Venedig
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Große Schiffe, wenig Platz
07/28/2017

Große Schiffe, wenig Platz: Wenn Tourismus zum Problem wird

Wenn Tourismus zum Problem wird

Brüchiges Fundament in Venedig

Auf Venedigs Brücken gibt es ein „Stehenbleibeverbot“. Mit entsprechenden Schildern soll verhindert werden, dass Touristen die Stadt blockieren. Solche Maßnahmen reichen aber nicht mehr, die Unesco droht seit Jahren damit, die Stadt auf die Liste der gefährdeten Kulturdenkmäler zu setzen. Schuld sind vor allem Kreuzfahrtschiffe, die durch den starken Wellengang die marode Infrastruktur der Altstadt bedrohen und kapazitätssprengende Touristenmassen in die Stadt befördern. In Venedig leben aktuell 55.000 Einheimische, besucht wird die Stadt täglich von bis zu 100.000 Menschen. Während die Shops und Wohnungen für Touristen immer mehr werden, sinkt der Infrastrukturanteil der Einwohner. In den letzten vier Jahren wurden 4000 Wohnungen in Air B’n’B-Apartments umgewandelt. Dadurch werden nicht nur die Wohnmöglichkeiten weniger, sondern auch die Mietpreise teurer. Um nachhaltigen Tourismus zu fördern, begrenzt die Stadt nun den Zugang zu gut besuchten Brücken oder Kais durch Drehkreuze. Besuche sollen künftig über ein Online-System gebucht werden können.

Wohnungsmangel in Barcelona

In der katalanischen Metropole Barcelona kandidierte die amtierende Bürgermeisterin Ada Colau indes mit dem Slogan: „Wir wollen nicht wie Venedig werden.“ Seit dem Beginn ihrer Amtszeit 2015 verfolgt sie dieses Ziel verbissen – es scheint, als wäre es höchste Zeit. In den letzten 30 Jahren entwickelte sich Barcelona zu der Stadt mit dem weltweit am schnellsten wachsenden Touristenanteil. Allein im vergangenen Jahr bereisten die Metropole 2,7 Millionen Menschen in Kreuzfahrtschiffen und in der Altstadt finden sich mittlerweile dreimal so viele Schlafplätze für Touristen wie für Anwohner. Dem versucht die Stadtregierung nun entgegenzuwirken: Colau setzte einen Hotelbaustopp durch, Unterkünfte für Touristen werden nur noch am Stadtrand gebaut. Außerdem dürfen Vermittlungsplattformen von Wohnungen nur mehr bereits lizenzierte Apartments vermieten, neue Lizenzen werden bis auf weiteres keine mehr vergeben. Colau erhofft sich so einen verstärkten Bildungs- anstelle des Partytourismus.

Barcelona

Verstärkte Mauern in Dubrovnik

Wie wenig Kroatien auf Massentourismus eingestellt ist, zeigte ein Vorfall Ende Juni: Ein Flugzeug durfte nicht am Flughafen Zagreb landen, da zu wenig Personal zur Verfügung stand. Dubrovnik zählt zu Kroatiens Tourismuszielen Nummer eins und ist ebenfalls seit Jahren hoffnungslos überlaufen. Letzten Juni brachten Kreuzfahrtschiffe mitunter 9000 Besucher pro Tag in die Stadt. Deutlich mehr als die von der Unesco veranschlagte Maximalanzahl, die eine Zerstörung der geschützten Infrastruktur verhindern sollte. Nun beschließt die Stadtregierung die Anzahl der Passanten innerhalb der Mauern auf 6000 zu beschränken, erst wenn ein Teil der Besucher den Stadtkern verlässt, werden weitere eingelassen. Kontrolliert wird das mittels Kameras zur Personenzählung.

In Berlin hat man sich mittlerweile an Tourismusfluten und Mietpreissteigerungen gewöhnt, hier übt man sich hauptsächlich in Schadensbegrenzung – mitunter auf kreative Art und Weise. So versuchen zum Beispiel Pantomime Partytouristen auf die Nachtruhe aufmerksam zu machen.

Eine Vorteil hat Berlin: Riesige Kreuzfahrtschiffe fahren noch nicht auf der Spree.

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