„Dallas Buyers Club“ nimmt Homophobie und Pharmaindustrie ins Visier

„Dallas Buyers Club“ nimmt Homophobie und Pharmaindustrie ins Visier

Für sechs Oscars nominiert: Die Aids-Tragikomödie „Dallas Buyers Club“ nimmt Homophobie und Pharmaindustrie ins Visier.

Die unglaubliche Geschichte, die dieser Film erzählt, hat sich in groben Zügen tatsächlich zugetragen: Ein homophober Texaner, der sich gern zum Cowboy stilisiert (Rodeo, Alkohol, wahlloser Sex), wird 1985 mit der Diagnose HIV-positiv konfrontiert; er habe etwa noch 30 Tage zu leben, teilen ihm die Ärzte mit. Er hält sich an das vorgegebene Zeitmaß nicht, geht in die Offensive und beginnt ein lukratives Geschäft mit geschmuggelten, de facto lebensverlängernden Medikamenten – und er legt in den Jahren, die ihm doch noch bleiben, seine Ressentiments gegen Schwule ab.

So weit, so kinotypisch. Seit Mitte der 1990er-Jahre kursierten Drehbuchfassungen dieses Stoffs in Hollywood, erst jetzt gelang die Realisierung. Regisseur Jean-Marc Vallée verbiegt den Stoff, trotz seiner Todesperspektive, überraschender- und ein bisschen unpassenderweise zum Lustspiel – das Bemühen, einen nicht bloß salbungsvollen, sondern vor allem unterhaltsamen, „dynamischen“ Film vorzulegen, ist dem Unterfangen anzumerken.

Es war klar, dass sich unter den sechs Oscar-Nominierungen, mit denen „Dallas Buyers Club“ am 2. März in die diesjährige Academy-Awards-Gala gehen wird, gleich zwei für die darstellerischen Leistungen finden würden: Matthew McConaugheys Method-Acting-Exzess, der eine Abmagerungskur auf Haut und Knochen vorsah, ist auf Spektakel angelegt; Nebendarsteller Jared Leto, der hier die Transgender-Identität eines Schwerkranken annimmt, leistet ebenfalls gute, plakative Arbeit. Aber auch er kann gegen die Reifeprozesskonventionen, die im „Dallas Buyers Club“ herrschen, letztlich nicht viel ausrichten.