Gender-Debatte: An nichts.

Gender-Debatte: An nichts.

Frauen und Männer können eigentlich ganz gut miteinander reden, findet Sebastian Hofer. Außer, es kommt etwas dazwischen.

Dass Frauen und Männer nicht so gut miteinander sprechen können, ist natürlich ein Witz. Am schönsten konnte ihn Loriot erzählen. Zum Beispiel am Beispiel der Blöhmanns, beide um die 50, schon etwas länger verheiratet und gerade auf Antrittsbesuch bei der Paartherapeutin:

Frau Dr. K.: Herr Blöhmann, küssen Sie Ihre Gattin gelegentlich?
Hr. Blöhmann: Weniger.

Frau Dr. K.: Warum nicht?
Hr. Blöhmann: Es ist zeitlich immer etwas ungünstig.

Frau D. K.: Und Sie, Frau Blöhmann?
Fr. Blöhmann: Mein Gott, ich habe auch meinen Haushalt.

Selten wurde das Unbehagen der Geschlechter so mitfühlend beschrieben. Sie würden ja gern. Wahrscheinlich. Schwer zu sagen. Aber: Sie haben nun wirklich andere Sorgen. Zum Beispiel mit sich selbst. Da kommt alles andere, und sei es die Ehegattin, eben zeitlich immer etwas ungüns-tig. Was soll man da noch groß sagen?

Nun, man kann zumindest fragen: Sind wir nicht alle ein bisschen Blöhmanns? Natürlich sind wir das. Wir gehen nur jede ein wenig anders damit um. Mal ein Stück offenherziger, mal etwas verklemmter, und hin und wieder können wir sogar über unser Blöhmannsein lachen. Es gibt nur einen Satz, bei dem uns das Grinsen garantiert vergeht. Er besteht aus vier Wörtern: Woran. Denkst. Du. Gerade.

Männer tendieren in der Konfrontation mit diesen vier Wörtern zum Wittgensteinismus. Wovon man nicht sprechen kann etc. Aber kann man wirklich nicht? Hat man keine gemeinsame Sprache? Doch, die hat man. Man versteht sie nur nicht so richtig. Dazu noch ein Witz von Ludwig Wittgenstein, einem Wegbereiter Loriots: "Die Umgangssprache ist ein Teil des menschlichen Organismus und nicht weniger kompliziert als dieser.“

Ja, es ist alles wirklich sehr, sehr kompliziert. Man muss sich den Organismus Umgangssprache wohl als eine Art Zwitterwesen vorstellen, ein bisschen Maskulinum hier, ein bisschen Femininum da, und hintenrum das Neutrum. Durchaus möglich, dass die Geschlechter der Kompliziertheit der Welt und ihrer Sprache jeweils etwas unterschiedlich begegnen, weil die Welt es von ihnen halt so erwartet, oder weil sie selbst es von sich nicht anders erwarten. Dass Frauen im Gespräch kompromissbereiter sind und Männer arroganter, ist ein Klischee. Aber man darf solche Klischees wirklich nicht unterschätzen. Es handelt sich um handfeste Tatsachen. Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus? Mag schon sein. Aber genausogut sind Männer aus Attnang-Puchheim und Frauen aus Wien-Simmering.

Ganz bestimmt jedoch sind sie nicht vom Planet der Affen, obwohl uns evolutionsbiologisch versierte Männermagazinredakteurinnen gern genau das erklären: Männliche Exemplare der Gattung Homo sapiens seien seit ungefähr 200.000 Jahren in erster Linie Jäger, und bei der Jagd sollte man nicht so viel sprechen, weil das verscheucht die Mammuts. Deshalb also das Gestammel beim Beziehungsgespräch. Die Erfindung des Smartphones hat die Sache insofern ein wenig erleichtert, als man, sofern man in die Verlegenheit kommen könnte, einmal tatsächlich reden zu müssen, auch kurz auf Wikipedia gehen und sich in die Stammesgeschichte der Hominiden vertiefen kann. Es ist zeitlich ja immer etwas ungünstig.

Wobei Frauen, so erklären uns neurobiologisch interessierte Frauenmagazinautorinnen, wesentlich besser multitasken können als Männer. Frauen können reden und gleichzeitig auf ihr Smartphone eindrücken. Männer können das nicht, und vor allem können sie nicht gleichzeitig fühlen und reden, und müssten deshalb, wenn sie über Gefühle reden sollen, erst einmal lange nachdenken, was wiederum das Reden deutlich erschwert.

Im Ernst jetzt: Männer und Frauen können ganz fantastisch miteinander reden. Sogar über Gefühle. Frauen können Männer unterbrechen und unglaublich arrogant dabei sein. Männer können Frauen total interessiert zuhören. Umgekehrt geht das auch. Und übermorgen sieht die Sache schon wieder ganz anders aus. Je nachdem, wie es sich zeitlich halt gerade ausgeht.

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