Franziskus verschärft die Gangart bei sexuellem Missbrauch

© APA - Austria Presse Agentur

Gesellschaft
03/16/2021

Respekt ohne Segnung: Vatikan will homosexuelle Paare nicht segnen

Papst Franziskus bestätigt, dass katholische Geistliche gleichgeschlechtliche Verbindungen nicht segnen können.

von Elena-Ligia Crisan

Gott könne keine „Sünde“ segnen, heißt es in einem am Montag veröffentlichten Responsum ad dubium, also einer formellen Antwort der Kongregation für die Glaubenslehre (Congregatio pro doctrina fidei) auf eine zuvor gestellte Anfrage. "Die Stellungnahme des Vatikan ist ein Schlag für all jene Gläubigen, die noch auf die Unterstützung des Papstes gehofft hatten", sagte Fabrizio Marrazzo, Sprecher der Partito Gay, der ersten Schwulenpartei in Italien.

Fabrizio Marrazzo reagiert mit einem Instagram-Post und sieht die Entscheidung als „Rückschritt für die Gläubigen, die auf den neuen Papst gehofft haben.“ Er ruft die italienische Politik dazu auf, sich nicht beeinflussen zu lassen.

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Toleranz versus Segnung

Hintergrund des Schreibens, eine zweiseitige Erklärung, die von Papst Franziskus approbiert wurde, seien „Projekte und Vorschläge“, die sich in einigen kirchlichen Bereichen verbreiten würden, Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts zu segnen. Das Dekret unterscheidet zwischen einer grundsätzlichen Toleranz homosexueller Menschen gegenüber und einer Segnung deren Partnerschaften durch die Kirche.

In der Erklärung heißt es, dass ein „Vorhandensein positiver Elemente in solchen Beziehungen, welche in sich zu würdigen und zu schätzen sind, diese Beziehungen nicht rechtfertigen und sie zu legitimen Objekten eines kirchlichen Segens machen kann, weil die positiven Elemente innerhalb des Kontextes einer Verbindung existieren, die sich nicht dem göttlichen Plan unterordnen.“

Konkret bedeutet diese Auslegung, dass diejenigen gesegnet würden, die sich homosexuellem Sex entziehen. Leben diese Menschen ihre sexuelle Orientierung nicht aus, sondern zeigen „Treue zu den geoffenbarten Plänen Gottes, wie sie in der kirchlichen Lehre vorgelegt werden“, so könnten Einzelpersonen durchaus gesegnet werden.

Der Papst hatte sich in der Vergangenheit für eingetragene gleichgeschlechtliche Partnerschaften, aber gegen die sogenannte Homo-Ehe ausgesprochen.

In dem Dokumentarfilm "Francesco" des russischen Regisseurs Jewgeni Afinejewski aus Oktober 2020 sprach der Papst Homosexuellen das Recht zu, „in einer Familie zu sein“ – damit ist wohl die kirchliche Familie im übertragenen Sinne gemeint, denn laut Familienminister Lorenzo Fontana in einem Interview aus 2018 „existieren“ Regenbogenfamilien laut dem italienischen Gesetz "nicht". In der Kirche „sollte niemand wegen seiner sexuellen Ausrichtung ausgeschlossen oder unglücklich werden", sagte Franziskus. Es war das erste Mal, dass sich ein Papst öffentlich für die Anerkennung homosexueller Partnerschaften aussprach.

Kritik an Rom

Der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler betonte in einem Interview mit Kathpress, dass „die Ablehnung von offiziellen Segnungsfeiern für gleichgeschlechtliche Beziehungen kein Urteil über homosexuelle Menschen ist." Die Kirche müsse sich noch mehr als bisher um sie bemühen. Die Entscheidung der vatikanischen Glaubenskongregation sei eine Enttäuschung für alle, die sich ein deutlicheres Zeichen der Akzeptanz von homosexuellen Paaren erhofft haben." Umso mehr müsse die Kirche homosexuellen Menschen in der Kirche eine spirituelle Heimat anbieten - und dies nicht erst dann, wenn sie enthaltsam leben." Glettler will das Gute in homosexuellen Beziehungen hervorheben, denn die Geschichte der oberflächlichen und gehässigen Verurteilungen wirkt noch lange nach." Dazu gehöre, dass so wie bisher jede Einzelperson ungeachtet ihrer sexuellen Orientierung einen kirchlichen Segen empfangen kann".

Auch vonseiten der internationalen Kirchenreformbewegung Wir sind Kirche gibt es Kritik: Diese unsägliche Entscheidung verdeutlicht einmal mehr, dass der Versuch Roms nicht gelingen kann, von oben her weltweit Glaubens- und Sittenregeln zu verordnen, ohne einen Dialog mit den Kirchen vor Ort zu führen."

Eheschließungen und eingetragene Partnerschaften in Österreich

Im Dezember 2017 hat der Verfassungsgerichtshof (VfGH) den Weg für die Homoehe frei gegeben. Der Gerichtshof begründete diesen Schritt mit dem Diskriminierungsverbot des Gleichheitsgrundsatzes. Die alte Regelung lief per 31. Dezember 2018 aus, die Öffnung trat damit mit 1. Jänner 2019 in Kraft. Seitdem können homosexuelle Paare an Österreichs Standesämtern den Bund der Ehe schließen. Gleichzeitig steht die eingetragene Partnerschaft auch verschiedengeschlechtlichen Paaren offen, denn der Gesetzgeber hatte keine anderslautende Bestimmung beschlossen.

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Evangelische Pfarrer entscheiden selbst über Segnung

Im Gegensatz zur katholischen Kirche ermöglicht die evangelische Kirche Augsburgischen Bekenntnisses (A.B.), mit 271.000 Mitglieder die größte evangelische Gemeinschaft, gleichgeschlechtlichen Paaren seit 2019 eine "Segnung in einem öffentlichen Gottesdienst." Voraussetzung dafür ist eine standesamtlich geschlossene Ehe.

Österreichs zweitgrößte evangelische Kirche, die evangelisch-reformierte Kirche Helvetischen Bekenntnisses (H.B.), traf März 2019 eine Entscheidung zur Ehe-Öffnung für gleichgeschlechtliche Paare: Nicht eine Segnung, sondern die völlige Gleichstellung homo- und heterosexueller Paare wurde beschlossen. Bereits seit 1999 waren in der reformierten Kirche Segnungen homosexueller Paare in öffentlichen Gottesdiensten möglich gewesen.

Der größte Unterschied zwischen der für gleichgeschlechtliche Paare möglichen Segnung und der Ehe zwischen Mann und Frau in der Evangelischen Kirche ist, dass die jeweiligen Gemeinden eine derartige Segnung in ihren Kirchen ablehnen können.

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