Clubzwang: Fußballer stolpern über Red Bull Salzburgs Nachwuchspolitik

Stefan Peric: Talent ohne Zukunft (bei Red Bull)

Stefan Peric: Talent ohne Zukunft (bei Red Bull)

Wie zwei heimische Fußballtalente mit internationalen Ambitionen über die Feinheiten der Red-Bull-Nachwuchspolitik stolperten.

Roman Grill hält Daniel Ripic für einen begnadeten Fußballspieler, einen Stürmer, wie ihn deutsche Bundesligisten nicht von der Rasenkante stoßen würden. Roman Grill hat allen Grund zur Begeisterung, immerhin vertritt er Daniel Ripic als Spielerberater. Man darf trotzdem auf Grills fußballerische Expertise vertrauen; er ist kein blutiger Anfänger in seinem Geschäft, sondern zum Beispiel auch Berater von Großkalibern wie dem Bayern-München- und Weltmeisterkapitän Philipp Lahm. Derzeit aber ist Roman Grill vor allem sauer. Das hat mit Daniel Ripic, 19, zu tun, dessen Mannschaftskollegen Stefan Peric, 18, und dem Verein, bei dem die zwei seit Jugendjahren unter Vertrag stehen: Red Bull Salzburg.

Dieser wiederum hält seine Schützlinge Ripic und Peric für echte Problemkinder. Beider Verträge laufen im kommenden Juni aus, schon seit vergangenem August verhandeln Spieler, Berater und Verein über die sportliche Zukunft der zwei. Dabei präsentierte Red Bull Salzburg – in Person des Nachwuchsleiters Ernst Tanner und seines Sektionsleiters Christoph Freund – einen Plan: Die beiden Nachwuchstalente, die zu diesem Zeitpunkt im Rahmen eines Kooperationsvertrags beim Red-Bull-Zweitligateam FC Liefering spielten, sollten vorübergehend ihren Vertrag mit Red Bull Salzburg auflösen und bei Liefering unterschreiben. Grill riet seinen Schützlingen, dieses Angebot nicht anzunehmen. „Mir konnte bis heute nicht schlüssig erklärt werden, warum sie das tun sollten. Beide haben aufrechte Verträge mit Red Bull Salzburg, die sie auch vorbildlich erfüllen.“

Die Eskalation

Der Verein beharrte jedoch auf seinem Standpunkt. Am 22. Jänner, vier Wochen vor Beginn der Frühjahrsrunde, eskalierte – laut Grill – der Konflikt. Red-Bull-Nachwuchsleiter Tanner habe Ripic und Peric vor die Wahl gestellt: Bis um 18 Uhr, Stichtag heute, sei der besagte Liefering-Vertrag zu unterschreiben, andernfalls wären Konsequenzen unausweichlich, zum Beispiel eine Suspendierung bei Liefering und Versetzung in die U18 von Red Bull Salzburg. Grill legte schriftlich Protest ein, Red Bull beharrte neuerlich, weshalb beide Spieler seit der Frühjahrsrunde nicht mehr im Kader des FC Liefering stehen, sondern für die U18 von Red Bull kicken.

Für Roman Grill ein Skandal: „Es handelt sich ja nicht nur um einen sportlichen Rückschritt. Dazu kommt auch ein massiver Imageschaden für meine Spieler. Jeder fragt sich natürlich, was sich die beiden wohl haben zuschulden kommen lassen, weshalb sie suspendiert wurden.“ Grill kommuniziert derzeit nur noch via Anwalt mit Salzburg.

Rangnick dementiert

Dort sieht man die Causa naturgemäß anders, Red-Bull-Sportdirektor Ralf Rangnick kann keinen Skandal erkennen: „Wir haben die Spieler nur um einen Gefallen gebeten, der für sie keinerlei Nachteile gehabt hätte, sondern eine reine Formalität gewesen wäre.“ Konkret: „Der FC Liefering braucht 20 Liefering-Vertragsspieler, um seine Lizenz zu erhalten. Im Transferfenster zur Winterpause haben drei Spieler den Klub verlassen, wir brauchten also drei neue Lizenzspieler. Deswegen haben wir Peric und Ripic in ganz vernünftiger Weise gebeten, doch für dieses halbe Jahr einen Liefering-Vertrag zu unterzeichnen – wohlgemerkt ohne finanzielle oder sportliche Nachteile.“ Und nach Ansicht des Vereins nur fair: „Beide Väter sind hauptamtlich bei uns als Zeugwart und Greenkeeper angestellt. Diese Anstellungen haben sie natürlich auch deshalb, weil ihre Söhne bei uns spielen. Da ist schon eine engere Beziehung zwischen den Spielern und dem Verein entstanden. Umso unverständlicher war es, dass die Spieler das so rigoros abgelehnt haben.“

Von einer Strafversetzung oder gar Drückausübung könne keine Rede sein. Nachwuchsleiter Ernst Tanner erinnert sich an den 22. Jänner: „Der Sachverhalt war allen Beteiligten schon mehrere Monate bekannt und auch mit den Spielern mehrfach besprochen. Ich habe ihnen an diesem Tag bloß mitgeteilt, dass wir eine Entscheidung brauchen, weil wir unsere Transferplanung innerhalb des Transferfensters abschließen müssen.“ Rangnick: „Tatsächlich mussten wir aufgrund der ablehnenden Haltung von Ripic und Peric zwei andere Spieler unter Vertrag nehmen. Damit war aber auch klar, dass wir mit Spielern, die so wenig kooperationsbereit sind, in unserer Lieferinger Mannschaft rein sportlich nicht weiter planen können.“

Rein sportlich ist das Ende der Affäre übrigens so absehbar wie eindeutig. Die Verträge von Daniel Ripic und Stefan Peric laufen Ende Juni 2015 aus. Danach steht ihnen die Welt offen. Ausnahme: die Welt von Red Bull.