5 Rauchen

No smoking oder Sind Raucher zu Recht die neuen Underdogs?

Geht ein Mann in die Trafik und kauft sich eine Packung Zigaretten. Nach einem kurzen Blick auf den Warnungshinweis „Rauchen macht impotent“ wendet er sich an die Trafikantin und sagt: „Gehen S’, geben Sie mir doch lieber das mit der Erhöhung des Herzinfarktrisikos.“

Nicht nur in den USA (siehe Kasten), auch in Europa werden Raucher zusehends ins Abseits gedrängt. Mit Warnhinweisen, abschreckenden Fotografien, Werbe- und Rauchverboten wird Nikotinfreunden ihr Laster nachhaltig vergällt. In San Francisco ist mittlerweile sogar das Rauchen in Parks verboten. Rauchen wurde von der Weltgesundheitsorganisation WHO zur Causa prima erhoben und als größter Risikofaktor für Leib und Leben neben unkontrollierter Fettzufuhr anerkannt. „Raucher sterben früher“ – der lakonische Hinweis auf der Zigarettenpackung hat durchaus seine Berechtigung.

In Österreich, wo dank massiver Anti-Raucher-Kampagnen mittlerweile weniger als ein Drittel der Bevölkerung zum Glimmstängel greift, sterben jährlich zwischen 12.000 und 14.000 Menschen an tabakinduzierten Krankheiten. Das allein kann jedoch nicht der Grund dafür sein, Raucher derart zu stigmatisieren, wie es nicht nur in den USA zunehmend aggressiv der Fall ist, sie auch moralisch zu verurteilen, als Menschen, die sich selbst nicht im Griff hätten und außerdem ihre Umwelt rücksichtslos gefährden („Rauchen fügt Ihnen und den Menschen in Ihrer Umgebung erheblichen Schaden zu“). Der Soziologe Frank Furedi geht davon aus, dass in diesem Kulturkampf auch andere Interessen mitschwingen als nur die Sorge des Staates um die Gesundheit seiner Bürger; in Wahrheit rücke die Klassenfrage immer mehr ins Zentrum. Da, rein statistisch, Menschen mit niedrigerem Einkommen eher zum Rauchen tendieren, werden diese über den Umweg der Anti-Raucher-Kampagnen schnell zu Sündenböcken gestempelt, etwa für die Krise im Sozialversicherungssystem und dadurch verursachte Budgetlöcher.

Doch ist der blaue Dunst tatsächlich nur schädlich? Nikotin deckt viele Bedürfnisse ab: Einerseits sorgt der tiefe Zug an der Zigarette für Anregung, andererseits kann er in vielen Situationen auch beruhigend wirken. „Nikotin ist der perfekte Stimmungsregulator. Es wirkt viel besser und zuverlässiger als Alkohol und beeinträchtigt gleichzeitig nicht die Leistung“, räumt auch der Wiener Sozialmediziner und stellvertretende Vorsitzende der Initiative Ärzte gegen Raucherschäden, Michael Kunze, ein. Ein differenziertes Bild ergibt sich auch beim viel diskutierten Passivrauchen: Eine US-Studie, die über 40 Jahre lang 100.000 abstinente Partner von Rauchern beobachtete, konnte keine signifikante Krankheitshäufung feststellen. Vergleichbare Studien existieren für Österreich nicht, laut einer Hochrechnung ist aber nur ein Drittel der Lungenkrebsfälle bei Nichtrauchern auf Passivrauchen zurückzuführen – mit einer Einschränkung: Passivrauchen stellt für Babys und Kleinkinder nachweislich ein erhöhtes Gesundheitsrisiko dar. In Raucherhaushalten kommt es dreimal öfter zu Fällen von plötzlichem Kindstod als in rauchfreien. Für erwachsene Genussmenschen und Aktivraucher hingegen gilt nach wie vor eine simple Faustregel: Wer mit 35 Jahren die Finger von der Zigarette lässt, hat beste Chancen auf die gleiche Lebenserwartung wie ein lebenslanger Nichtraucher.

Fakten:
1. In Österreich sterben jährlich 12.000 bis 14.000 Menschen an tabakinduzierten Krankheiten.
2. Eine groß angelegte Langzeitstudie in den USA konnte keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Passivrauchen und Krebserkrankungen feststellen.
3. Hochrechnungen zufolge ist nur ein Drittel der Lungenkrebsfälle bei Nichtrauchern auf Passivrauchen zurückzuführen.