Peter Hackmair: "In zehn Jahren wird es keinen Profifußball in Österreich mehr geben"

Peter Hackmair

Peter Hackmair

Der ehemalige Fußballer, TV-Experte und nunmehrige Autor Peter Hackmair über sein neues Buch, die Begegnung mit André Heller und die Zukunft des österreichischen Fußballs.

INTERVIEW: CLEMENS ENGERT

profil: Für dein aktuelles Buch „Träum weiter“ hast du mit 25 verschiedenen Persönlichkeiten über ihre Lebensgeschichte gesprochen. Wie ist die Idee zu dem Buch entstanden?
Peter Hackmair: Ich war eine Zeit lang auf Weltreise und irgendwann ist es mir zu langweilig geworden, immer nur Smalltalk zu führen. Ich habe dann einfach begonnen, wildfremde Menschen nach ihren Träumen zu fragen. Die Reaktionen darauf waren sehr unterschiedlich: Bei manchen Leuten sprudelte es nur so heraus, bei anderen kam gar nichts. Da habe ich das erste Mal so richtig realisiert, dass es viele Menschen gibt, die sehr weit davon entfernt sind, das zu tun, was sie eigentlich wirklich wollen. Das war die Initialzündung für die spätere Gesprächsreihe. Zuerst war es nur als Talk-Serie für meinen YouTube-Kanal gedacht – etwa nach dem zehnten Interview kam mir die Idee, dass man daraus ja eigentlich ein Buch machen könnte.

profil: Was war die wichtigste Erkenntnis, die du selber aus diesen Gesprächen mitgenommen hast?
Hackmair: Es hat mich in vielem bestärkt, was schon vorher Teil meiner Philosophie war. Zum Beispiel, dass man mit aller Begeisterung dem folgen soll, was man wirklich will. Wenn man sich für seinen eigenen Weg entscheidet und in seinem Tun einen Sinn sieht, hat man schon einmal das wesentliche Fundament geschaffen. Das Umsetzen ist natürlich auch wichtig – man muss vom Träumer zum Macher werden. Das sind sicher die beiden wichtigsten Erkenntnisse: Trau dich, zu träumen und setze deine Träume auch um!


Es gibt viele Menschen, die sehr weit davon entfernt sind, das zu tun, was sie eigentlich wirklich wollen.

profil: Viele Leute haben ganz einfach nicht die finanzielle Unabhängigkeit, um bedingungslos ihren Träumen folgen zu können.
Hackmair: Das stimmt natürlich. Es muss jedoch nicht immer ein harter Schnitt sein. Ich würde niemandem empfehlen, von einem Tag auf den anderen alles hinzuschmeißen und einfach zu schauen, was passiert. Es gibt auch unter den 25 Gesprächspartnern in meinem Buch einige, die das schrittweise und langsam gemacht haben. Viele haben zum Beispiel damit begonnen, in ihrem regulären Job zehn Stunden pro Woche weniger zu arbeiten und nebenbei dem nachzugehen, was sie eigentlich machen wollten. Es gibt da sehr individuelle Ansätze, aber ich glaube, es lohnt sich für jeden, zumindest einmal darüber nachzudenken, ob man seine Leidenschaft zum Beruf machen kann – auch, wenn es nur als „zweites Standbein“ ist.

profil: Du hast unter anderem André Heller in seinem Garten in Marrakesch besucht. Wie war diese Erfahrung?
Hackmair: Das war echt spannend. Wir sind da eigentlich auf gut Glück hingefahren und Heller war gerade nicht vor Ort. Wir haben dann spontan einen Roadtrip in Marokko daraus gemacht und es am letzten Tag vor dem Rückflug – es war der Heilige Abend – noch einmal vor seinem Haus probiert. Heller war dann tatsächlich da und fünf Minuten später sind wir plötzlich in seinem Wohnzimmer gesessen. Ich glaube, es hat ihm einfach imponiert, dass wir mit voller Begeisterung bei der Sache waren und, dass wir den Mut gehabt haben, uns am Heiligen Abend vor seinem Haus hinzustellen und auf ihn zu warten.

Peter Hackmair im Gespräch mit André Heller

profil: Spürst du selbst auch manchmal das Bedürfnis, für längere Zeit aus Österreich wegzuziehen und in eine andere Lebenswelt einzutauchen?
Hackmair: Während meiner Weltreise hatte ich an manchen Orten wie Neuseeland, Kolumbien oder Bali schon das Gefühl, unbedingt dorthin auswandern zu müssen. Jedes Mal, wenn ich dann wieder in Wien war, hab ich mir dann aber gedacht „Du Trottel lebst doch in der geilsten Stadt der Welt – warum wegziehen?“.

profil: Würdest du sagen, dass du es bereits geschafft hast, dich selbst zu verwirklichen?
Hackmair: Das ist ein ständiger Prozess, der nie aufhört. Mein erster großer Traum war es, Fußball-Profi zu werden. Das habe ich erreicht. Ich durfte mit den Nachwuchsnationalteams an einer WM (Anm.: 2007 erreichte Hackmair mit dem ÖFB-U20-Team in Kanada den vierten Platz) und zwei EMs teilnehmen und bei meinem Herzensverein SV Ried als Spieler den Cupsieg und Vizemeister-Titel feiern. Irgendwann war dieses Kapitel dann aber für mich abgeschlossen. Dann war ich auf Sinnsuche und bin auf Weltreise gegangen. Anschließend habe ich mit dem Schreiben begonnen und immer mehr meinen neuen beruflichen Weg gefunden. Derzeit sehe ich mich als Autor, Speaker und Coach. Im Moment macht diese Kombination sehr viel Spaß, aber ich weiß noch nicht, was ich zum Beispiel in drei Jahren machen werde.


Selbstverwirklichung ist ein ständiger Prozess, der nie aufhört.

profil: Warum hast du deine Tätigkeit als ORF-Fußball-Experte beendet?
Hackmair: Das hängt auch damit zusammen, dass der ORF die Live-Rechte an der Champions League und Bundesliga verloren hat. Eine Zeit lang hat der Job wirklich Spaß gemacht und es war eine interessante Erfahrung – es war aber nie mein Plan, das zehn Jahre oder länger zu machen.

Peter Hackmair über Lebensentwürfe und Selbstverwirklichung

profil: Du hast es bereits angesprochen: Der Klubfußball droht völlig aus dem Free TV zu verschwinden – welche Folgen hat diese Entwicklung?
Hackmair: Das ist extrem problematisch. Es wird dadurch gerade für die kleinen Klubs immer schwieriger, über die Runden zu kommen, weil der heimische Fußball fast ganz aus der Öffentlichkeit verschwindet. Ich glaube daher, dass es in zehn, 15 Jahren keinen österreichischen Profi-Fußball mehr geben wird. Es gibt vier große Vereine (Anm.: Red Bull Salzburg, Rapid Wien, Austria Wien, Sturm Graz) und mit diesen alleine kann man keine Liga spielen. Die einzige Chance sehe ich darin, dass man etwa mit der Schweiz eine gemeinsame Liga gründet.

profil: Wie siehst du die Entwicklung des Nationalteams?
Hackmair: Wenn man die letzten zehn Jahre betrachtet, ist die Entwicklung sicher positiv. Ich glaube, dass es Marcel Koller gelungen ist, viele alte Strukturen aufzubrechen. Was mich persönlich gestört hat, war, dass man nach der EURO 2016 nicht selbstkritisch genug war – weder das Betreuerteam, noch die Spieler. Da ist wieder ein bisschen die österreichische Mentalität durchgekommen, dass alle anderen Schuld sind und man selbst nur Pech hatte. Für die Zukunft bin ich aber positiv gestimmt. Es kommen so viele gute junge Spieler nach, dass wir mit dem Nationalteam in den nächsten Jahren noch viel Freude haben werden.

Zur Person

Peter Hackmair, 1987 in Vöcklabruck geboren, spielte in allen Nachwuchsnationalteams Österreichs und absolvierte 120 Bundesliga-Spiele. Nach seinem Rücktritt als Aktiver 2012 veröffentlichte Hackmair mit „Träume verändern“ und „FREIGerEIST“ zwei Bücher. Von 2015 bis 2017 arbeitete er für den ORF bei Live-Spielen als Analytiker. Für seinen YouTube-Kanal hat Hackmair Gespräche mit 25 Talkgästen – von sehr berühmt (u.a. André Heller, Herbert Prohaska, Roland Düringer und Viktoria Schnaderbeck) bis völlig unbekannt - geführt. Die wichtigsten Erkenntnisse aus diesen Begegnungen hat er in seinem aktuellen Buch „Träum weiter“ zusammengefasst.