Neue Single: "Heart Starts Bleeding" von Lovecat

Synthiepop als wirkungsvolles Antidepressivum? Der Wiener Musiker David Haering alias Lovecat veröffentlicht das schönste Stück Popmusik im Spätherbst. profil unerhört präsentiert die wichtigsten CDs der Woche.

Von Philip Dulle

Lovecat: Heart Starts Bleeding (Fabrique Records)

„Die Zukunft ist eine dumme Sau“, keift der deutsche Liedermacher und Schriftsteller Sven Regener in seinem neuen Roman „Magical Mystery oder Die Rückkehr des Karl Schmidt“ , nur um anzumerken, dass man eben nie weiß, womit sie (also die Zukunft) als Nächstes um die Ecke kommt. Keine große Erkenntnis, aber den Nagel doch ganz gut auf den Kopf getroffen. Im Falle des Wiener Elektropop-Feingeistes David Haering alias Lovecat hat sich die Stammtischweisheit im letzten Jahr wieder einmal bewahrheitet. Zur Aufarbeitung gewisser Lebensungereimtheiten verwandelt Lovecat seinen hochemotionalen Synthiepop in ein Schlachtfeld der Gefühle, gibt auf der Vorabsingle „Heart Starts Bleeding“ zum 2014 erscheinenden Album den zerrissenen Romantiker, der auch in Zeiten allergrößter Liebesnot nicht die Hoffnung verliert und nicht nur zwischen düsteren Basslines und sorglosen Melodiebögen changiert, sondern auch von einer mechanischen in eine weiche Stimmlage wechselt. Unter dem Schutz seines Pseudonyms zieht es Lovecat eben immer wieder in sein bittersüßes Elektropop-Refugium zurück, gleichzeitig zerbrochen und auferstanden, wie ein Phoenix aus der Asche. Dass sein Lebensabschnittssong nicht nur das Herz, sondern auch die Beine zum Tanzen bringt, beweist, dass Haering nach Stationen in diversen Rock’n’Roll- und Punkrock-Bands in der Kunst der klassischen Popmusik-Dramaturgie seine musikalische Heimat gefunden hat. Drei Minuten und 46 Sekunden mitten ins Herz.

+++ Das Video zu "Heart Starts Bleeding" finden Sie hier +++

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