Affäre: Flucht nach vorn

Julius Meinl V. verhandelt mit den Investmenthäusern HSBC und Goldman Sachs einen Teilverkauf von Meinl European Land – und will dabei noch einmal ordentlich Kasse machen.

Eines muss man Julius Meinl V. lassen: Der Mann hat Chuzpe. Finanzmarktaufsicht, OeNB und Justiz sind ihm auf den Fersen. Und was macht der Bankier? Er verhandelt in aller Stille einen Deal, der die Zukunft der skandalumwitterten Immobiliengesellschaft Meinl European Land (MEL) nachhaltig verändern und ihn – ganz en passant – noch um ein Eckhaus liquider machen könnte.

Wie profil in Erfahrung bringen konnte, laufen derzeit hektische Verhandlungen mit jedenfalls zwei international tätigen Investmenthäusern über einen Teilverkauf der Immobiliengruppe: HSBC und Goldman Sachs. Meinl-Sprecher Herbert Langsner will die Namen zwar nicht bestätigen, hält aber fest: „Die Hereinnahme von Partnern ist eine Option bei der laufenden Restrukturierung.“

Das Verhandlungsziel scheint indes in groben Zügen festzustehen. Geht es nach den Wünschen des Bankiers, dann soll noch vor Jahresende ein Käufer für das nicht börsennotierte MEL-Vehikel „Meinl European Real Estate“ fixiert werden. Die Gesellschaft, eine Tochter der Meinl Bank, besorgt das gesamte operative Immobiliengeschäft für Meinl European Land und erhält dafür dank eines „Managementvertrags“ Jahr für Jahr stattliche Provisionen. Allein heuer dürften solcherart 20 Millionen Euro von MEL Richtung Bank fließen. Die Konstruktion ist nicht nur unter Anlegern höchst umstritten. Auch die von Meinl engagierten Berater der Investmentbank Merrill Lynch drängen, wie berichtet, auf eine rasche Zerschlagung. Bloß: Ohne die Zuflüsse aus diesem Managementvertrag (auch die Börsengesellschaften Meinl Power und Meinl Airports sind so konstruiert) verliert die Meinl Bank substanzielle Erträge.

Freche Forderungen. Die diskutierte Lösung wirkt im Lichte der jüngsten Ereignisse nachgerade nassforsch. Meinl soll in den Verkaufsverhandlungen nicht weniger als eine Barabgeltung des Managementvertrags – er läuft noch bis 2011 – fordern. Dem Vernehmen nach geht es um einen Betrag zwischen 150 und 200 Millionen Euro. Und nicht nur das: Auch die von Merrill Lynch empfohlene Eliminierung der ominösen „teileinbezahlten Aktien“ – sie repräsentierten gut ein Drittel des gesamten MEL-Kapitals – könnte ins Geld gehen. Diese so genannten „partly paid shares“ (pps) stehen derzeit im Einflussbereich des fünfköpfigen MEL-Managements, das wiederum im Einflussbereich von Julius Meinl V. steht. Dem Vernehmen nach will sich Meinl auch den Verzicht auf die pps-Stimmrechte abgelten lassen.

Jener Julius Meinl V., dessen Umfeld die Halbierung des MEL-Börsenwerts zu verantworten hat, will jetzt also Geld dafür sehen, dass er sich ein für alle Mal zurückzieht.

Ein starkes Stück.

Das Kalkül dahinter ist dennoch bestechend. Parallel zur Übernahme der Managementgesellschaft sollen die neuen Investoren nämlich auch an die Inhaber von MEL-Zertifikaten herantreten. Im Wege eines limitierten Übernahmeofferts, im Fachjargon „tender offer“ genannt, könnten so bis zu 25,1 Prozent der MEL-Anteile den Besitzer wechseln (ab 30 Prozent müsste laut Übernahmegesetz auf alle Anteile geboten werden). Über den Preis kann nur vorerst spekuliert werden. Er soll jedenfalls spürbar über dem aktuellen MEL-Börsenkurs von knapp zehn Euro liegen. Die durchaus erwünschte Nebenwirkung: Ein versöhnliches Offert würde den Börsenwert von MEL wieder steigen lassen und Anlegern die Lust auf kostspielige wie langwierige Schadenersatzprozesse nehmen.

Die Staatsanwaltschaft Wien wird sich davon kaum beirren lassen. Wie ausführlich berichtet, sind gerichtliche Vorerhebungen gegen Julius Meinl V. wegen des Verdachts der Untreue und des Betrugs anhängig. Derselbst beteuert seine Unschuld. Seit Freitag vergangener Woche ist das Kapitel Meinl indes um einen Akteur reicher: Dieter Böhmdorfer, Rechtsanwalt und FPÖ-Justizminister a. D., hat im Namen von Klienten eine Sachverhaltsdarstellung (Betrug, Untreue sowie Verstöße gegen Aktien- und Börsengesetz) gegen den Bankier eingebracht. Delikat: Im Meinl-Komplex ist mit Karl-Heinz Grasser auch ein früherer Böhmdorfer-Parteifreund tätig (siehe Kasten). Der Advokat nimmt’s gelassen: „Ich bin da neutral. Fakt ist, dass die Staatsanwaltschaft die Sache jetzt nicht einfach so zu den Akten legen kann.“

Von Michael Nikbakhsh