Zum Tod von Karl Löbl: Der Unverbrüchliche

Zum Tod von Karl Löbl: Der Unverbrüchliche

Zum Tod von Karl Löbl.

Nein, man muss über Karl Löbl, den man zu Recht den "Doyen der österreichischen Kulturkritik“ nennt, nicht nur Gutes sagen. Er war, wie heute leider sehr viele Journalisten in diesem kleinen Land, mit manchen Institutionen arg eng verbunden. Doch er war dabei nie blind. Und ihn zeichneten zwei Dinge aus, die man heute viel zu oft schmerzlich vermisst: profundes Wissen und Liebe zu den Dingen, über die er zu urteilen hatte.

Er tat dies von 1986 bis 1998 in einer Form, die man heute, in Zeiten sich radikal wandelnder Medien, nur visionär nennen kann. Mit seiner Sendung "Nach der Premiere“ brachte er der ORF-Fernsehnation meist live und noch während des Schlussapplauses im Hintergrund Bühnenereignisse nahe - schneller als heute das Internet, druckreif gesprochen und auch in der Tendenz den nächsten Morgen überlebend.

Karl Löbl, geboren 1930 in Wien und ebenda am Montag vergangener Woche seinem Krebsleiden erlegen, hatte seine Maßstäbe, aber er ließ auch andere Meinungen gelten. Seine Texte waren stilvoll, aber direkt, so pointensicher wie klug. Sein Werk und sein Gesicht stehen für 64 Jahre kulturelles Geschehen in Österreich. Sein Name war auch international bekannt. Er begann 1950 bei der Tageszeitung "Weltpresse“, zwei Jahre später saß er erstmals vor dem Radiomikrofon. Ab 1952 war er Kulturchef, am Ende auch Chefredakteur bei "Bild-Telegraf“, "Express“ und "Kurier“. Ab 1980 wirkte er als Hauptabteilungsleiter Kultur beim ORF, ab 1993 zusätzlich als TV-Musikchef. 28 Jahre lang moderierte er seine Kult gewordene Radiosendung "Lieben Sie Klassik?“, deren Titelfrage für ihn natürlich nur rhetorisch gemeint war.

Wegen einer unbedachten Interview-Äußerung Karl Böhms ihm gegenüber musste dieser 1956 den Wiener Operndirektorenposten abgeben; seither war Karl Löbl ein unverbrüchlicher Karajan-Kämpfer. Obwohl Traditionalist, war er stets neugierig auf junge Dirigenten, Sänger, Instrumentalisten, Regisseure. Bis zuletzt schrieb er Bücher, gestaltete Matineen und meldete sich vehement zu Wort.

Manuel Brug