Fehlkonstruktion

Kommt die Apokalypse? Schauspielerin Kirsten Dunst in Lars von Triers "Melancholia"

In „Melancholia“ orchestriert Lars von Trier das Ende der Welt.

Der Künstler Lars von Trier ist ein mindestens ebenso schwieriger Fall wie der Provokateur Lars von Trier. „Melancholia“ (Kinostart: 28.10.) bringt das Problem auf den Punkt. Es hat mit Tabubrüchen nichts zu tun: Sonderlich anstößig wird man die Erzählung von der Hochzeitsfeier diesmal nicht finden können, die einerseits durch familiäre Spannungen (der Dogma-Klassiker „Das Fest“ schimmert da deutlich durch), andererseits durch die Tatsache empfindlich gestört wird, dass ein gigantischer Planet auf die Erde zurast.

Das ist für einen absurden Arthouse-Film kein schlechter Ausgangspunkt. Das Problem beginnt, wie immer, bei der Form: „Melancholia“ weidet sich erst am Pathos (Wagner, Kinder, Pferde, Liebe), dann am Theater (einer Ensemble-Komödie). Von der Depression berichtet „Melancholia“ – und stülpt die Krankheit gleichsam von innen nach außen, in einer Fabel von der begründeten Angst vor dem Untergang der Welt. Aber von Triers Inszenierung fühlt sich unstrukturiert an, nicht zu Ende gedacht. Kirsten Dunst ist eine kompetente Hauptdarstellerin, aber auch sie kann nicht verhindern, dass ihr der Film unaufhörlich unter den Füßen wegzubrechen scheint.

Lars von Trier indes hat sein System perfektioniert. Jeder neue Film, den er vorlegt, erscheint so spektakulär konzipiert, dass seine vielen Fehlkonstruktionen nicht mehr ins Gewicht fallen. High-Concept-Titel wie „Antichrist“ und „Melancholia“ versprechen alles und halten wenig – auch weil sie das gar nicht nötig haben. Denn jeder muss die Filme dazu gesehen haben, schon weil ihr Schöpfer eine derart schillernde Persönlichkeit ist. Vielleicht muss man sich Lars von Trier am Ende eben nur als brillanten Ruhestörer und Öffentlichkeitsmanipulator vorstellen. Die Kunst ist ihm nur ein Spiel, in dem allenfalls er selbst etwas gewinnen kann. Ernst will er mit dem Kino, das belegt „Melancholia“ leider eindrucksvoll, weiterhin nicht machen.

Ein Interview mit Lars von Trier lesen Sie im aktuellen profil 43/2011