Menschen des Jahres: Alexander Pereira – Phantom der Oper

Menschen des Jahres: Alexander Pereira – Phantom der Oper

Die Menschen des Jahres 2013: Alexander Pereira gab ein kurzes Festspiel in Salzburg.

Lange brauchte er nicht, um es sich mit allen gründlich zu verscherzen. Schon seinen ersten Salzburger Festivalsommer im Jahr 2012 nahm Intendant Alexander Pereira zum Anlass, seine mächtige Präsidentin, die Struktur der Festspiele und die natürlich viel zu geringen, seit 1998 praktisch eingefrorenen Budgets zu kritisieren, sich gleich auch noch mit seinem seit Zürcher Operntagen liebsten Feind, dem Dirigenten Franz Welser-Möst, zu entzweien und heftig gegen die Einflussnahme eines politisch besetzten (und handelnden) Kuratoriums zu agitieren, das eine Kontrollinstanz sein müsste, aber kaum Fachwissen aufzuweisen hat.

Pereira überzog vorsorglich schon in der ersten Saison seinen Etat, zauberte aber, wie er das auch in Zürich stets tat, immer neue private Financiers aus dem Hut. Der Salzburger Politik waren seine Alleingänge von Anfang an suspekt. Daher wurde Pereira zu verstehen gegeben, dass er an eine Verlängerung seines bis 2016 laufenden Vertrages nicht denken müsse. Doch daheim die Wände anzuschauen, "noch dazu hier in Salzburg“, darauf habe er keine Lust, sagte er und sorgte für einen kulturpolitischen Paukenschlag, als er bekanntgab, dass er ab 2014 neben den Festspielen auch die Mailänder Scala führen wolle. Das Kuratorium beschloss beleidigt, dass er unter diesen Umständen gar nicht erst bis 2016 zu bleiben brauche, sondern bereits zwei Jahre früher abzugehen habe. So wird Alexander Pereira, eigentlich als kulturelle Wunderwaffe aus Zürich zurück in seine Heimat geholt, die Salzburger Festspiele 2014 zum dritten und letzten Mal leiten. Kürzer hat hier seit 1945, wenn man von Markus Hinterhäusers Interimsjahr 2011 absieht, noch niemand amtiert.

Eine Niederlage mag die 66-jährige Frohnatur darin nicht erkennen, schließlich habe er nun die Chance, wieder etwas Neues zu beginnen. Sein persönlich unkonventioneller Stil drang leider nicht bis ins Programm vor. Auch Pereiras zweite Saison erregte mit den Geschehnissen abseits der Festivalbühnen deutlich mehr Aufsehen als mit den teuren Produktionen selbst. Immerhin fixierte er die zeitgenössische Oper als Programmschiene und setzte die "Ouverture spirituelle“ fort, sicherte außerdem die Pfingstfestspiele unter Cecilia Bartoli. Da könne man auch nach seinem Abgang "nicht mehr viel kaputtmachen“, meinte er selbstgewiss. Finanziell war die Saison 2013 kein Desaster: Man verkaufte so viele Karten wie noch nie, das kleine Defizit blieb verschmerzbar.

Die Einmischungspolitik der Präsidentin Rabl-Stadler nannte Pereira "das Unglück der Festspiele“ - und meinte damit wohl auch deren Zukunft: Denn Noch-Schauspielchef Sven Eric-Bechtolf wird ab September 2014 neben Rabl-Stadler in Salzburg Interimsintendant sein, ehe 2016 Markus Hinterhäuser, der als Chef der Wiener Festwochen eben erst zu arbeiten begonnen hat, wieder zu den Festspielen überlaufen wird.

Die Menschen des Jahres 2013:

# Angela Merkel hielt den deutschen Haushalt sauber.

# Frank Stronach sorgte für Erheiterung

# Maria Fekter quasselte sich ins politische Out

# Marcel Hirscher bewies wieder einmal Zug zum Tor

# Matthias Strolz beflügelte den Wahlkampf mit Heilsleere

# Miley Cyrus wurde erwachsen. Oder auch nicht

# Monika Lindner begab sich ungeniert in die Politik

# Marcel Koller spielte den Boulevard schwindlig

# Adele Neuhauser war erfrischend kaputt