profil vor 25 Jahren: Energie in Hülle und Fülle

Zum zehnten Jahrestag der Volksabstimmung, die das funktionsbereite Atomkraftwerk im niederösterreichischen Zwentendorf zum „Atomdenkmal“ mutieren ließ, suchte Öster­reichs Energiewirtschaft wieder einmal nach einer Lösung aus der „verfahrenen ­Situation“. Doch die Diskussion, was künftig mit dem „kraftlosen Werk“ ­geschehen solle, sorgte für Unstimmigkeiten und Streit quer durch die ­Parteien. Während die Verbundgesellschaft einen „Umbau“ des AKW Zwentendorf in ein (sechs Milliarden Schilling teures) Gaskraftwerk überlegte – eine Lösung, die sie selbst seinerzeit nach der Volksabstimmung als „reinen Schwachsinn“ gebrandmarkt hatten –, liebäugelten Nieder­österreichs „Landesfürsten“ Siegfried Ludwig und ­Erwin Pröll samt SP-Lan­des­chef Ernst Höger mit einem „Fremdenverkehrsdenkmal à la Disneyland“ und drohten der AKW-Errichtergesellschaft mit einem Abbruchbescheid – angesichts geschätzter Abbruchkosten von mindestens einer Milliarde Schilling eine ernsthafte Drohung.

Die ­Grünen zelebrierten indes den Jahrestag der Volksabstimmung und Peter Pilz schlug die Errichtung eines „Museums der Planungsirrtümer“ vor, das ­neben AKH, Rinterzelt und Pyhrnautobahn das „strahlenlose“ AKW dokumentieren sollte. Auch die Prophezeiung der ­E-Wirtschaft vor der Volksabstimmung, „die Lichter würden erlöschen“, sollte Zwentendorf nicht „ans Netz“ gehen, konnte man unter Planungsirrtümer subsummieren. Denn die vom Verbundkonzern prognostizierte jährliche Zunahme des Stromverbrauchs in Österreich erwies sich in der Realität als nur halb so groß wie vorausgesagt. Die Lichter waren in Österreich auch ohne Atomstrom nicht ausgegangen, im Gegenteil. Es gibt „Energie in Hülle und Fülle“, berichtete profil in der Ausgabe vom 31. Oktober 1988.

Nicole Schmidt