Haltlose Produktion: Das Filmfördergesetz sorgt für Unruhe

Haltlose Produktion: Das Filmfördergesetz sorgt für Unruhe

Die geplante sanfte Revision des Filmförderungsgesetzes erzeugt Unruhe in der Branche.

Es geht nur um ein Wort. Im Filmförderungsgesetz, wie es bislang gilt, findet sich in Paragraf 1 der Einstiegssatz „Das Österreichische Filminstitut fördert als bundesweite Filmförderungseinrichtung das österreichische Filmwesen nach kulturellen und wirtschaftlichen Aspekten.“ In der Fassung, die dieser Tage zu beschließen sein wird, fehlt in dem Satz nicht nur der Verweis auf die Ökonomie, sondern auch jener auf „das Filmwesen“: Das Filminstitut wolle künftig „den Kinofilm als kulturelles Produkt“ fördern. Das klingt nach einer Konzentration auf den Kinofilm. Nun unterstützt das Filminstitut (ÖFI) traditionell auch Institutionen wie das Drehbuchforum, das Diagonale-Festival, fallweise auch Publikationen zum österreichischen Kino. Keine Sorge, sagt ÖFI-Chef Roland Teichmann, der als Ratgeber an den Text-änderungen mitgewirkt hat; die Begriffsanpassung sei nicht als Ausstieg aus der Festivalförderung misszuverstehen. Es sei ein Akt der „Nachschärfung und der Anpassung an EU-rechtliche Vorgaben – ohne jede inhaltliche Auswirkung“. Die neue Fokussierung auf kulturelle statt wirtschaftliche Werte sei auf die Maßgaben der EU zurückzuführen.

Doris Bauer und Daniel Ebner vom Forum österreichischer Filmfestivals äußern dennoch ihre Sorge um die Gewährleistung der Förderung jener Orte, an denen künstlerisch relevante Filme präsentiert werden können – und warnen vor allzu haltloser Produktion. Tatsächlich hat sich der Kinofilm-Ausstoß in Europa seit 2004 verdoppelt: Während damals 770 Filme im Jahr produziert wurden, waren es acht Jahre später bereits mehr als 1500 Arbeiten. In Österreich werden derzeit an die 60 Filme jährlich hergestellt und in die Kinos gebracht, 2004 waren es nur 36. Im selben Zeitraum ist aber hierzulande ein Rückgang der Kinobesucher um 15 Prozent zu verzeichnen. „Die Lösung kann nicht sein, dass einfach munter weiter produziert wird“, meinen die Sprecher des Festivalforums, „sondern dass die Verwertung stärker in den Fokus rückt – und endlich anerkannt wird, dass die Festivals das erste Glied in der Verwertungskette geworden sind.“ Österreichs Festivals konnten zwischen 2004 und 2012 einen Besucherzuwachs von knapp 70 Prozent verbuchen.