Gläserne Betondecke

Frauen sind an den Unis längst in der Überzahl, sie studieren auch schneller und bekommen bessere Noten. Damit sollten sie bald automatisch die Chefetagen beherrschen. Theoretisch.

Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek findet es in Ordnung, eine Quotenfrau zu sein. Nur so konnte sie selbst in ihrer Partei, der SPÖ, Kar­riere machen. „Quoten sind kein elegantes, aber das wirkungsvollste Instrument“, ist Heinisch-Hosek überzeugt. „Es gibt keine Alternative dazu. Ich selbst bin Quotenfrau und stolz darauf. Außerdem: Wenn 96 von 100 Vorstandsmitgliedern Männer sind, kann mir niemand erzählen, dass dies nur an ihrer Qualifikation liegt.“

Über den Sinn von Frauenquoten in den Führungsetagen in Politik, Wissenschaft und Konzernen wird seit Jahrzehnten debattiert, sie sind die offensichtlichste und für viele oft bedrohlich anmutende Speerspitze im Kampf gegen die Benachteiligung von Frauen im Berufsleben. Und auch wenn Frauenquoten in Österreich im öffentlichen Dienst 1993 gesetzlich wirksam wurden, so scheint ihr Erfolg doch auszubleiben. Denn nach wie vor bekommen Frauen die schlechteren und mieser bezahlten Jobs und schaffen es trotz bester Qualifikation nur schwer über das mittlere Management hinaus.

Diese Tatsachen muten angesichts sämtlicher Daten aus dem Bildungs­bereich, in dem Frauen auf sämtlichen Ebenen führen, kurios an. Während in den sechziger Jahren nur ein Drittel der Maturanten weiblich war, erwarben in den vergangenen Jahren deutlich mehr Frauen als Männer die Reifeprüfung, im Abschlussjahrgang 2009 waren es 58 Prozent. Noch eklatanter fällt die Entwicklung im Hochschulbereich auf. Zu Beginn der siebziger Jahre studierten nur 5,6 Prozent der Frauen im Alter ­zwischen 18 und 21 Jahren, während die Gruppe der Männer mehr als ­doppelt so groß war. Anfang der Neunziger überholten die Studentinnen in Anzahl ­bereits ihre männlichen Kollegen und hängten sie bis heute deutlich ab: 2009 studierten in der gleichen ­Altersgruppe 44,7 Prozent der Frauen, während der Männeranteil nur 36 Prozent betrug. Und die Prognosen deuten darauf hin, dass sich dieser Trend fortsetzen wird.

Doch das, so glauben Experten, bedeutet keineswegs, dass Frauen eines Tages geradezu zwangsläufig die Chefetagen entern werden.

Frauen studieren zwar auch schneller und bekommen bessere Noten. Dass dies jedoch gar nicht hilfreich, sondern eher problematisch ist und einen Grund für die späteren Probleme und Hürden im Beruf darstellt, bewies eine Studie des Salzburger Erziehungswissenschafters Ferdinand Eder. Er verglich die ­Noten von Buben und Mädchen mittels eines genormten Tests und stellte fest, dass Letztere deutlich besser benotet werden, als sie es verdient hätten. Der Direktor des Bildungsforschungsinstituts (Bifie), Josef Lucyshyn, hat eine ­Erklärung für dieses Ergebnis: „Mädchen werden nicht für ihre tatsächliche Leistung benotet, sondern für ihr Verhalten. Sie sind eben meist braver, stiller und angepasster als Buben.“ Ausgerechnet diese Eigenschaften können im Berufsleben ein Hindernis darstellen.

Dass Frauen schneller studieren als Männer, muss auch nicht unbedingt positiv sein. Der Soziologe Martin Unger vom Institut für Höhere Studien weiß aufgrund der Daten, dass die durchschnittlich längere Studiendauer der Männer an der „zeitintensiveren Erwerbs­tätigkeit vieler Männer neben dem Studium“ liegt (siehe Interview). Laut ­Unger schaffen Männer es bereits während des Studiums, bessere Jobs zu ergattern als ihre Kommilitoninnen.

Laut Wirtschaftscoach Christine Bauer-Jelinek, Autorin des Buchs „Die helle und die dunkle Seite der Macht“, setzen Frauen überdies sogar zu sehr auf Wissen: „Sie glauben, dass Qualifikation ­alleine ausreicht und andere ihre Qualitäten von selbst erkennen.“ Doch in Wirklichkeit müssten Frauen besser über die Instumentarien der Männer-Machtnetzwerke Bescheid wissen. „Ich habe nicht selten Klientinnen erlebt, die bestens vorbereitet in eine Sitzung ­kamen und von herumalbernden Männern vollends aus dem Konzept gebracht wurden. Dabei handelt es sich oft um reine Statuskämpfe, es ist wichtig, dass Frauen so etwas verstehen“, so Bauer-Jelinek. Wissen sei eben nur eine Karte im komplexen Spiel des Erfolgs.

Außerdem würden Frauen zu viel in die falsche Fort- und Weiterbildung setzen, findet Bauer-Jelinek: „Sie machen zu viel vom selben. Ich würde Geisteswissenschafterinnen raten, sich beispielsweise noch in Betriebswirtschaft zu bilden anstatt etwa in Kommunikation.“

Dass sich Frauen aber auch heute noch oft zwischen Karriere und Kindern entscheiden müssen, streitet selbst Frauenministerin Heinisch-Hosek nicht ab: „Ich habe einmal von einem Personalisten gehört: Babykarenz ist ein Karriereknick, Teilzeit der Karrierekiller. Gerade deshalb ist es so wichtig, Frauen durch mehr Kinderbetreuungsangebote zu ermöglichen, verstärkt Vollzeit zu arbeiten.“ Doch von Betreuungsquoten wie in Skandinavien ist Österreich trotz all der Maßnahmen wie etwa Gratiskindergartenjahr für Fünfjährige weit entfernt. In der Steiermark wurde dieses Angebot sogar nach kurzer Zeit wieder abgeschafft. Als Begründung wurden die ­hohen Kosten genannt, dabei hat leider niemand errechnet, um wie viel der Staat mehr Steuern einnehmen würde, wenn mehr Mütter Vollzeit arbeiten ­gehen könnten.