profil vor 25 Jahren: Kraft durch Doping

Der Dopingskandal um den kanadischen Sprinter und "Jahrhundertathleten" Ben Johnson, der kurz zuvor im südkoreanischen Seoul Olympiagold geholt hatte und drei Tage später wegen Dopings zum "Weltskandal" mutierte, bildete den Hintergrund der Titelgeschichte vom 3. Oktober 1988. Dass der "Spritzensport" aber keineswegs auf berühmte Athleten beschränkt war, zeigte der Fall eines jungen Bodybuilders, der in der Intensivstation des Grazer Landeskrankenhauses um sein Leben kämpfte: Die Substanzen, mit deren Hilfe der 18-Jährige seinen Körper nach dem Vorbild von Landsmann Arnold Schwarzenegger hatte modellieren wollen, schädigte Leber und Nieren auf das Schwerste. Der junge Steirer hatte sich in Eigenregie gedopt, die meisten Sportler würden hingegen von ihren Betreuern mit Medikamentencocktails gefüttert, recherchierte profil. "Beim Doping geht's zu wie bei der Kälbermast", erzählte ein Wiener Professor für analytische Chemie, denn Sportler wie Kälber erhielten Anabolika für den Aufbau von möglichst vielen Muskeln und möglichst wenig Fett -die Sportler wüssten davon oft genauso wenig wie die Kälber. Viele wollten des Professors Aussage als etwas übertriebene Ansicht eines Einzelnen abtun; dass beim Thema Doping offiziell vor allem Heuchelei regierte, ließ sich allerdings nicht mehr verheimlichen.

Österreichs erfolgreichster Ex-Stemmer Vinzenz Hörtnagl brachte es auf den Punkt: Jeder, der behaupte, Weltrekorde würden "nur durch Essen und Trinken und fleißiges Training erzielt, sei ein Phantast". Und auch der Gewichtheber Stefan Laggner meinte: "International kann man ohne Doping nicht mithalten."

Nicole Schmidt