Neue Alben: Future Islands, Mauracher, Monsterheart, Cloud Nothings

Anna Aaron: Neuro

Verspielte Bunnies, treibender Elektropop, Gitarrenliebe: Die aktuellen Frühlings-Veröffentlichungen zeigen sich vielschichtig. profil unerhört präsentiert die wichtigsten CDs der Woche.

Von Philip Dulle und Stephan Wabl

Future Islands: Singles (4AD)

Das aus Baltimore stammende Underground-Synthiepop-Trio Future Islands darf sich seit einem Live-Auftritt bei „Letterman“ nicht über zu wenig Aufmerksamkeit beklagen. Ihr aktuelles, selbstbewusst „Singles“ betiteltes Album zeigt auch, dass das Im-Scheinwerferlicht-Stehen so mancher Band nicht sonderlich gut bekommt. Der von Sänger Samuel Herring in der Vergangenheit gern zelebrierte Herzschmerzpop wurde gegen freudige Frühlingsgefühle getauscht, das sympathisch Unausgegorene ist einer fetten Produktion gewichen. Nicht falsch verstehen: „Singles“ ist ein gutes Album geworden, das heuer alle Indie-Freiluftpartys dominieren wird. Aber Scheinwerferlicht ist eben nicht alles. (6.3/10) Ph. D.

Monsterheart: W (Seayou Records)

Anna Attar alias Monsterheart alias „Your Friendly Neighbourhood Goth“ hat ihr Debütalbum veröffentlicht – und einen Hang zur Düsterkeit kann man „W“ schon alleine ob der Trackliste nicht absprechen („Oh Death“, „At Night“, „Without Eyes“, „Basement“). Darunter, darüber, daneben mischen sich aber stetig quietschlebendige Glockenspieltöne, verspielte Bunnies und hübsch gekleidete Rotkäppchen. Nach elf Stücken hat man den Eindruck, vor einem schwarz-roten Schüttbild zu stehen. Davor flackert fleißig das Lagerfeuer, aus dem Off ist Electro-/Synthie-/Old School-/No School-Pop mit sanft-gespenstischer Stimme zu hören und eine Märchenbuchfigur mit Kapuzenpullover erfreut sich daran tanzend Runde um Runde. Hin und wieder wird Inne gehalten und über die Schulter geblickt, sich selbst versichernd, dass den Zwischengeräuschen aus dem Dunkel der Nacht keine bösen Geister folgen. Es gibt aber keinen Grund zur Beunruhigung: In beiden (allen) Fällen handelt es sich nur um „Your Friendly Neighbourhood Goth“. (7.5/10) S. W.

Mauracher: Let´s Communicate (Horray!! Music)

Was der Beat vereint hat, soll der Mensch nicht trennen. So, oder so ähnlich kann man sich die fruchtbare Kollaboration von Hubert Mauracher und der Sängerin Sonia Sawoff vorstellen. Seit dem letzten Mauracher-Album „Super Seven“ (2012) machen die beiden Klangtüftler gemeinsame Sache. 2014 klingt der treibende Elektropop nicht nur homogener, sondern auch kraftvoller; die Melodien sind im klassischen Mauracher-Stil verspielt und verträumt. Textlich geht es, wie könnte es auch anders sein, um die großen Sujets der Popmusik: Die Liebe und das Ende der Welt. Und kommuniziert wird natürlich auch darüber. (8.1/10) Ph. D.

Cloud Nothings: Here and Nowhere Else (Relapse Records)

Schon die letzte Platte der aus Cleveland, Ohio, stammenden Postrock-Berserker Cloud Nothings wurde an dieser Stelle gebührend gefeiert („Ein Noise-Freudenfest“). Für „Here and Nowhere Else“ schraubt man die verzweifelt dahingekreischte Lebensaufarbeitung einen Deut zurück, erhöht dafür aber nicht nur den Pop-Appeal, sondern auch die Chance, die vorderen Konzertreihen in eine Tanzfläche zu verwandeln. 31 Minuten und sechs Sekunden Gitarrenliebe. (7.6/10) Ph. D.

profil-Wertung:
Von "0" (absolute Niederlage) bis "10" (Klassiker)

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