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profil-Morgenpost
12/21/2020

Gedanken-Catering

Guten Morgen!

von Angelika Hager

Die gesamte profil-Redaktion werkte in den letzten Wochen unermüdlich, um Ihnen ein opulentes Weihnachtsgeschenk zu servieren. Dirigiert von Sebastian Hofer, der sein erstes „X-Large”, so das redaktionsinterne Kürzel für unser Premium-Produkt am Jahresende, mit der Gelassenheit eines Oberliga-Stoikers vollendete, und kongenial begleitet von unserem Chef vom Dienst Stephan Graschitz, entstand ein Heft voll der Aus-, Ein-, Voraus- und Rückblicke auf eine Zeit, die die Situationselastizität von uns allen herausforderte.

In jedem Fall sind Sie mit der Lektüre der Stoiker in den nächsten Wochen (dazu das Essay Kollaps-Positivity“) bestens bedient, denn diese Philosophen fordern nur dann zur Aktion auf, wenn Änderungen in Ihrer Macht stehen. Parole „Keine leeren Kilometer”, denn davon hatten wir in diesem Jahr wahrlich genug.

In seinem Leitartikel fordert profil-Herausgeber Christian Rainer zu weniger Lamento auf – aus Respekt gegenüber jenen, die viel Schlimmeres durchmachen musste: „Aus dem Blickwinkel der letzten Wochen des Jahres war 2020 kein annus horribilis. Eine entsprechende Einordnung ist ähnlich übertrieben wie der Vergleich, wonach wir durch die schlimmste Krise seit 1945 gehen. Wer das sagt, vergeht sich an allen, die den Zweiten Weltkrieg miterlebt haben, weil schon der Versuch, eine Relation herzustellen, durch das ungeheure Gefälle nicht statthaft ist.”

Good News

Wenn Sie trotzdem eher der Glaubensrichtung von Friedrich Torbergs „Tante Jolesch” angehören und der Meinung sind, dass „Gott einen hüten soll, vor allem, was noch ein Glück ist”, verweilen Sie ein wenig bei unserer Geschichte „Stimmungsaufheller”. Dort sind die besten Nachrichten aus 2020 versammelt: die Turteltaube wurde zum Vogel des Jahres, halluzinogene Pilze wirken gegen Depressionen und natürlich Kamala Harris als erste Vizepräsidentin der USA, Papst Franziskus Statement gegen Homophobie und viel Erfreuliches mehr.

Und jetzt noch eine gute Nachricht: In ihrem Essay über die Auswirkungen der Dauer-Unsicherheit, „Alles in Schwebe”, schreibt Edith Meinhart über den neurowissenschaftlichen Nachweis, dass die Amygdala, nach derzeitigem Stand der Bedrohungsdetektor im Gehirn, umso mehr arbeitet, je unklarer die Lage ist. So über sich hinaus gewachsen wie heuer ist unsere Amygdala schon lange nicht. Jetzt kann sie tatsächlich nur mehr wenig erschüttern.

Außer vielleicht, dass Papa am Weihnachtsabend zwischen Ente und Eierlikörsorbet plötzlich von Chemtrails zu erzählen beginnt, und die Tante Hedi dazu als verbale Beilage serviert, dass Bill Gates durch eine Zwangsimpfung Mikrochips in unsere Gehirne einpflanzen möchte. Auch für den Umgang mit irren Verschwörungstheoretikern in der nahen Verwandtschaft rüstet Sie diese X-Large-Ausgabe mit einer Art Lexikon mit dem Titel „Das kann kein Zufall sein” über das Universum der Kaninchenbau-Bewohner. Der Terminus Kaninchenbau wird in der Psychologie für Menschen mit (schonend formuliert) faktenresistentem Weltbild benutzt.

Also: Nicht ohne Stolz dürfen wir anmerken, dass die letzte Ausgabe dieses denkwürdigen Jahres Gedanken-Catering, Lesevergnügen und evidenzbasierte Fakten in überdimensionaler Größe liefert.

Ein letztes Mal Strache?

Und vielleicht darf ich Ihnen noch ein Zitat aus Christa Zöchlings exquisitem Schwanengesang auf Heinz-Christian Strache, „Rien ne va plus”, mitgeben. Der soll sich nach der Oligarchinnen-Jause auf Ibiza damals (auf dem Weg in die Disco) entspannt in seinem Auto zurückgelehnt und laut Transkript wohlig geseufzt haben: „Uuuh, das tut gut. Herrlich. Man muss das Leben spüren. Man muss das Leben spüren.”

Ansonsten, liebe Leser, virenfreie und vor allem entspannte Tage. Lehnen Sie sich zurück, spüren Sie das Leben, Lockdown hin oder her, und „uuhen” Sie sich durch die kommende Woche.

Ihre

Angelika Hager

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