Kubikov: Oscars, Opernball, Richard Lugner

Kubikov

Kubikov

Eine Selbstgesprächstherapie.

Die Apokalypse ist keine Frage der Zeit, sondern der Perspektive, sagt Kubikov und nimmt seinen dritten Wermut in Angriff. Die Oscars zum Beispiel: das verzweifelte Aufbäumen einer hypertrophen Glamour-Elite gegen den eigenen Untergang, der in Wahrheit schon längst stattgefunden hat – er wurde nur noch nicht von allen bemerkt. Beim Opernball ist es übrigens genauso. – Dafür scheinen sich alle aber jedes Jahr ganz prächtig zu amüsieren, sage ich, was Kubikov ein süffisantes Schulterzucken kostet.

Darin liegt doch das Wesen der Apokalypse , ruft er: Ihr Eintreten muss hartnäckig geleugnet und hysterisch gefeiert werden! Das hilft am Ende zwar nichts, macht aber verdammt viel Spaß – wenn die richtigen Leute an Bord sind. Deshalb sollten die Oscars und der Opernball dringend ihre Einladungspolitik überdenken. – Sie könnten zum Beispiel das Publikum tauschen, sage ich und fühle mich für einen Moment ganz auf der Höhe des geforderten Esprits. Kubikov schnaubt entnervt. Er kann reichlich rechthaberisch sein – vor allem, wenn er recht hat oder es jedenfalls felsenfest glaubt, was wiederum vor allem dann der Fall ist, wenn er trinkt, also eigentlich immer.

Beim fünften Wermut kommt Kubikov endgültig in Fahrt: Richard Lugner ist der Chef-Apokalyptiker schlechthin. Mit seiner rasenden Öffentlichkeitssucht verschafft er sich die ultimative Existenzberechtigung. Der Hollywood Walk of Fame müsste mit Lugner-Sternen zugepflastert werden! – Kubikov ist erschöpft und beseelt zugleich und beschließt, diesem Umstand einen Extra-Wermut zu widmen.