Affäre: Der König der Töpfe

Die atemberaubende Karriere des Philip Zepter. Wie der serbische Unternehmer von Österreich aus mit Kochtöpfen ein Vermögen machte. Und warum er jetzt am Balkan für Wirbel sorgt.

Kratzen, beißen, spucken. Hauptsache aber: niemals aufgeben. Als die kanadischen Eishockey-Cracks am 6. Mai vom Eis der Sazka-Arena in Prag liefen, steckte ihnen ein knallhartes WM-Viertelfinale gegen die Finnen in den Knochen. Dreimal in Rückstand geraten, dreimal ausgeglichen und am Ende doch noch gewonnen. So mag es der Fan, so mag es der Sponsor. Einer wie Philip Zepter zum Beispiel.

„Mein erstes Berufsziel“, sagte der Hauptsponsor des kanadischen Eishockey-Teams bei der WM 2004 jüngst, „war es, 50.000 Euro zu verdienen. Als ich das erreicht hatte, wollte ich 500.000 Euro. Als ich auch das erreicht hatte, gab es kein Zurück mehr.“

Philip Zepter, der früher einmal Milan Jankovic hieß, ist in den vergangenen Jahren zu einer festen Größe im internationalen Sport-Sponsoring geworden. Ob Basketball, Tennis, Formel 1, Golf, Segeln, Powerboat oder eben Eishockey: Das blitzblaue „zepter“-Logo prangt von Banden, Helmen, Kotflügeln oder Schiffsrümpfen.

So selbstbewusst sich der 53-jährige Unternehmer jugoslawischer Abstammung positioniert, so unauffällig hat er es in weniger als zwei Jahrzehnten zu Fortüne und Einfluss gebracht. Seine Vita strotzt vor jenen Mythen, die Karrieren erst richtig lebendig machen. Vom Fensterputzer in Belgrad über den Kochtopfvertreter in Linz zum schwerreichen Tycoon und Society-Liebling in Monte Carlo.

Seine Unternehmensgruppe Zepter International erwirtschaftet heute europaweit zumindest eine Milliarde Euro Umsatz. Mit Produkten, die Industrietycoons ordinären Zuschnitts allenfalls ein mitleidiges Lächeln abringen: Haushaltsartikeln und Hautcremchen.

Verlorener Sohn. Die Karriere des Philip Zepter alias Milan Jankovic nahm ihren Lauf in den frühen achtziger Jahren. Der Absolvent der Wirtschaftsuniversität Belgrad war bei einer Sprachreise eher zufällig in Oberösterreich hängen geblieben. Um irgendwie über die Runden zu kommen, schlug er sich als Kochtopfverkäufer beim deutschen Strukturvertrieb AMC durch. Monatssalär: 700 Euro.

1986 machte er sich im Alter von 35 mit der Linzer Zepter Handels-GmbH selbstständig. Das Vertriebssystem schaute er sich von AMC ab. Damals wie heute werden Zepter-Produkte hauptsächlich bei Hausfrauenpartys verhökert. Das Unternehmen zählt nach eigenen Angaben rund 120.000 „Verkaufsagenten“ in 40 Ländern. Neben Edelstahlkochtöpfen, Besteck und Geschirr werden inzwischen auch Frischhalteboxen, Vakuumstaubsauger, Uhren, Kosmetika, Blutdruckmessgeräte und allerlei Wellness-Produkte erzeugt und gehandelt.

Der Erfolg in Österreich ließ nicht lange auf sich warten. 1990 eröffnete Jankovic seine erste Fabrik in Italien, mehr als ein Dutzend weitere Produktionen in Frankreich, Deutschland, der Schweiz und Jugoslawien sollten folgen. Ende der neunziger Jahre schließlich verlegte er den Sitz der Gruppe von Österreich in die Schweiz und übersiedelte mit Gattin Madlena privat nach Monaco – in eine Villa, die zuvor Napoleon III. und später dem ägyptischen König Faruk als Residenz gedient hatte. Er nannte sich fortan, wie es sich für einen Bewohner des Fürstentums geziemt, Philip Zepter. Zum wirtschaftlichen Erfolg kam alsbald auch der gesellschaftliche.

Zepter darf heute unter anderem Prinz Albert von Monaco zu seinen Freunden zählen, er richtet Golf-Charity-Turniere mit Kevin Costner aus, spielt Tennis mit Boris Becker und empfängt Roger Moore in seiner „Montys Bar“ in Monte Carlo. Beim Grand Prix von Monaco ist der König der Töpfe schon allein der massiven werblichen Präsenz wegen so etwas wie der heimliche Gastgeber.

Dennoch ist der Mann hinter all dem Hausfrauenglück nie weiter als aus dem öffentlichen Halbschatten getreten. Interviews sind rar, und wenn Philip Zepter spricht, dann nicht allzu viel. „Herr Zepter ist schwer zu erreichen“, so seine Beraterin Sybille Gallois, „er hat wie immer Termine in drei Ländern gleichzeitig.“

Über die Struktur der Zepter-Gruppe ist denn auch so gut wie nichts bekannt. Tatsache ist, dass die Fäden bei der im eidgenössischen Wollerau im Kanton Schwyz domizilierten United Business Activities Holding AG (UBA) zusammenlaufen. An der UBA Holding hängen neben der eigentlichen Zepter-Gruppe auch zwei kleinere Banken in Jugoslawien und der bosnischen Teilrepublik Republika Srpska, eine Versicherung sowie eine Vielzahl von Liegenschaften und Immobilien. Präzise Zahlen sind nicht verfügbar. Der Schweizer Rechtsanwalt und UBA-Verwaltungsrat Jürg Altorfer: „Ich bin nicht autorisiert, über Zahlen zu sprechen.“

Zepters selbst auferlegte Enthaltsamkeit mag denn auch dazu beigetragen haben, dass seine Vita im Laufe der Jahre um eine Reihe alles andere als schmeichelhafter Mythen ergänzt wurde. So soll schon sein Abschied aus Österreich nicht ganz freiwillig erfolgt sein. 1999 war die Zepter Handels-GmbH, die bis heute in Linz existiert, ins Visier der heimischen Finanz geraten. Der damalige Verdacht: Steuerhinterziehung. Zepter-Rechtsanwalt Altorfer: „Ich kann bestätigen, dass es unterschiedliche Auffassungen mit den österreichischen Behörden gegeben hat. Aber die Sache wurde längst bereinigt.“ Wie, will er nicht sagen.

Noch weit schwerer freilich wiegen Vorwürfe, die seit dem Vorjahr in regelmäßigen Abständen durch jugoslawische Medien geistern. Demnach soll ausgerechnet der Mann, der einst als Milan Jankovic seine Heimat verlassen hatte, um nach Ende des Bürgerkriegs als Philip Zepter 35 Millionen Euro in den Wiederaufbau seines zerrütteten Landes zu investieren, am Balkan mit dunklen Mächten gemeinsame Sache machen.

Dunkle Mächte. Die Liste der Spekulationen ist lang und abenteuerlich. Von Waffenlieferungen an Terroristen ist da ebenso die Rede wie von Geldwäsche und odiosen Geschäften mit Schergen des Milosevic-Clans. So sollen sich unter seinen Partnern in Belgrad auch ehemalige Offiziere der berüchtigten serbischen Staatssicherheit DB sowie des militärischen Geheimdienstes KOS finden. Bis heute gibt es dafür freilich keinen Beweis. Zepter selbst hat jede Verwicklung energisch dementieren lassen. Belegt ist vielmehr seine enge Freundschaft zum ehemaligen serbischen Oppositionsführer und 2003 ermordeten Ministerpräsidenten Zoran Djindjic.

Gesteigerte Aufmerksamkeit aus dem Westen wurde dem öffentlichkeitsscheuen Unternehmer im Frühjahr 2003 zuteil. Die auf Risikoanalysen und Krisenprävention spezialisierte private US-Organisation International Crisis Group (ICG) rückte Zepter in einem Bericht (Titel: „Serbien nach Djindjic“) gefährlich nahe an den unverändert einflussreichen Clan des im Oktober 2000 gestürzten Ex-Diktators Slobodan Milosevic. Zitat: „Ein anderes Unternehmen, das angeblich als Deckmantel für Geldwäsche und Waffenlieferungen dient, ist die Zepter-Gruppe von Milan Jankovic alias Philip Zepter“.

ICG wird von Persönlichkeiten wie George Soros, Rupert Murdoch und David Rockefeller ebenso unterstützt wie von der internationalen Staatengemeinschaft. Unter den Financiers findet sich auch das österreichische Außenministerium. Vor eineinhalb Jahren erst hatte ICG die Regierung in Belgrad mit Enthüllungen über illegale Waffenlieferungen der jugoslawischen Armee an den Irak in eine tiefe Krise gestürzt. Philip Zepter, der nicht mehr Milan Jankovic heißen will, hat ICG inzwischen auf Rufschädigung geklagt. Nach einem Bericht des US-Magazins „Forbes“ hätten ihn die „völlig haltlosen Unterstellungen“ der US-Organisation insgesamt nicht weniger als 400 Millionen US-Dollar an Umsatz gekostet.

Ein ICG-Sprecher dazu: „Sie können davon ausgehen, dass wir uns auf Fakten stützen. Das ist auch im Falle dieses Herrn so gewesen.“

Erst jüngst hatte Zepter der Belgrader Zeitung „Blic“ einen Einblick in sein ganz persönliches Wertesystem gewährt: „Ich war immer entschlossen, mir neue Grenzen zu setzen, um diese anschließend zu überschreiten.“