Im "Heiligen Land Tirol": Warten und Beten für einen Bischof

Im "Heiligen Land Tirol": Warten und Beten für einen Bischof

Seit 20 Monaten hat die Diözese in Innsbruck keinen Bischof. Die Verärgerung darüber in katholischen Kreisen, der Politik und der Bevölkerung ist groß. Ein Informant aus dem Vatikan nennt mögliche Gründe für die lange Wartezeit.

Gläubige in Tirol müssen sich derzeit in Geduld üben. Seit dem Wechsel von Bischof Manfred Scheuer nach Linz gibt es in der Diözese Innsbruck keinen Nachfolger. Der Unmut über das lange Warten auf den neuen Bischof ist groß. Spekulationen gibt es in der Zwischenzeit über den Grund der langen Sedisvakanz und über den möglichen Nachfolger.

In der Diözese Innsbruck ist man über die lange Wartezeit nicht erfreut. Es gäbe nichts Neues, hieß es auf Anfrage von profil. "Wir warten und beten auf einen guten Bischof", hieß es aus der Diözese. Jakob Bürgler, der derzeitige Diözesanadministrator - und möglicher Nachfolger für das Amt - wollte keine Stellungnahme abgeben.

Diözese Innsbruck weiß nichts von angeblicher Entscheidung

In einem auf orf.at erschienenen Artikel steht, dass eine kircheninterne Entscheidung gefallen sein dürfte. Demzufolge dürfte der neue Bischof Jakob Bürgler heißen. In der Diözese Innsbruck weiß man jedoch nichts von einer Entscheidung, hieß es auf Nachfrage von profil. Man könne sich nicht erklären, woher diese Annahme stammt, sagte Michael Gstaltmeyr, Pressereferent der Diözese Innsbruck.

Gstaltmeyr glaubt nicht, dass es noch vor dem Sommer eine Entscheidung geben werde. Eine Quelle aus dem Vatikan nannte gegenüber profil drei mögliche Gründe für die lange Wartezeit.

Quelle aus Vatikan nennt mögliche Gründe

Laut des Informanten aus römischen Kreisen höre man immer wieder von drei möglichen Gründen für die lange Sedisvakanz. Zum einen müssten wohl einige der vorgeschlagenen Kandidaten "Nein" gesagt haben, zum zweiten sei die Vorarbeit in der Nuntiatur in Wien nicht so gelaufen wie sie sein sollte und zum dritten könne es auch an der Bischofskongregation in Rom liegen. Diese müssen anhand der Bischofs-Vorschläge entscheiden, welche Namensliste dem Papst vorgelegt wird. Dort befinden sich derzeit die Vorschläge. Warum es noch keine Entscheidung gibt, weiß niemand.


Wir warten und beten auf einen guten Bischof

Ist die Bischofskongregation oder Kardinal Christoph Schönborn mit den Vorschlägen nicht zufrieden? Ist das Problem, dass nur Tiroler Geistliche als Nachfolger genannt wurden? Haben die Akten aus Wien nicht gepasst? Oder lehnte Papst Franziskus, den von der Bischofskongregation empfohlenen Kandidaten für die Diözese ab?

Laut einem Artikel der Tiroler Tageszeitung soll Letzteres der Grund für die lange Wartezeit sein. Laut dem Bericht soll es Differenzen zwischen Papst Franziskus und seiner Bischofskongregation über den Kandidaten gegeben haben. Papst Franziskus soll den von der Bischofskongregation empfohlenen Kandidaten für die Diözese abgelehnt haben. Er gehörte nicht zum engeren Kreis der vom Nuntius vorgeschlagenen Kandidaten. Die Diözese Innsbruck konnte das auf Nachfrage von profil nicht bestätigen.

Die Apostolische Nuntiatur Wien, welche dafür verantwortlich ist, Vorschläge für mögliche Bischofs-Nachfolger an die Bischofskongregation in Rom zu übermitteln, wollte keine Stellungnahme geben.

Fünf Vorschläge bei Bischofskongregation in Rom

Bereits im November 2015 wurde bekannt, dass Bischof Manfred Scheuer von Innsbruck nach Linz wechseln werde. Im Jänner 2016 wechselte Scheuer dann nach Linz. Seither ist der Posten in Innsbruck unbesetzt. Bürgler, vorheriger Generalvikar leitet in der Zwischenzeit die Diözese, das Problem dabei ist, dass Bürgler als Administrator keine größeren Entscheidungen fällen darf und somit - ohne Bischof - ein Reformstau entsteht.

Jakob Bürgler, Diözesanadministrator Innsbruck

Der päpstliche Botschafter in Österreich, Nuntius Peter Stephan Zurbriggen, hat laut Medienberichten bereits im November einen Fünfer-Vorschlag (fünf geeignete Kandidaten) der Bischofskongregation übermittelt. Laut einem Bericht der Tiroler Tageszeitung soll es sich dabei um Diözesanadministrator Jakob Bürgler, den Regens des Priesterseminars, Roland Buemberger, den Pfarrer von Innsbruck/Allerheiligen, Franz Troyer, den Abt von Stift Wilten, Raimund Schreier, und den aus Innsbruck stammenden zweiten Kirchenanwalt am vatikanischen Höchstgericht, Nikolaus Schöch, handeln.

Pfarrer-Initiative kritisiert Nuntiatur in Wien

Auch in der Pfarrer-Initiative ist man über den Zustand nicht erfreut: "Bei uns ist die Stimmung inzwischen sehr verärgert und ungehalten. Die Leute bei uns fragen sich: Sind wir so unwichtig für Rom, dass wir so lange keinen Bischof bekommen? Das versteht man nicht mehr, dass es so lange dauert", sagt Dekan Bernhard Kranebitter (Diözese Innsbruck), Pfarrer-Initiative-Vorstand im Gespräch mit profil. Die Initiative ist eine Bewegung römisch-katholischer Priester und Diakone, die sich für eine Diskussion über Fragen und Probleme der Kirche einsetzen.

Er sieht die Schuld bei der Nuntiatur in Wien. "Eine straffe Organisationszentrale ist dafür da, dass Entscheidungen schnell getroffen werden." Dies sei aber nicht der Fall. "Die Nuntiatur in Wien ist unfähig zu kommunizieren. Es gibt keine Information der zuständigen Stelle warum das so lange braucht. Dann sprießen natürlich viele Gerüchte und das ist eine Selbstbeschädigung für die Kirche", findet Kranebitter.

Dekan Bernhard Kranebitter, Pfarrer-Initiative-Vorstand

Die Stimmung in der Bevölkerung sei gemischt: "Auf der einen Seite sieht man Gott sei Dank, dass das Leben sehr subsidiär organisiert ist, das Leben in den Pfarren läuft", sagt Kranebitter. Auf der anderen Seite brauche es eine Leitung, auch um wichtige Entscheidungen zu treffen.

"Die bischöfliche Leitung wird in der katholischen Kirche sakral überhöht. Es braucht eine Leitung, aber es soll das ganze Volk Gottes an der Leitung beteiligt sein", sagt Kranebitter. Die Pfarrerinitiative fordert, dass die Bestellung eines Bischofes dringend erneuert wird. Sie fordern, dass es kirchenrechtlich geregelt ist, dass der Bischof auch aus der Gemeinde heraus gewählt und von Vertretern der Kirche vorgeschlagen werden kann.

Zusätzlichen Unmut in der Tiroler Bevölkerung verursachte die kürzliche Ernennung von Hansjörg Hofer zum Weihbischof in Salzburg. Mit dem gebürtigen Tiroler erhielt Salzburg bereits einen zweiten Bischof, während Tirol weiter vergebens warten muss.

Landeshauptmann Platter übergibt Brief an Papst

Auch Tirols Landeshauptmann Günther Platter drängt auf eine rasche Bischofsernennung. Platter hat im Mai bei der Generalaudienz von Papst Franziskus im Vatikan, dem Papst persönlich einen Brief überreicht und auf die "dringende Notwendigkeit" der Ernennung eines Bischofes für die Diözese Innsbruck hingewiesen.

„Leider haben wir noch immer keine neuen Signale aus Rom erhalten. Es war sicherlich eine ungewöhnliche Maßnahme Papst Franziskus in Rom darauf anzusprechen und einen Brief zu übergeben, aber besonders in bewegten Zeiten ist ein Bischof eine Konstante", teilte Platter gegenüber profil mit. "Mir persönlich ist es sehr wichtig, dass das Land Tirol in möglichst naher, absehbarer Zukunft wieder einen Oberhirten der Katholiken begrüßen darf.“

"Im persönlichen Gespräch mit Papst Franziskus habe ich die eindringliche Bitte um baldige Besetzung des Innsbrucker Bischofsstuhles geäußert. Darauf hat mir der Heilige Vater mit einem klaren 'Ich weiß um die Situation Bescheid' geantwortet", sagte Platter über die Begegnung mit dem Papst im Mai.

Tirol ist mit dieser langen Sedisvakanz kein Einzelfall. Derzeit kommt es gehäuft vor, dass die Benennung eines neuen Bischofes länger dauert. Ein Grund dafür sei laut dem Informanten aus dem Vatikan, dass sich die Suche nach Kandidaten als immer schwieriger gestalte.