Punkrockband Beatsteaks: „Wir waren nie wie Tokio Hotel”

Punkrockband Beatsteaks: „Wir waren nie wie Tokio Hotel”

Das Glück ist eine Melodie: Die Berliner Punkrockband Beatsteaks ist auch nach Jahren des Erfolgs, unzähligen Konzertourneen und persönlichen Tragödien nicht müde geworden, nach dem perfekten Song zu suchen. profil online traf Sänger Arnim Teutoburg-Weiß und Gitarrist Peter Baumann anlässlich der Veröffentlichung ihres neuen Albums am Wiener Badeschiff.

Interview: Philip Dulle

profil online: Deutschland ist Weltmeister, die Beatsteaks veröffentlichen ihr siebtes Album: Lässt man sich als Musiker auch gerne mitreißen?
Peter Baumann: Wir freuen uns natürlich – und nehmen ein paar gute Vibes mit. Mehr steckt aber nicht dahinter.

profil online: Ein Beatsteaks-Credo wirft aber Parallelen auf: Mit harter Arbeit und Ausdauer kommt man auch ans Ziel.
Baumann: Parallelen gibt es bestimmt: Der Stürmer ist zum Beispiel nichts wert, wenn die Hintermannschaft nichts taugt – und umgekehrt.
Arnim Teutoburg-Weiß: Natürlich funktioniert eine Band vor allem durch gutes Teamwork. Wenn der Tormann der Stürmer sein will, funktioniert das ganze Team nicht.

profil online: Zuerst kommt die Band, dann die einzelnen Musiker?
Baumann: Ganz genau. Man muss schon in das Bandgefüge passen und genau wissen, wo man hingehört. Dann wird’s erst richtig lustig.

profil online: Läuft man als gut ausgewogene Band auch weniger Gefahr, nach ersten Erfolgen abzuheben?
Baumann: Wir sind als Band stetig gewachsen. Wir wurden nicht über Nacht berühmt. Wir hatten auch nie so einen Über-Hit, der uns plötzlich in ganz neue Rockstar-Sphären katapultiert hätte. Die Beatsteaks waren ja nie wie Tokio Hotel.

profil online: Vor allem waren die Beatsteaks immer eine Band der unterschiedlichen Einflüsse. Ihr neues, siebtes Album klingt indes stringenter. Haben Sie einen Konsens gefunden?
Teutoburg-Weiß: Konsens würde ich nicht sagen. Das Album ist vielleicht straighter und weniger ausufernd. Das liegt wohl daran, dass wir lange an den neuen Songs gearbeitet und von 22 Ideen die Hälfte gleich wieder verworfen haben.
Baumann: Dazu kommt: Das fertige Album war diesmal nicht das Ziel. Wir wollten einfach schöne Demos aufnehmen. Alles andere ging dann von allein.
Teutoburg-Weiß: Und auch hier gibt es eine schöne Fußball-Allegorie: Wir haben versucht, den Ball möglichst flachzuhalten.

profil online: Hat der schwere Unfall Ihres Schlagzeugers Thomas Götz vor zwei Jahren die Band nachhaltig verändert?
Teutoburg-Weiß: Die Aufnahmen waren sehr diszipliniert. Nach dem Motto: Jetzt keinen Bullshit bauen – und wenn jemand ein Problem hat, soll er es gleich sagen. Wir wollten einfach keine Zeit verlieren. Dafür ist das Leben zu kurz. Im Studio waren wir dann nur 20 Tage.

profil online: Kann man sich die Beatsteaks in einer anderen Konstellation überhaupt vorstellen?
Baumann: Für uns war klar: Ohne Thomas würden die Beatsteaks nicht weiter existieren. Damit würden wir nicht nur die Band, sondern auch ihr familiäres Konzept ad absurdum führen.

profil online: Ihr Durchbruchalbum „Smack Smash“ ist jetzt auch schon zehn Jahre alt. Blicken Sie manchmal wehmütig auf die Karriere zurück?
Baumann: Wehmütig nicht. Ein wenig stolz bin ich auf die Band aber schon.
Teutoburg-Weiß: Manchmal reißt es mich, wenn wir einen uralten Song live spielen. Die Zukunft bleibt aber immer spannender. Eine Nostalgie-Band werden die Beatsteaks nie sein.

profil online: Der Spagat zwischen gemütlicher Kiezband und ausverkaufter Berliner Wuhlheide. Zwei Seelen in einer Brust?
Teutoburg-Weiß: Diese abgezockten Rockstars, die dann wieder ganz bescheiden sein wollen! Aber nein, ein Konzert ist ein Konzert. Egal ob man in einem kleinen Club oder auf den größten Bühnen des Landes steht.

profil online: Sie haben kürzlich das Ramones-Stück „I Don’t Want To Grow Up“ als Coverversion im Internet veröffentlicht. Hatten die Ramones einen großen Einfluss auf die Beatsteaks, oder wollten Sie dem kürzlich verstorbenen Tommy Ramone eine letzte Ehre erweisen?
Teutoburg-Weiß: Natürlich hatten die Ramones einen Einfluss auf uns. Die haben zwar knallhart ein Lied immer und immer wieder gespielt, das aber durchaus abwechslungsreich. Innerhalb der Band haben sich die Musiker aber gehasst.

profil online: Im Gegensatz zu den Beatsteaks. Sie versuchen sich von Album zu Album neu zu erfinden. Ist das Experimentieren auch ein Spiel mit den Fans?
Baumann: Bewusst machen wir das nicht. Das sind Querelen, auf die wir gerne verzichten würden. Vor allem die Musik und Weiterentwicklung der Band muss für uns glaubhaft bleiben. Wenn dann auch noch die Fans begeistert sind, ist alles gut.

profil online: „I Never Was“, der letzte Song des neuen Albums klingt dann doch sehr versöhnlich. Sind die Beatsteaks doch angekommen?
Teutoburg-Weiß: Diese Gitarrenmelodie von Peter hat mich direkt ins Herz getroffen. Ich wusste sofort, dass ich bei diesem Song über mich selbst singen muss. Und plötzlich hatte ich den Titel in mein Songbook gekritzelt: „I Never Was, I Never Was, I Never Was!“
Baumann: Diese Momente, die einen so richtig treffen, die muss man bewahren. Das ist die eigentliche Kunst.

Die Beatsteaks sind Arnim Teutoburg-Weiß (Gesang), Bernd Kurtzke (Gitarre), Peter Baumann (Gitarre), Torsten Scholz (Bass) und Thomas Götz (Schlagzeug). Ihr siebtes, selbstbetiteltes Album erscheint am 1. August.

Am 7. November gastieren die Beatsteaks im Wiener Gasometer (Support: Bilderbuch).