Neue Alben: Kaiser Franz Josef, Paper & Places

Welche Art von Musik macht eigentlich Kaiser Franz Josef? Lesen Sie hier! Außerdem: dynamisch beliebiger Indiepop aus Deutschland. Für die Zeit zwischen Matura und Semesterbeginn. profil unerhört präsentiert die wichtigsten CDs der Woche.

Von Philip Dulle und Stephan Wabl

Kaiser Franz Josef: Reign Begins (Sony Music)

Als Österreicher auf Reisen zeigt sich gerne: Faymann kennt niemand. Spindelegger auch nicht. Und wer bitte ist Sebastian Kurz? Noch nie gehört. Man kennt „Sound of Music“, na klar – und den österreichischen Kaiser Franz Joseph. Gott hab ihn selig. Das dachte sich auch die österreichische Rockformation um Hesham Abd El Salam, Tom Pfundner und Can Aygün, die ihre Band kurzerhand nach dem Mann mit dem schlohweißen Bart benannt haben. Getreu dem Motto: The World in Austria is too small . International ist auch die Musik der Anfang-Zwanziger: klassischer US-amerikanischer Radio- und Stadionrock, irgendwo zwischen den Chartstürmern von Nickelback, Creed und Bon Jovi, gepaart mit dem aktuellen Sound australischer AC/DC-Kopisten (Airbourne, Jet). Das soll jetzt nicht als Vorwurf verstanden werden. Die Produktion ist charmant, die sirenenhafte Stimme ein Hörgenuss, die Riffs auch durchaus rotzig, die Soli gekonnt bei Kirk Hammett geklaut. Die große Chance kommt noch. Keine Frage. (5.5/10) Ph. D.

Paper & Places: No Home (Grand Hotel van Cleef)

Sie sind jung, sie sind rastlos, sie sind ohne Heimat. Also so ganz stimmt das dann doch nicht. Zuhause sind die drei jungen Herren von „Paper & Places“ nämlich vorranging im bayerischen Regensburg, rastlos unterwegs sind sie aber durchaus. Zum Beispiel in Bangkok, wie im Video zum Song „Speak Up“ eindrucksvoll zu sehen ist. Und darin heißt es dann auch kurz, knapp und leicht wehmütig: „The sleepless nights and endless flights.“ Der Albumtitel „No Home“ ist also Programm – und Heimatlosigkeit ist für junge Menschen dieser Tage ja schon zur Selbstverständlichkeit geworden. Vertont wird diese mit luftig-leichten Melodien, süßlichem Gesang und gemächlichem Schlagzeugspiel. Das klingt jetzt etwas ruhiger, als es tatsächlich ist. Denn die Jungspunde drücken bei ihren Reisen schon auch mal aufs Tempo. Textlich drehen sich die zwölf Lieder neben der verlorenen Heimat vorrangig um die verlorene Liebe. Kurz, knapp und leicht wehmütig nachzuhören auf dem Stück „Lovestuff“. Das klingt alles plausibel und stimmig und jung. Erinnert manchmal aber doch zu sehr an Aufzeichnungen von einer Klassenfahrt in die nächste größere Stadt gegen Ende der Schulzeit. Aber Heimatlosigkeit und Herzschmerzen sind ja erfahrungsgemäß örtlich unabhängig – und die Reise hat auch erst begonnen. (5.8) S. W.

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