Naomi Campbell
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Naomi-Empfängnis

Naomi Campbell bekam mit 50 eine Tochter, aller Wahrscheinlichkeit nach durch Leihmutterschaft. Wird dieses Modell wegweisend für Frauen, die lieber zuerst ihre Karriere absolvieren?

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Erregungsstufe Dunkelrot in den sozialen Medien. Kaum ein Magazin, das auf seinem Instagram- Account nicht das aktuelle Cover der britischen Vogue übernimmt und kommentiert. Das Titelbild zeigt die 51-jährige Naomi Campbell mit wehenden Extensions gleich einer Erd-Göttin Gaia (auch mit „die Gebärerin zu übersetzen), ihre neun Monate alte Tochter (der Name wird noch nicht verraten) dicht an sich gedrückt. „Meine Tochter ist nicht adoptiert, räumt Campbell im dazugehörigen Interview alle Zweifel aus dem Weg, „sie ist mein Kind. Das Gespräch wurde per Telefon auf einem Langstreckenflug zwischen London und Qatar geführt - 34 Tage, zwei Stunden und 15 Minuten nach dem ursprünglich festgesetzten Termin, wie die etwas entnervt anmutende Vogue-Redakteurin gleich zu Beginn der Story wissen lässt.  

Die Spekulationen, wie das Supermodel, das nicht nur durch sein makelloses Aussehen, sondern auch durch sein defizitiäres „anger management zu einer fixen Größe in der Popkultur geworden zum, „größten Glück meines Lebens kam, halten klatschaffine Blätter wie die „Daily Mail und „Paris Match gegenwärtig auf Touren: Fotos von Naomis Laufsteg-Auftritten in der Zeit knapp vor dem vergangenen Mai, als Campbell erstmals das Füßchen ihres Kindes in der perfekt manikürten Hand postete, werden akribisch in Hinblick auf die mögliche Wölbung eines Babybauches analysiert.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit hat Campbell den Weg beschritten, der mittlerweile unter 40plus US-Celebrities durchaus gesellschaftsfähig scheint. Während junge Frauen wie Rihanna, Ashley Graham oder Jennifer Lawrence gerne ihren Babybauch ostentativ und stolz auf sämtlichen roten Teppichen ins Bild rücken, haben Sarah Jessica Parker, Cameron Diaz oder zuletzt Kim Kardashian sich durchaus auch offen bekannt, für ( zumindest einige) ihrer Kinder eine Leihmutter geheuert zu haben.

 

Rechtslage in Europa uneinheitlich

Eine Methode, die mit allen Nebengeräuschen und Formalitäten, in etwa mit 70.000 Euro zu bemessen ist. Im Gegensatz zu den USA und einigen südamerikanischen Staaten ist die Rechtslage in Europa für Leihmutterschaften uneinheitlich: In 18 der 28 EU-Mitgliedstaaten ist es verboten, die Eizelle der Auftraggeberin, häufig bereits mit dem Samen des dazugehörigen Vaters oder Samenspenders versehen, einer Leihmutter einsetzen zu lassen. Jene Länder, die das Konzept gesetzlich dulden (mit der schwer kontrollierbaren Einschränkung, dass sich die Frauen unentgeltlich zur Verfügung zu stellen) sind u. a. Griechenland, Irland, Belgien, Großbritannien, Polen und Tschechien.  

Mit den Worten „Heute schreiben wir Geschichte, erklärte der israelische Gesundheitsminister Nitzan Horowitz im vergangenen Jänner, dass es israelischen Bürgerinnen und Bürgern erlaubt ist (und zwar allen, auch Single-Frauen und homosexuellen Paaren), die Hilfe einer Leihmutter in Anspruch zu nehmen.

Doch mit dem entsprechenden Geldbeutel ist es natürlich auch möglich, mit österreichischer Staatsbürgerschaft sein Kind im Ausland in Auftrag zu geben und hier amtlich anerkennen zu lassen, wie beispielsweise das „Kinderwunschzentrum an der Wien“ auf seiner Website im Kapitel „Kinderwunsch ohne Grenzen durch unser europäischen Partnerzentren” auf Kooperationen beispielsweise in Brünn hinweist.

Eine regelrechte Leihmutter-Industrie floriert seit einigen Jahren in der Ukraine, wie in mehreren Fernsehdokumentationen gezeigt wurde. Die drohende russische Invasion wird das Geschäft mit den Bestell-Babies auch zum Stagnieren bringen. Dramen spielten sich dort auch während der Pandemie, da viele vorrangig deutsche Eltern bei der Geburt ihrer Kinder auf Grund der Reisebeschränkungen nicht dabei sein konnten.

Dass Fortpflanzung und Beziehungsleben in absehbarer Zeit häufig getrennt passieren werden, prognostizierten avantgardistische Evolutionsbiologen schon vor 20 Jahren.

Seit der Debatte um das Prinzip „social freezing, wo Frauen bei Firmen wie Apple und Facebook ihre Eizellen, vom Arbeitgeber bezahlt, einfrieren lassen konnten, sind einige Jahre ins Land gezogen. Doch die Kinderlosigkeitsrate unter Akademikerinnen zeigt, dass für viele Frauen Familie und Karriere noch immer schwer vereinbar scheint.

In der gestrigen Redaktionssitzung führten wir eine heftige Debatte zu dem Thema. Wir würden uns über Ihr Feedback oder Ihre Erfahrungen zum Thema Kinderwunsch (-Industrie), Leihmutterschaft, Samenbanken freuen. Und werden mit Sicherheit in einer unserer nächsten Ausgaben gesondert auf die vielen Aspekte, die das Thema begleiten, eingehen.

Naomi Campbell beendete ihr Interview in der „Vogue übrigens mit der Ansage, dass es nicht nur bei diesem einen Kind bleiben muss. Vielleicht wird sie uns zum 55-er mit einem Geschwisterchen überraschen.

Wir freuen uns über Ihre Meinung und Ihre Erfahrungen, die natürlich von uns vertraulich behandelt werden, unter [email protected].

Ihre Angelika Hager

Angelika   Hager

Angelika Hager

leitet das Gesellschafts-Ressort