3 Trinken

Der Mythos vom Wasser und Wie schädlich ist Alkohol?

„Auf den Alkohol – die Ursache und die Lösung aller Probleme!“, lautet der Standard-Trinkspruch des Cartoon-Helden und Bierfans Homer Simpson. Auch hierzulande erfreut sich diese Geisteshaltung verbreiteten Zuspruchs: Österreich rangiert im europäischen Pro-Kopf-Verbrauch mit 9,4 Litern reinen Alkohols pro Jahr an achter Stelle. Lag der Bierkonsum in den fünfziger Jahren noch bei jährlich 60 Liter Bier pro Kopf, sind es heute 115 Liter. Beim Wein ist eine ähnliche Tendenz festzustellen: In den vergangenen 50 Jahren stieg der Jahresverbrauch von 13 Litern auf mehr als 30 Liter an. Ein Grund zu Hysterie und Panik? Wohl kaum.

Über 70.000 Untersuchungen wurden in den vergangenen zwanzig Jahren der potenziellen Suchtsubstanz Alkohol gewidmet, mit dem wenig überraschenden Ergebnis, dass der klassische Launemacher, in Maßen genossen, nicht gesundheitsschädlich ist. Eine WHO-Studie zeigte, dass die Lebenserwartung bei Männern, die täglich 20 bis 40 Gramm Alkohol (das entspricht etwa einem Viertel Wein oder einem halber Liter Bier) konsumieren, am höchsten ist. Eines der meistzitierten Phänomene in diesem Zusammenhang ist das „French Paradoxon“: Obwohl in Frankreich schon zum Mittagessen die Rotweinflasche auf dem Tisch zu stehen pflegt und auch die landestypische Küche nicht unbedingt dem asketischen Ideal der Kalorienzähler entspricht, sterben deutlich weniger Franzosen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen als im europäischen Durchschnitt. Der Grund: Alkohol kann, unter Umständen, durch seine blutverdünnende Eigenschaft das Risiko von Schlaganfällen und Herzinfarkten um 30 Prozent senken.

Andererseits: Wer trinkt schon Rotwein, um dem Infarkt vorzubeugen? Wie zahllose Untersuchungen belegen, fühlen sich Menschen, die täglich ein oder zwei Glas Wein trinken, subjektiv zufriedener, entspannter und gesünder als strikte Abstinenzler. Gesundheit ist nicht zuletzt eine Funktion des aktuellen Wohlbefindens, was Gesundheitsapostel und Fitness-Päpste gern übersehen, wenn sie konsequente Askese predigen. „Man lebt nicht. Aber man ist sehr gesund“, bringt der Soziologe Frank Furedi den krankhaften Aspekt des Gesundheitswahns im profil-Interview auf den Punkt.

Doch nicht nur seelische Mangelerscheinungen drohen dem allzu Gesundheitsbewussten, wie die Fama vom Lebenselixier Wasser anschaulich beweist. Seit sich Ernährungs- und Fitness-Experten darauf geeinigt haben, dass man mindestens drei Liter Wasser am Tag trinken soll-te, wird in Lifestyle-bewussten Kreisen geradezu manisch am Mineralwasserfläschchen genuckelt – mit bisweilen fatalen Auswirkungen. Denn selbst der vordergründig so harmlose Rohstoff hat seine Verträglichkeitsgrenzen. Udo Pollmer demontierte unlängst im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ den Mythos vom gesunden Wasser: „Es kann zu Wasservergiftungen kommen, die Gehirn- und Lungenödeme zur Folge haben. Den Empfehlungen nach sollten wir sogar trinken, bevor wir durstig sind. Wozu hat der Herrgott uns das Regulativ Durst gegeben? Wenn wir uns nicht mit salzarmer Kost austricksen, funktioniert das System perfekt.“ Tragisches Beispiel für Pollmers These ist die Südamerikanerin Cynthia Lucero, die beim Boston Marathon 2002 tot zusammenbrach. Todesursache: Natriummangel. Lucero hatte ihren Körper mit so viel Flüssigkeit überschwemmt, dass er den Salzverlust nicht mehr ausgleichen konnte.

Fakten:
1. In Maßen genossen, wirkt Alkohol gesundheitsfördernd. Ein Viertel Wein am Tag erhöht, statistisch gesehen, die Lebenserwartung.
2. Durch seine blutverdünnende Wirkung kann Alkohol unter gewissen Voraussetzungen das Risiko von Schlaganfällen und Herzinfarkten um bis zu 30 Prozent senken.
3. Übermäßiger Wasserkonsum kann im Extremfall zu Gehirn- und Lungenödemen führen. Wer keinen Durst hat, soll auch nicht trinken.