Wolfang Joop

© Ralf Jürgens/Actionpress/picturedesk.com

20 Jahre nach 9/11
09/04/2021

Wie Wolfang Joop durch ein profil-Interview Ächtung erfuhr

Sein Interview mit profil zu 9/11 ging um die Welt und löste Empörung aus.

von Angelika Hager

Es hätte ein provokant-launiges Interview über die Arroganz der Modeindustrie werden sollen, die nach der Tragödie des 11. Septembers im Oktober wieder munter ihre Catwalks eröffnete.  Der damals aus dem Geschäft weitgehend ausgestiegene Wolfgang Joop, damals 56, empfing profil in seiner Potsdamer Villa, um knapp drei Wochen nach dem Anschlag in New York seine Ansichten über die Weltpolitik, die Luxusindustrie und die Naivität vieler Modedesigner zu teilen. Als das Gespräch mit profil-Redakteurin Angelika Hager auf die „tief verletzte Männlichkeit der arabischen Welt“ durch George Bushs Israel-Politik kam, sagte Joop: „Amerika, das bedeutet neben Freiheit auch Selbstherrlichkeit und Arroganz.

Die Proteste gegen die Globalisierung waren ja eigentlich Proteste gegen eine weltweite Amerikanisierung. Ich bedaure nicht, dass das Symbol der Twin Towers nicht mehr steht, weil sie kapitalistische Arroganz symbolisierten. Aber natürlich bin ich gegen jede Art von Mord, Gewalt, Terror und Zerstörung.“ Das von Joop selbst autorisierte Zitat, das die „Bild“-Zeitung am Tag darauf mit „Joop beleidigt Opfer des Anschlags!“ verschlagzeilte, verbreitete sich in Windeseile im Netz, Joops Ansage wurde – häufig aus dem Kontext gerissen – von „Vanity Fair“ bis zur „US-Vogue“ zitiert. In Joop!-Boutiquen wurden die Scheiben zerschlagen, es gab Aufrufe zum Kaufboykott seiner Produkte. Distanziert hat sich Wolfgang Joop, der heute hauptsächlich als Autor und Privatier lebt, auch Jahre danach nicht.

In einem späteren profil-Interview sagte er:„Ich dachte damals, dass ich diese Vendetta, rein physisch, nicht überlebe. Meine Geschäftspartner kündigten mir aufgrund dieses Artikels sogar den Vertrag. Einen Mann, der solche geschäftsschädigenden Aussagen tätigte, wollten sie vor allem nicht mehr bezahlen. Ich habe mich für diesen Satz, der sich in Kenntnis der jüngsten politischen Entwicklungen durchweg bewahrheitet hat, dennoch nie entschuldigt. Ich habe ihn lediglich richtiggestellt. Denn es steht außer Frage, dass die Twin Towers auch ein Symbol der amerikanischen Hegemonie waren. Und sein sollten. Aber selbstverständlich bin ich immer gegen jede Art von Mord, Terror und Zerstörung.“

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Diese Geschichte stammt aus der profil-Ausgabe 36/2021 - hier als E-Paper.

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