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Gesellschaft
05/22/2020

Corona und Videospiele: Was wir jetzt spielen

Spielwiese #1: Über die Faszination des gemeinsamen Videospielens in Zeiten der Pandemie.

von Christian Rainer

Durch "virenfreie" virtuelle Zusammenkünfte kann das soziale Leben auch in Zeiten von physical distancing weitergehen. Die intensive Nutzung von Social-Media gehörte für die meisten ohnehin schon zum Alltag. Für viele in der Corona-Zeit neu hinzugekommen sind regelmäßige private oder berufliche Treffen per Videokonferenz-Software (wie etwa Zoom, Microsoft Teams oder Jitsi) – mit Webcam und Mikrofon werden Konferenzen veranstaltet, Partys geschmissen oder sogar Hochzeitszeremonien durchgeführt. All das war schon vor Corona-Zeiten möglich, doch durch die Krise wurden persönliche Hemmschwellen nun schneller überwunden.

Gaming-Boom in der Corona-Krise

Auch Online-Computerspielwelten bieten jede Menge Möglichkeiten für soziale Kontakte. Nicht verwunderlich also, dass seit Beginn der Corona-Krise die Gaming-Industrie Nutzerrekorde verzeichnet. Wirft man einen Blick auf die mediale Berichterstattung – oder aber auch auf Alltagsgespräche rund um das sonst doch so oft bekrittelte Medium Computerspiele – wird deutlich, dass in letzter Zeit die gesellschaftliche Akzeptanz gestiegen ist. Bezeichnend dafür: Sogar die Weltgesundheitsorganisation WHO streicht das verbindende Potenzial von Computerspielen hervor, ruft zum Gamen auf und dazu, sich der Initiative #PlayApartTogether anzuschließen.

Was ist das Besondere am gemeinsamen Computerspielen über die Distanz? Zunächst ermöglichen viele Online-Spiele ebenso wie die oben genannten (Video-)Chat-Tools die Kommunikation zwischen den SpielerInnen. Doch es kommt noch eine weitere, viel wesentlichere Ebene hinzu: Gemeinsames Spielen bedeutet, gemeinsam einer Aktivität nachzugehen, etwas gemeinsam zu erleben, sich gemeinsam auf die (virtuellen) Erlebnisse einzulassen – ganz egal ob miteinander im Team oder im Wettkampf gegeneinander gespielt wird. Und gerade in Zeiten der sozialen Isolation, sind diese Erfahrungen umso wichtiger.

Die möglichen (Spiel-)Erlebnisse sind wiederum so vielseitig wie das Medium Computerspiel an sich. Bleibt noch die Frage: Was soll ich spielen? Welches Videospiel passt zu mir? Hier ein paar einsteigerfreundliche Spielempfehlungen für das nächste virtuelle Treffen:

"Drawful 2" (Jackbox Games, 2016) ist für unterschiedliche Endgeräte verfügbar (Windows, Mac, PlayStation 4, Nintendo Switch und Xbox One) und kann mit bis zu acht Personen gespielt werden. Eine Person startet das Spiel und teilt den Bildschirm mit den MitspielerInnen. Diese beteiligen sich via Smartphone und Browser am Spielgeschehen. Im Spiel erhalten die Spielenden je einen Begriff, der mit einer Zeichnung dargestellt werden muss. Im Anschluss gilt es die Original-Begriffe zu den Bildern der Mitspieler*innen zu erraten.

Für Brettspiel-Fans gibt es ein großes Angebot von virtuellen Adaptierungen von Klassikern, wie etwa Carcassonne, Monopoly oder Uno. Auch Brettspielsimulatoren, wie etwa der "Tabletop Simulator" (Berserk Games 2015) erfreuen sich spätestens seit der Corona-Krise großer Beliebtheit. Damit lassen sich Brett- und Kartenspiele nicht nur spielen, sondern auch selbst erstellen.

Im humorvollen Jump & Run Spiel "Ultimate Chicken Horse" (Clever Endeavour Games 2016) für PC, Playstation 4, Xbox One oder Nintendo Switch platzieren Spielende nach und nach Objekte in das Spiellevel, die die MitspielerInnen daran hindern sollen von A nach B zu kommen. Gleichzeitig gilt es jedoch auch selbst die Hindernisse zu überwinden und das Ziel zu erreichen.

Natalie Denk ist Zentrumsleiterin am Zentrum für Angewandte Spieleforschung der Donau-Universität Krems.