Harry Potter-Lektüre wirkt bei Kindern toleranzfördernd

Harry Potter-Lektüre wirkt bei Kindern toleranzfördernd

Aufklärender Hokuspokus: Leser der Romanreihe "Harry Potter" haben signifikant weniger Vorurteile gegenüber Flüchtlingen, Einwanderern und Homosexuellen.

Von Susanne Veil

Für Erwachsene mag die Moral von der Geschichte um den berühmten Zauberlehrling augenscheinlich sein: Die Harry Potter Bücher, so sagt Joanne K. Rowling selbst, sind als Plädoyer für Toleranz und gegen Bigotterie zu lesen. Laut einer soeben im "Journal of Applied Psychologie" erschienenen Studie, jedoch entgeht das auch der Zielgruppe nicht. Der zufolge haben Kinder und Jugendliche, die Harry Potter lesen, signifikant weniger Vorurteile gegenüber Flüchtlingen, Einwanderern und Homosexuellen.

Der entscheidende Faktor ist die positive Identifikation mit dem Titelhelden oder die Ablehnung seines Gegenspielers, Lord Voldemord. Die Forschergruppe um Loris Vezzali von der Universität Modena führte drei Untersuchungen durch: Im ersten Teil lasen italienische Volksschüler Passagen des Buches, die sich mit Toleranz beschäftigten, während sich die Kontrollgruppe auf Textauszüge ohne diesen Bezug beschränkte. Die Harry Potter-Leser zeigten eine positivere Einstellung Einwanderern gegenüber, solange sie sich mit Harry identifizierten. Eine zweiter Versuch befragte Oberstufenschüler in Italien zu ihrem Lesepensum der Fantasyreihe und ihrer Einstellung zu Homosexuellen. Auch hier korrelierte die Lektüre mit einer vorurteilsfreieren Haltung, wenn eine Identifikation mit dem Guten stattfand. In der letzten Studie wurden britische Studenten zu ihrer Meinung zu Flüchtlingen befragt. Wieder war die emotionale Beziehung mit einer Figur entscheidend, oder vielmehr die fehlende Identifikation der Leser mit Lord Voldemord. Je stärker er abgelehnt wurde, desto positiver war die Einstellung Minderheiten gegenüber.

Nun lässt sich einwenden, dass zumindest bei Studenten die politische Ausrichtung wohl dazu beiträgt, wie stark die Ablehnung des Antagonisten empfunden wird und nicht andersherum. Bei Kindern jedoch scheint die Identifikation mit dem Helden und den von ihm verkörperten eher unbewusst und emotional als reflektierend stattzufinden.