Neue Alben: Dum Dum Girls, Chris Magerl

Für den perfekten Start in den Frühfrühling: Die Dum Dum Girls aus Kalifornien und Chris Magerl aus Graz geben sich durchaus beschwingt. profil unerhört präsentiert die wichtigsten CDs der Woche.

Von Philip Dulle und Stephan Wabl

Dum Dum Girls: Too True (Sub Pop/Trost)

Ein kurzer Blick in die Plattensammlung von Kristin Welchez alias Dee Dee Penny: Ein wenig Suede, vieles von The Cure und Patti Smith, Siouxsie and the Banshees, Madonna und, natürlich, Velvet Underground. Die Sängerin und Gitarristin der Dum Dum Girls legt die Fakten (respektive Referenzbands) im Begleittext zu „Too True“ gleich mal auf den Plattenteller. Dabei fällt auf: Auf Studioalbum Nummer drei übernimmt der bisher eher stiefmütterlich eingesetzte Pop-Appeal die Federführung, die motorölverschmierten Garagenrock-Reminiszenzen der ersten beiden Veröffentlichungen werden nur noch als reines Stilmittel, als leichter Retrofilter über die Songs gelegt. Denn, alte Binsenweisheit: eingängige Pop-Melodie ist gut, Indie-Schlagerparade mit melancholischen Ecken und Kanten aber besser. Weil, wer es sich mit der Kernklientel vermiest, der verliert nicht nur die Basis, sondern auch die nächste Plattenwahl. Bis dahin gibt es bittersüße (Pop-)Melodien aus Kalifornien. Für den perfekten Start in den Frühfrühling. (6.8/10) Ph. D.

Chris Magerl: Places (Remedy Records)

Die Stimme kann manchmal ein Hund sein; vor allem dann, wenn sie einem nicht gehorcht. Und richtig ärgerlich wird sie, wenn man kurz davor ist, eine Platte abzuschließen, aber nicht kann, weil sie, also die Stimme, eben ein Hund ist. So passiert im Fall des Grazer Musikers Chris Magerl. Vor zwei Jahren hätte das Album "Places" schon erscheinen sollen, die Musik war eingespielt, die Promo in den Startlöchern, allein die Vocals fehlten noch. Doch dann machte dem heute 35-Jährigen die Stimme einen Strich durch dir Rechnung und versagte ihre Dienste. Dass sie sich am Ende doch wieder zurückgemeldet hat, ist ein Glücksfall. Denn "Places" ist ein durch und durch solides Stück Musikarbeit des ehemaligen Gitarristen und Sängers der Punk-Rock- und Indie-Pop-Formationen "Sick of Silence" und "Once Tasted Life". Elf wohl überlegte, fein getextet, rocklastige Singer-Songwriter-Stücke über das Älterwerden, ehemalige Träume, soziale Missstände und zurückgelehnte Zukunftsaussichten. Kleine Geschichten und große Gesten, die den Zuhörer an vertraute, aber innerlich doch auch ein wenig distanzierte Orte bringen. Eine Zwischenbilanz sowohl der eigenen Geschichte, als auch der kleinen und großen Welt, in der wir uns Tag für Tag bewegen. Mehr dazu im profil-online-Interview mit Chris Magerl. (7.0/10) S. W.

profil-Wertung:
Von "0" (absolute Niederlage) bis "10" (Klassiker)