Trash-Format "Dschungelcamp" mit "archaischem Erfolgsprinzip"

RTL - Trash-Format "Dschungelcamp" mit "archaischem Erfolgsprinzip"

Das RTL-"Dschungelcamp" liegt weiter auf Erfolgskurs. In Deutschland waren bei der Mittwoch-Ausgabe von "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" 8,37 Millionen Seher dabei - Staffelrekord. Aber auch in Österreich ließen sich 382.000 Menschen die Abenteuer von Larissa Marolt und Co nicht entgehen. Der Kommunikationswissenschafter Peter Vitouch über die Faszination des Formats.

Wie erklären Sie sich den anhaltenden Erfolg der mittlerweile achten Staffel dieser Show?

Vitouch: Es ist dem Sender gut gelungen, die Skandalisierung wieder anzuheizen. Schon alleine, dass wir darüber sprechen, ist ein Zeichen für die gelungene PR. Mittlerweile ist es so, dass auch einige intellektuelle Kritiker geneigt sind, dieses Programm akzeptabel und ganz witzig zu finden. Auch die Nominierung für den Grimme-Preis ist ja keine Kleinigkeit. Das führt letztlich dazu, dass Leute, die es bisher nicht gesehen haben, einschalten. Sie wollen wissen, worüber in der Öffentlichkeit gesprochen wird.

Warum nimmt sich auch das Feuilleton des Formats an?

Vitouch: Es unterliegt der Versuchung, die Dinge gegen den Strich zu bürsten, um Aufmerksamkeit zu erregen. Wenn das Feuilleton dagegen wettern würde, wäre das normal. Aber wenn sich diese Leute darüber Gedanken machen und es gesellschaftspolitisch spannend finden, ist das interessant für das Selbstverständnis des Feuilletons und letztlich auch der Leser.

Mit Neuerungen hält man sich im "Dschungelcamp" zurück - und kommt trotzdem an.

Vitouch: Es wird mit dem gleichen Erfolgsprinzip gearbeitet, das recht archaisch ist: Schadenfreude zu erwecken und anderen Leuten bei Ekelreaktionen zuzuschauen. Es ist etwas, das uns aus der Entfernung amüsiert, weil wir nicht dabei sein müssen. Dass es B-oder C-Promis sind, die das tun, um aus einem beruflichen Tief herauszukommen, ist Teil der Dramaturgie.

Sehr präsent in der Sendung und in den Medien war bisher die Kärntnerin Larissa Marolt. Welche Rolle spielt sie aus Ihrer Sicht?

Vitouch: Für die Macher ist es gut, wenn die Kandidaten Profil zeigen. Es wäre ja uninteressant, wenn sie in der Gruppe geduldig vor sich hinleiden und es keine Differenzierungen gäbe. Marolt macht das wiederum ganz geschickt, es scheint auch das Schauspieltraining einiges bewirkt zu haben. Sie sticht heraus, weil sie sich durchaus kontroversiell gibt. Und dass es gespielt ist, davon bin ich zu nahezu 100 Prozent überzeugt.

Was versprechen sich die Teilnehmer vom "Dschungelcamp" abseits der Gage?

Vitouch: Wenn man diese Auftritte in PR-Münze umrechnen würde, dann haben sie ganz schöne Aufmerksamkeitszeiten und werden noch dazu dafür bezahlt. Das rentiert sich für die Leute schon. Wobei es auch um die Idee geht, den Fuß in die Tür zu bekommen und in weiterer Folge damit zu arbeiten.

Immer wieder wird an Trash-Formaten wie diesem auch Kritik geübt. Aus Ihrer Sicht gerechtfertigt?

Vitouch: Es ist klar, dass das kein Format für einen öffentlich-rechtlichen Sender ist: Es ist im Grunde geschmacklos und wirkt sich nicht wirklich positiv auf die Psychohygiene aus. Darum gibt es entsprechende Gesetze, die so etwas den öffentlich-rechtlichen Sender verbieten. Das ist jetzt nur ein Hinweis, was passieren würde, wenn diese Sender aufgelassen werden. Andererseits bin ich explizit gegen generelle Verbote von solchen Formaten. Man muss keine Zensurstellen einrichten, das würde wesentliche demokratische Grundprinzipien verletzten. Es wäre erheblich besser, man würde in demokratischer Weise dagegen stimmen, und zwar in dem man es sich nicht anschaut. Dann wäre es sofort weg.

Hat das "Dschungelcamp" ein Ablaufdatum?

Vitouch: Ja, wie jedes Format, auch wenn letztlich bestimmte Aspekte in anderer Form wieder auftauchen werden. Aber im Moment lebt es von der Aufmerksamkeit des Feuilletons. Das hat das Überleben zumindest für die nächsten ein, zwei Jahre gesichert.

(APA/Red)