7 Sonne

Metastasenalarm oder Wie gefährlich sind UV-Strahlen?

Schmieren, cremen, sprühen, den Kopf mit einem überdimensionalen Hut und neuralgische Körperstellen wie Arme, Beine, Brust und Rücken (und den Rest) mit reichlich Textilien schützen – am besten aber gar nicht erst den Schritt ins Freie wagen. Denn kaum je, so die Trendmär, ist man den Todgeweihten näher als bei freier Sonneneinstrahlung. UV-Strahlensüchtige haben die Höchststrafe zu gewärtigen: rapide Hautalterung, Melanome und Metastasen.

Dass exzessive Sonneneinstrahlung ein wichtiger Faktor bei der Entstehung von Hautkrebs sein kann, ist unbestritten. Als Indiz gelten dabei vor allem Studien aus Australien, wo aufgrund mangelhafter Ozonschicht die UV-Strahlung ungleich stärker wirkt als anderswo – und wo auch die Hautkrebsrate mit 100 Erkrankten pro 100.000 Einwohner zehnmal so hoch liegt wie etwa in Österreich. Andererseits zeigen Detailanalysen, dass gebürtige Australier wesentlich häufiger an Hautkrebs erkranken als Einwanderer, die erst nach ihrem 15. Lebensjahr auf den strahlungsintensiven Kontinent gekommen sind. Für die spätere Entwicklung von Hautkrebs ist demnach vor allem die UV-Belastung in Kindheit und Jugend entscheidend, was die unter Erwachsenen grassierende UV-Panik in ein ganz neues Licht rückt.

Experten wie Friedrich Schroepl, Dermatologe in Fulda und Pionier der Sonnenfolgen-Forschung, raten deshalb zur Besonnenheit: „Die Leute übertreiben in ihrer Sonnenparanoia.“ Denn sie bringen sich damit um die vielen positiven Wirkungen der Sonne. Nicht nur, dass die Sonne gar vor Krebs zu schützen vermag, da das durch sie aktivierte Vitamin D das Zellwachstum in Brust, Darm und Prostata reguliert – außerdem wirkt sie, ebenfalls via Vitamin-D-Aktivierung, als wirkungsvolles Antidepressivum.

Wer hingegen, aus Furcht vor den natürlichen Sonnenstrahlen, unter die Höhensonne oder ins Solarium flieht, der geht dem eigenen Gesundheitswahn auf den Leim. Denn entgegen der landläufigen Meinung ist die Leuchtstoffröhrenbräune keineswegs gesünder als die normale, in freier Natur erlangte. Eine Studie der Europäischen Organisation zur Erforschung und Behandlung von Krebserkrankungen (EORTC) ergab, dass Benützer von UVA-Solarien je nach Hauttyp und Nutzungsintensität sich einem bis zu achtmal höheren Hautkrebsrisiko aussetzen als Höhensonnen-Verweigerer.

„Wer seine Gesundheit durch allzu strenge Lebensweise zu erhalten sucht, begibt sich damit in eine fortlaufende und langweilige Krankheit“, schrieb der französische Moralist La Rochefoucauld im 17. Jahrhundert und paraphrasierte damit auch nur, was der griechische Philosoph Plato bereits 2000 Jahre zuvor erkannt hatte: „Die ständige Sorge um die Gesundheit ist auch eine Krankheit.“ Und von Plato zu lernen wäre auch für Gesundheitsapostel keine Schande.

Fakten:
1. Für die spätere Entwicklung von Haut-krebs ist vor allem die UV-Belastung in der Kindheit ausschlaggebend. Chronische Sonnenparanoia im Erwachsenenalter ist deshalb unangebracht.
2. Sonneneinstrahlung kann, durch die Aktivierung des Vitamins D, vor Krebs schützen und als Antidepressivum wirken.
3. UVA-Solarien bringen ein erhöhtes Hautkrebsrisiko mit sich.