid

Bildungsministerin Sonja Hammerschmid

Bildungsministerin Sonja Hammerschmid über ihre "Bildungsrevolution", Ganztagsschulen und spielerisches Lernen.

INTERVIEW: ROBERT BUCHACHER

profil: Wie sieht Ihre Vision für die österreichische Schule aus?
Hammerschmid: Die Unterrichtswelt, wie wir sie kennen, wird bald der Vergangenheit angehören. Wir arbeiten an einer grundlegenden Veränderung des Kosmos Schule und wollen bis zum Jahr 2025 zu den zehn besten Ländern der Welt gehören.

profil: Wie wollen Sie dieses ambitionierte Ziel erreichen?
Hammerschmid: Natürlich geht das nicht von heute auf morgen. Aber wir setzen einen Schritt nach dem anderen, zum Beispiel mit den 5000 zusätzlichen Lehrern für Problemschulen, die wir vergangenen Montag angekündigt haben.

profil: Werden Lehrer von Nicht-Problemschulen auch entlastet?
Hammerschmid: Uns ist bewusst, dass wir mehr Unterstützungspersonal brauchen. Wir werden in Kürze dazu ein Konzept präsentieren.

profil: Gefragt sind ja nicht nur zusätzliche Lehrer, sondern Verwaltungsbeamte, Psychologen, Sozialarbeiter, Schulmediziner.
Hammerschmid: Das Thema Verwaltungsentlastung haben wir bereits im Autonomiepaket auf Schiene gebracht. Im Rahmen des Cluster-Verbandes, in dem mehrere Schulen vereint sind, wollen wir aus dem Kreis der frei werdenden Direktoren Verwaltungspersonal rekrutieren. Wir gehen von 700 neu geschaffenen Stellen aus. Mit dem Integrationstopf bringen wir auch Psychologen und Sozialarbeiter in Schulen, die mit besonderen Herausforderungen konfrontiert sind. Aber wir brauchen noch mehr Fachkräfte.


Autonomie heißt natürlich auch, dass ein großes Stück Verantwortung auf die Lehrer zukommt.

profil: Wie weit wird die Autonomie der Schule gehen?
Hammerschmid: Ich habe in den vergangenen Monaten mit vielen Lehrern geredet, die mich in meinem Weg bestärkt und gesagt haben: "Wir wollen uns nicht einengen lassen." Mit dem Autonomiepaket sind alle Schulversuche Geschichte, weil die Lehrer am Schulstandort selbst entscheiden, wie sie unterrichten, wie sie die Talente und Potenziale der Kinder fördern können. Außerdem fällt ein Wust an Papierkram weg, weil keine Schulversuche mehr beantragt und keine Dokumentationen mehr geschrieben werden müssen.

profil: Aber die neue Freiheit bekommen die Lehrer und Direktoren wohl nicht einfach in den Schoß gelegt.
Hammerschmid: Autonomie heißt natürlich auch, dass ein großes Stück Verantwortung auf die Lehrer zukommt. Das ist eine Systemänderung, die manchen durchaus Sorge bereitet, aber wir müssen den Mut haben, neue, innovative Wege zu gehen.

profil: Steht den Lehrern auch eine technische Systemänderung bevor - Stichwort Digitalisierung?
Hammerschmid: Gerade die Digitalisierung eröffnet uns ein riesiges Blumenfeld an innovativen Technologien, um Lernen besonders anregend und ansprechend zu machen. Die Lehrer müssen die neuen Möglichkeiten nutzen und dabei auch begleitet und weitergebildet werden.


Wir müssen allesamt danach trachten, dass wir das Image des Lehrers wieder dorthin bringen, wo es sein soll.

profil: Die besten technischen Hilfsmittel können aber die didaktische Qualität eines Lehrers nicht ersetzen.
Hammerschmid: Ich muss betonen, dass die große Mehrheit der Lehrer einen guten Job macht - sie arbeiten tagtäglich hoch motiviert und engagiert mit Kindern. Ich finde es traurig, dass immer nur auf jene gezeigt wird, die den Job nicht so gut machen oder schlicht im falschen Beruf gelandet sind. Wir müssen allesamt danach trachten, dass wir das Image des Lehrers wieder dorthin bringen, wo es sein soll. Lehrer ist ein ganz wesentlicher Beruf in unserer Gesellschaft, der sie prägt. Deshalb würde ich mir wünschen, dass wir über die vielen Lehrer reden, die ganz Hervorragendes leisten.

profil: Keine Frage, dass es eine Vielzahl solcher Lehrer gibt. Trotzdem muss die Frage erlaubt sein, warum die Eltern, die ja die Schule mit ihren Steuergeldern finanzieren, noch zusätzlich für 110 Millionen Euro im Jahr Nachhilfestunden kaufen müssen.
Hammerschmid: Wir haben die Frage Nachhilfe mit dem Ausbau der ganztägigen Schulen beantwortet, die in anderen, erfolgreichen Schulsystemen gang und gäbe sind. Dieses Programm startet sofort, für den Ausbau der Infrastruktur und neues Personal stehen 750 Millionen Euro zur Verfügung. Da ist mehr Raum und Zeit für Stützung der Schwachen und Förderung von Talenten, Hausaufgaben und Nachhilfe reduzieren sich sehr schnell.

profil: Was wird aus dem Angstfach Mathematik in Ihrer Bildungsrevolution?
Hammerschmid: Ich habe ganz tolle Mathematikerinnen gesehen, die mit digitaler Unterstützung Spaß an Mathe erzeugen und das Angstfach zu einem Spaßfach machen.