Pop-Duo Fijuka: Topsy Küppers haben wir nie studiert”

Pop-Duo Fijuka: Topsy Küppers haben wir nie studiert”

Der noch jungen Karriere des österreichisch-deutschen Pop-Dance-Duos Fijuka geht es derzeit ausgesprochen gut. Nun erscheint das Debütalbum der beiden Musikerinnen. profil online hat Judith Filimónova und Ankathie zum Interview getroffen. Ein Gespräch über Kleiderschränke, Voyeurismus und Death-Metal-Schreierei.

Interview: Philip Dulle und Stephan Wabl

profil online: Sie haben ein fulminantes Jahr hinter Ihnen. Radio-Airplay, gefeierte Konzerte, jetzt der Album-Release.
Ankathie: 2013 war definitiv ein Partyjahr. Wir waren ständig unterwegs. Nächtelang. An das grelle Licht haben sich meine Augen noch immer nicht gewöhnt.

profil online: Kennengelernt haben Sie sich auf der Universität für angewandte Kunst?
Ankathie: Stimmt. Wir waren wohl richtige Außenseiter, die nicht zu den anderen Studierenden gepasst haben. Wir beide sind bei einem Kurs etwas verloren herumgestanden, dann habe ich Judith einfach angesprochen.
Judith: Und wir haben beide eine Schwäche für Wein. So haben wir uns dann besser kennengelernt.

profil online: Auf der Angewandten sind Sie noch anzutreffen?
Judith: Ich bin noch inskribiert – aber ich war schon ewig nicht mehr dort.

profil online: Haben Sie sich schon daran gewöhnt, Interviews zu geben?
Ankathie: Wir hatten ja bis vor kurzem nur diese eine Single veröffentlicht. Die hat uns gleich relativ bekannt gemacht. Und plötzlich sollst du über Skype ein Live-Interview mit einem britischen Radio führen. Ich bin diesen Pop-Zirkus ja gar nicht gewöhnt. Ich habe vorher nur Jazz gemacht.

profil online: Und wie sieht es mit Autogrammen aus?
Judith: Also Judith bekomme ich schon ganz gut hin.

profil online: Im Internet findet sich ein alter Song , der eher düster und melancholisch klingt. Auf der neuen CD findet sich eine neue Version davon. Warum so unstet?
Ankathie: Wir kommen einfach nicht davon los. Die erste Version war schön, aber fad. Die zweite war live nicht umsetzbar. Die dritte Version ist schon richtig gut.

profil online: Im Video zum Song tragen Sie schwarze Kleider. Jetzt treten Sie fast nur noch im buntem Glitzeroutfit auf. Haben Sie Ihren Kleiderkasten neu eingeräumt?
Judith: Zuerst ging es uns nur darum, mal gemeinsam Musik zu machen. Der erste Gig war bereits ausgemacht, da wussten wir noch gar nicht, was die andere für Musik macht. Wir hatten ja noch nicht mal einen Bandnamen. Die Veränderung war ein natürlicher Prozess.

profil online: Dennoch wirkt das Album ruhiger, als die energetische Bühnenperformance vermuten lassen würde.
Ankathie: Eine Woche vor dem Studiotermin haben wir unser fertiges Albumkonzept auf den Kopf gestellt. Plötzlich hatten wir die Heimorgel, die Drums und noch ein paar andere Elemente, die uns ganz gut gefallen haben. Einen Country-Song haben wir dann doch nicht verwendet. Schade eigentlich.
Judith: Das Album sollte eine Bestandsaufnahme unserer bisherigen Zeit sein. Aber wenn man die CD physisch in den Händen hält, ist man mit dem Kopf bereits weitergezogen. Aber es ist schon wichtig, dass das Album mal abgeschlossen wurde. Man schafft damit wieder Platz für Neues.

profil online: Bei dem Video zu der aktuellen Single „Phantom Sentimental“ werden Sie bei lebendigem Leibe gegrillt. Ein Statement gegen Fleischverzehr?
Judith: Nicht alles, was im Video nach Fleisch aussieht, ist auch Fleisch. Aber es war wohl die Lust an der Angst. Auch ein wenig Voyeurismus. Überall halbnackte Menschen, die sich dem Fleisch hingeben.

profil online: Es gibt so große Griller wirklich?
Ankathie: Ja, bei einem Wiener Partyverleih. Wir haben gleich den größten genommen, der für zwei Menschen geeignet schien.

profil online: Sind Videos ein notwendiges Übel?
Ankathie: Nein, ganz und gar nicht. Wir sind beide filmaffine Menschen. Unsere Videos sollten schon ein wenig auffällig sein. Außerdem gefällt es uns, wenn man unsere Musik nicht genau einordnen kann.

profil online: Das öffentlich-rechtliche Schweizer Radio und Fernsehen bezeichnet Sie als neue Repräsentanten der Wiener Boheme. Fijuka als neues Liebkind der Szene?
Judith: Ich weiß gar nicht, was man damit sagen will.
Ankathie: Ich glaub nicht, dass wir das sind. Dafür ist die Musik einfach zu schwer verdaulich. Ein breiteres Publikum sprechen wir wohl eher nicht an.

profil online: Hört man es „Fijuka“ an, dass es eine österreichische Produktion ist?
Ankathie: In Österreich gibt es zahlreiche Künstler, die sich bewusst für Understatement entscheiden und nicht auf eine fette Produktionen setzen, die besonders krass und laut ist. Wir haben auf dem Album auch ohne Produzenten gearbeitet. Vielleicht klingen wir deshalb ein wenig österreichisch.
Judith: Wir haben uns auch für einen gewissen Trash-Faktor im Sound entschieden. „Fijuka“ ist definitiv keine amerikanische Beat-Produktion.
Ankathie: Mein Gesang ist der wahrscheinlich untypischste, den man sich für eine österreichische Produktion vorstellen kann.
Judith: Wir stehen ja auch in keiner Tradition. Wir sind keine Indierock-Band und spielen auch keinen klassischen Singer/Songwriter-Pop. Es ist auch nicht so, dass wir jahrelang Topsy Küppers studiert hätten.

profil online: Steckt hinter der Band ein großer Plan, oder machen Sie das nur zum Spaß?
Ankathie: Mit Spaß hatte das nie etwas zu tun! Was ich damit meine: Ich bin Profimusikerin, ich hab nur diesen Job. Ich möchte schon davon leben können.
Judith: Also reich möchte ich schon werden.

profil online: Glücklich werden können Sie nur mit der Musik?
Ankathie: Auf der Bühne zu stehen ist das Größte. Wenn alles ineinanderfließt und explodiert. Und wenn das Publikum dann auch noch mitmacht. Aber nur Spaß ist es eben auch nicht.

profil online: Gelernt haben Sie klassischen Gesang?
Ankathie: Ja, davon zehre ich noch immer. Ich kann noch immer relativ hoch singen. Mit 16 oder 17 habe ich das an den Nagel gehängt, obwohl ich die Musik sehr gern gemocht habe. Aber ich wollt nicht um 8 Uhr früh in der Kirche singen, sondern lieber die Nacht in den Clubs durchmachen. Diese Seidenschals, die Kleider, das war mir ein Graus.

profil online: Man liest gelegentlich vom Berliner/Wiener-Duo. Dabei kommen Sie ja aus Bayern.
Ankathie: Also das mit Berlin ist Blödsinn. Keine Ahnung woher das kommt. Aber es klingt gut. Ich komme aus Burghausen, direkt an der Grenze zu Österreich. Es ist wirklich schön dort – und, wir haben die längste Burg Europas!

profil online: Warum versteckt ihr euch hinter Künstlernamen?
Judith: Ich sage nur Dostojewski. Da kann jeder selbst dahinterkommen.
Ankathie: Bei mir steckt nicht so viel dahinter. Ich habe einen schrecklich bayrischen Nachnamen. Der ist wenig romantisch und lässt sich auf Englisch auch noch schwer aussprechen.

profil online: Gibt es bereits eine gewisse Erwartungshaltung? Wie viele Platten solltet Ihr verkaufen, um die Plattenfirma glücklich zu machen.
Judith: Ist es nicht die Aufgabe der Plattenfirma, uns glücklich zu machen? Ich glaube, wir machen uns einfach nicht so viele Gedanken.

profil online: Wurdet ihr schon von Parteien oder Organisationen vereinnahmt?
Ankathie: Nein, noch gar nicht.
Judith: Wir würden für jede Partei spielen!
Ankathie: In Bayern habe ich das wirklich gemacht.
Judith: Wie jetzt?
Ankathie: Mit einer Jazz-Band habe für die SPD, CSU und die Grünen gespielt – und das in einer Woche.

profil online: Eine musikalische Leidenschaft, die Sie noch nicht ausgelebt haben?
Ankathie: Richtig harte Rockmusik. So richtige Death-Metal-Schreierei. Oder auch in einer Rockabilly-Band. Das wär schön: so richtig schön zum Tanzen.

profil online: Auf dem Albumcover sieht man fast nur Haare. Gehen Sie eigentlich gemeinsam zum Frisör?
Ankathie und Judith: Wir gehen nie zum Friseur, aber einmal wöchentlich gemeinsam in den Beautysalon.

Fijuka gibt es seit Frühling 2011 und besteht aus Judith Filimónova (bass/voc.) und Ankathie (voc./synth.) Im April 2013 erschien ihre Debut-EP "Behave" (From Now On). Ihr Debütalbum "Fijuka" erscheint am 8. November auf Seayou Records. Fijuka machen Popmusik mit Discokugel und Glitzerkonfetti.

Releaseshow des Albums ist am 13. November im Chelsea in Wien.