Welt-Aids-Tag: Wiener Aids Hilfe Haus feiert 20-jähriges Bestehen

Welt-Aids-Tag: Wiener Aids Hilfe Haus feiert 20-jähriges Bestehen

"Vorzeigemodell" mit umfangreichem Hilfs- und Beratungsprogramm - 208 Neudiagnosen im Vorjahr in Wien.

Am Beginn standen drei Wohnungen im achten Bezirk, die als Büros bzw. Beratungsstellen der Aids Hilfe Wien fungierten – eine Situation, die so nicht mehr tragbar war, wie der Obmann der Organisation, Wolfgang Wilhelm, am Mittwoch sagte. Am 1. Dezember 1997 erfolgte schließlich die Übersiedlung in ein eigenes Haus. Das 20-Jahr-Jubiläum wird nun gefeiert. Gleichzeitig wird vor Sorglosigkeit gewarnt.

Mit dem Aids Hilfe Haus Wien am Mariahilfer Gürtel habe Wien damals ein "Vorzeigemodell" geschaffen, betonte Wilhelm in einer Pressekonferenz. Es sei ein Symbol der Solidarität mit Menschen mit HIV/Aids – sowie deren Angehörigen. Mehr als 4.000 Personen nutzen laut Aids Hilfe alljährlich die kostenlose und anonyme Testmöglichkeit. Auch auf das umfangreiche Beratungsangebot wurde verwiesen. Informiert wird nicht zuletzt zum Thema Safer Sex. Klienten erhalten dabei auch Unterstützung in Form von Verhütungsmitteln: 1,5 Millionen Kondome wurden in den vergangenen 20 Jahren verteilt.

Aids-Hilfe-Chef Wilhelm verwies auf die Fortschritte der vergangenen Jahre. Zu Beginn hätten Angst und Unwissenheit vorgeherrscht. Man sei mit Fragen konfrontiert worden, ob etwa Gelsen HIV übertragen würden. Der Wissensstand sei inzwischen deutlich besser: "Die Menschen haben dazugelernt. Der Schrecken hat nachgelassen." Das liege auch daran, dass Aids inzwischen eine chronische Krankheit sei. Die Todesfälle im Zusammenhang mit Aids sind im vergangenen Jahrzehnt um fast 50 Prozent zurückgegangen. Der Nachteil dieser Entwicklung: Das Thema werde weniger beachtet, warnte Wilhelm. Bei Erwachsenen ist die Zahl der Neuinfektionen weltweit in den vergangenen Jahren kaum zurückgegangen. 2010 waren es 1,9 Millionen, 2016 noch 1,7 Millionen. Zwei Drittel der Neuinfektionen gibt es in Afrika.

Von den 447 Neudiagnosen in Österreich 2016 sind laut Aids Hilfe 208 in Wien verzeichnet worden. Insgesamt wurden im Haus am Gürtel im Vorjahr 10.164 Tests durchgeführt, wobei auch Untersuchungen auf Syphilis und Hepatitis durchgeführt werden. Inzwischen wird das Haus aber auch regelmäßig verlassen, um direkt zu den jeweiligen Zielgruppen zu gehen, wie die Geschäftsführerin des Hauses, Isabell Eibl, berichtete.

Sozialstadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) sicherte die weitere Unterstützung der Stadt zu – nämlich nicht nur die finanzielle, sondern auch die "inhaltliche und ideelle". Antidiskriminierungsstadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) verwies darauf, dass Ungleichbehandlung bzw. die Stigmatisierung von an Aids erkrankten Menschen noch immer ein Thema sei. Die Aids Hilfe Wien hat dazu eine eigene nationale Diskriminierungsmeldestelle eingerichtet.

Ziel sei es, das Aids Hilfe Haus auch einmal wieder zu schließen – nämlich dann, wenn sich die Situation weiter verbessert habe und das umfangreiche Angebot gar nicht mehr nötig ist, hieß es heute. Bis es so weit ist, wird jedoch das Jubiläum gefeiert, aber auch den Opfern der Krankheit gedacht. Neben einem Festprogramm im Haus selbst findet am Freitag ein Fackelzug durch die Innenstadt und anschließend ein Gedenkgottesdienst im Wiener Stephansdom statt.

Wie kann man sich mit HIV anstecken?

Eine Ansteckung ist vor allem bei Vaginal- oder Analverkehr ohne Kondom möglich, aber auch bei Oralverkehr kann es durch Blut oder Sperma zur Ansteckung kommen. Nichts denken muss man sich dagegen beim Küssen, Husten oder Niesen, beim Besuch von Toiletten oder beim Tätowieren. Der alltägliche Umgang mit HIV-positiven Menschen ist ungefährlich.