Alpine Bau: Ruin durch Gier, Planlosigkeit und Expansion

Alpine Bau: Ruin durch Gier, Planlosigkeit und Expansion

Gierige Eigentümer, absurde Expansionspläne, überforderte Manager, träge Strukturen: Die Pleite des Baukonzerns Alpine ist ein Lehrstück dafür, was Globalisierung ohne Maß und Ziel anrichten kann. Der Untergang im Nachrichtenticker.

APA, 19. Juni 2013, 9.47 Uhr. VORRANG: #Alpine Bau GmbH stellte Insolvenzantrag beim Handelsgericht Wien
Die Richterskala der Austria Presseagentur (APA) kennt fünf Einstufungen – je nach Seismik eines Ereignisses. Von Alltäglichem („Priorität 5“) über Wichtiges („Alarm“), sehr Wichtiges („Eilt“), Brenzliges („Vorrang“) hin zu Außergewöhnlichem („Blitz“). Am 19. Juni quillt der Wirtschaftsticker der österreichischen Nachrichtenagentur über mit „Alarm“- und „Eilt“-Meldungen. Und alle sind sie einem Baukonzern gewidmet, der soeben eine kolossale Pleite hingelegt hat: der Alpine Bau GmbH. Die – noch sehr groben – Relationen: Das Unternehmen hat bei 8000 Gläubigern Schulden von jedenfalls 2,6 Milliarden Euro angehäuft, denen Aktiva von gerade einmal 661 Millionen Euro gegenüberstehen dürften – daraus errechnet sich eine in dieser Form singuläre Überschuldung von vorerst zwei Milliarden Euro. 15.000 Menschen im In- und Ausland standen zuletzt im Sold der Alpine. Deren Schicksal – ungewiss.
Sicher, die nackten Zahlen allein schreiben Geschichte: jene der „größten Pleite der österreichischen Wirtschaftsgeschichte“, wahlweise auch „der zweiten Republik“. Tatsächlich aber erzählen sie nur das letzte Kapitel eines Essays, der beispielhaft für das Abenteuer Wirtschaft steht.
Es ist die Geschichte eines Scheiterns.
Die Alpine Bau steht heute da, wo sie steht, weil sie in zu kurzer Zeit zu stark gewachsen ist, wachsen musste. Weil Wachstum heißt Profit. So wünschten es die spanischen Eigentümer. So wünschten es deren Aktionäre. Auf dem österreichischen Markt allein war das nicht zu schaffen. Also musste Alpine expandieren – erst lokal, dann global, schlussendlich fatal.

APA, 26. Juli 2006, 10.22 Uhr. **EILT: Spanischer Baukonzern FCC übernimmt Mehrheit an Alpine Mayreder
Es ist kein Überhasp-Verkauf. Im Gegenteil. 1999 war mit Dimitri Pappas einer der Gründer des Salzburger Baukonzerns verstorben. Seine Familie hielt zu diesem Zeitpunkt 75 Prozent, sechs Prozent gehörten der Erste Bank, der Rest entfiel auf Pappas’ langjährigen Partner Dietmar Aluta-Oltyan. Die Erben des Tycoons sahen ihre Zukunft nicht im Baugewerbe – eher schon im Handel mit Mercedes-Automobilen. Es sollte bis 2006 dauern, ehe mit der Madrider Fomento de Construcciones y Contratas S.A., kurz FCC, ein neuer Hausherr gefunden wurde. Die Spanier kaufen zunächst den Pappas-Clan und die Erste aus und legen dafür 480 Millionen Euro auf den Tisch. Aluta-Oltyan – er war bis 2005 auch Geschäftsführer – bleibt vorerst mit 19 Prozent beteiligt. Die Alpine zu dieser Zeit: ein solides Bauunternehmen mit Fokus auf Österreich. 2005, im letzten vollen Geschäftsjahr vor Einstieg von FCC, war ein Umsatz in der Höhe von zwei Milliarden Euro erwirtschaftet worden, davon 1,3 Milliarden Euro im Lande. Die Erfolgsrechnung schloss mit einem Gewinn nach Steuern in der Höhe von 36,3 Millionen Euro – der Betrag sollte in den Jahren darauf nie mehr übertroffen werden.

APA, 14. November 2007, 9.44 Uhr. Alpine Bau will Umsatz bis 2010
verdoppeln

Eines muss man den Spaniern zugestehen: Sie sind nicht unmutig. Nur wenige Monate, nachdem sie in Salzburg das Kommando übernommen haben, liegen die ersten fröhlichen Businesspläne für die nahe Zukunft vor. Demnach soll Alpine den Konzernumsatz bis 2010 auf 3,8 Milliarden schrauben – also faktisch verdoppeln. Nach den Vorstellungen von FCC soll die österreichische Beteiligung dabei „offensiv“ in den Osten expandieren – wobei der Osten aus Sicht der Spanier nicht in Russland endet, sondern vielmehr bis nach Indien und darüber hinaus reicht. FCC gehört zwar mehrheitlich der iberischen Unternehmerin Esther Koplowitz – doch der spanische Baukonzern notiert an der Börse Madrid, Koplowitz hat also Mitaktionäre. Und die lieben bekanntlich vollmundige Ankündigungen, die nach Gewinn schmecken. Größer, schneller, weiter.

APA, 2. Dezember 2008, 12.09 Uhr. Arbeitslosigkeit in Spanien im Jahres-
abstand um 43 Prozent gestiegen

US-Subprimekrise, Lehman-Kollaps, Weltwirtschaftskrise. Es hätte all das nicht gebraucht, um den heillos überhitzten spanischen Immobilienmarkt zusammenbrechen zu lassen. Die Entwicklung wird dadurch allenfalls beschleunigt. Mit weitreichen-den Folgen für FCC, einen der größten Baukonzerne Spaniens. Die Aufträge bleiben aus, die Erträge fallen, die Schulden steigen – mit Konsequenzen auch für die unverdrossen expandierende Alpine. Das Baugeschäft ist ein kostspieliges. Bauvorhaben müssen zunächst über Jahre vorfinanziert werden, ehe abgerechnet werden kann. Dazu braucht es Liquidität, sogenanntes working capital. Und dieses sollten die Spanier stets in ausreichendem Maße vorstrecken. Spätestens ab jetzt wird der Geldfluss von der Mutter zur Tochter ins Stocken geraten. Erschwerend kommt hinzu, dass Alpine zunehmend irrwitzigere Projekte mit zunehmend schlechteren Deckungsbeiträgen in die Bücher nimmt. Das Jahr 2008 – Generalthema des Geschäftsberichts „Von Österreich in die ganze Welt“ – schließt mit einem Umsatz von 3,5 Milliarden Euro und einem Gewinn nach Steuern von 36,2 Millionen Euro. Der Auslandsanteil am Umsatz ist von 38 Prozent 2005 auf nunmehr 49 Prozent gestiegen, die Verbindlichkeiten von 1,1 auf 1,5 Milliarden Euro.

APA, 13. Mai 2009, 12.51 Uhr. Bund stellt 10 Mrd. an Garantien für Unternehmenskredite bereit

Fußballstadien, Kraftwerke, Eisen- und U-Bahnanlagen, Tunnel, Brücken, Autobahnen, Bosnien, Bulgarien, Polen, Singapur, Indien, Vereinigte Arabische Emirate – Alpine baut und baut und baut. In der Branche gilt es längst als offenes Geheimnis, dass der Konzern sich übernimmt. Das sogenannte Baustellencontrolling, das die Wirtschaftlichkeit der einzelnen Baustellen überwachen soll, ist mangelhaft. Dem Unternehmen fehlt es an qualifiziertem Personal, vor allem vor Ort. Dazu kommen massive Probleme mit der IT. Soweit es die Umsätze betrifft, ist Alpine nach wie vor auf Kurs. Doch die Gewinne halten nicht mehr Schritt. Das Unternehmen produziert immer ineffizienter und gerät bei zahlreichen Bauprojekten in Verzug – was am Bau sehr schnell sehr teuer werden kann, weil Pönalzahlungen anfallen. Im Mai besorgt sich Alpine über das sogenannte Unternehmensliquiditätsstärkungsgesetz der Regierung 180 Millionen Euro an Haftungen für Kredite. Das Geschäftsjahr schließt mit einem Umsatz von 3,4 Milliarden Euro, der Auslandsanteil ist mittlerweile auf 52 Prozent geklettert, doch der Gewinn nach Steuern bricht um mehr als die Hälfte auf 16,4 Millionen Euro ein; die Konzernverbindlichkeiten kratzen bereits an der Marke von 1,8 Milliarden Euro.

APA, 14. Juni 2010, 12.37 Uhr. Alpine begibt 100 Mio. Euro Anleihe

Was macht ein verschuldetes Unternehmen, dem langsam, aber sicher das Geld ausgeht? Noch mehr Schulden. Im Sommer 2010 wirft die übergeordnete Managementgesellschaft Alpine Holding GmbH erstmals eine Anleihe auf den Markt. Fünf Jahre Laufzeit, 100 Millionen Euro schwer, 5,25 Prozent Kupon pro Jahr. Der Zinssatz ist attraktiv – oder eigentlich zu hoch. Je nachdem. Denn eigentlich müsste Alpine das Geld eingedenk des allgemein niedrigen Zinsniveaus billiger bekommen. Oder doch nicht? Es fällt auf, dass die Emission der Anleihe just von jenen Banken begleitet wird, bei denen der Baukonzern schon damals tief in der Kreide steht: Bawag/PSK und UniCredit Bank Austria, die dafür stattliche Provisionen kassieren. Bis 2012 werden zwei weitere Anleihen im Ausmaß von weiteren 190 Millionen Euro folgen.

Alpine-Presseaussendung, 19. Oktober 2011. New Yorker Goldregen für
Alpine-Geschäftsbericht

Als Alpine sich im Herbst 2011 einer internationalen Auszeichnung berühmt, ist sie längst eine Mischung aus äußerer Pracht und innerer Armut. Der in New York (in Wort und Bild) prämierte Geschäftsbericht des Jahres 2010 ist nur ein Zeichen für die glänzende Fassade, die nicht enden wollenden „Erfolgsmeldungen“ über neue Aufträge tun ihr Übriges: „111 Mio. Dollar in Abu Dhabi“; „Alpine jetzt in Norwegen“; „Alpine baut Sport- und Konzertkomplex in Baku/Aserbaidschan“; „Alpine bohrte in China eine Wasserleitung durch den Berg“; „Alpine baut estnische Botschaft in Peking“; „Österreichs bester Maurer kommt aus dem Alpine-Stall“. „Wer erfolgreich sein will, muss ein raues Klima aushalten können“, so der damalige Konzernchef Werner Watznauer. Und rau ist das Klima allemal. Schon die Halbjahresbilanz ist ernüchternd: Das Unternehmen rutscht ins Minus – trotz höherer Bauleistung, die allerdings die deutlich angestiegenen Material- und Personalkosten nicht wettmachen kann. Was das Unternehmen nicht daran hindert, eine zweite Anleihe auf den Markt zu werfen. Im Juni 2011 holt Alpine sich weitere 90 Millionen Euro frisches Geld. 5,25 Prozent pro Jahr, fünf Jahre Laufzeit. Wieder begleiten Gläubigerbanken die Emission, dieses Mal Erste Bank und UniCredit. Das Jahr 2011 schließt mit dem höchsten Umsatz der Geschichte: 3,62 Milliarden Euro – bei einem vergleichsweise miserablem Ergebnis: 10,3 Millionen Euro.
Im später publizierten Jahresbericht 2011 findet sich nur ein kleiner Hinweis auf die desolate Situation. Die Wirtschaftsprüfer von Deloitte weisen ausdrücklich auf „Unsicherheit in Zusammenhang mit Rechtsstreitigkeiten und der Realisierbarkeit von kurzfristigen Forderungen aus wesentlichen strittigen Projekten und Deutschland“ sowie auf das „Kreditrisiko des griechischen Staates“ hin. Dessen ungeachtet versehen sie die Bilanz mit einem uneingeschränkten Bestätigungsvermerk.

APA, 12. Jänner 2012, 9.17 Uhr. ALARM: #Ex-Porr-Vorstand Johannes Dotter wird neuer Alpine-Chef

Die Alpine und ihr Management – mit dem Einstieg der Spanier ist die Führungsebene zu einem Durchhaus verkommen. Leitende Angestellte verschwinden so schnell, wie sie verpflichtet wurden. Mehr als ein Dutzend Manager rochieren im Laufe weniger Jahre. In Österreich. In Deutschland, wo 2012 handstreichartig die gesamte Mannschaft ausgetauscht wird. Die Folge: vakante Posten, strittige Kompetenzen, mangelnde Koordination, Ellbogeneinsatz, chaotische Strategien. Dazu kommen manifeste Sprachbarrieren. Die von FCC nach Österreich entsandten Leute sind des Deutschen nicht mächtig. Man konferiert mehr schlecht als recht auf Englisch. Und erst die Struktur: Über der Alpine Bau GmbH, welche das eigentliche Geschäft besorgt, sitzt eine Holding, darüber noch eine Holding und darüber FCC. Jede Gesellschaft mit eigener Geschäftsführung und Aufsichtsrat. Konsequenterweise müssen alle nennenswerten Geschäftsentscheidungen von Salzburg durch die Instanzen nach Madrid, Sitz von FCC, geschleift werden – und wieder retour.

APA, 3. Februar 2012, 11.30 Uhr. ALARM: #Baukonzern Alpine gehört nun zu 100% FCC

Im Februar verabschiedet sich mit Dietmar Aluta-Oltyan eine der letzten Konstanten. Der langjährige Geschäftsführer und spätere Aufsichtsratschef scheidet aus dem Kreis der Gesellschafter aus. Er verkauft FCC seine verbliebenen Anteile an Alpine.

APA, 10. Mai 2012, 12.42 Uhr. Alpine platzierte 100 Mio. Euro schwere Anleihe

Einmal geht noch: Mitte 2012 befindet sich der Konzern bereits im freien Fall – die Öffentlichkeit erfährt davon nichts. Im Gegenteil, oder richtigerweise: al contrario. Am 7. Mai vermeldet CEO Dotter, Alpine sei eine „österreichische Erfolgsgeschichte“ und präsentiert ein neues „Aktionsprogramm“. Plötzlich geht es nicht mehr nur um Umsatz, sondern auch um „Marge“. Dotter: „Ich habe mir zum Ziel gesetzt, den Expansionserfolg in einen stabilen, nachhaltigen, ergebnisorientierten Unternehmenserfolg zu transformieren.“ Kurz darauf wirft die Alpine eine letzte Anleihe unter das Anlegervolk. 100 Millionen Euro Volumen auf fünf Jahre, diesmal zu sechs Prozent verzinst. Und wieder sind es Gläubigerbanken, welche die Platzierung gegen gutes Geld vornehmen: Bawag/PSK und Raiffeisen. Die Überschlagsrechnung aus den mittlerweile drei Anleihen müsste den hochbezahlten Managern eigentlich zu denken geben. Um die Ansprüche der Investoren zu befriedigen, muss Alpine ab 2013 in Summe 15,975 Millionen verdienen, um allein die Zinsen auf die Schuldtitel zu begleichen. Das ist deutlich mehr, als der Konzern zuletzt eingespielt hat. Was zu diesem Zeitpunkt erst recht niemand ahnt: CEO Dotter hat das Wirtschaftsprüfungsunternehmen KPMG ins Haus geholt, um sich einen Überblick über die Verfasstheit des Konzerns zu verschaffen.

APA, 10. Oktober 2012, 14.49 Uhr. Baukonzern Alpine offenbar in akuten Zahlungsschwierigkeiten – profil online

Wie schlimm es um Alpine wirklich bestellt ist, offenbart ein mit 20. September 2012 datierter KPMG-Bericht, der profil zugespielt und am 10. Oktober online veröffentlicht wird. Demnach drohen dem Konzern im laufendem Wirtschaftsjahr 2012 im Lichte „falsch abgerechneter“ und „gefährdeter Projekte“ sowie „nicht werthaltiger Beteiligungen“ Wertberichtigungen von bis zu 400 Millionen Euro, der Verlust könnte 263 Millionen Euro betragen. Obendrein ist das Eigenkapital der Alpine Bau GmbH mit 138 Millionen Euro im Minus. Alpine? Beschwichtigt. In einer ersten Stellungnahme heißt es: „Die Liquidität ist ausreichend gesichert“, der spanische Eigentümer habe „volle Unterstützung“ zugesagt. An der Wiener Börse rasseln die Kurse der drei Anleihen in den Keller.

APA, 17. Oktober 2012, 12.12. ALARM # Alpine-Chef Dotter zurückgetreten – profil online

Als ob es noch eines Beweises für die desaströse Personalpolitik von FCC bedurfte, muss wenige Tage nach der profil-Enthüllung auch noch Geschäftsführer Johannes Dotter weichen. In einer Stellungnahme gegenüber profil wird dies von den Spaniern damit begründet, dass „Dotter die gemeinsam vereinbarte Konzernstrategie verlassen“ habe – was immer das heißen mag. Und das Personalkarussell dreht sich immer schneller. Im November 2012 wird mit Josef Schultheis ein „Restrukturierungsmanager“ verpflichtet, der die Verhandlungen mit den Gläubigerbanken führen soll, im März 2013 stößt der frühere ÖBB-Manager Arnold Schiefer dazu.

APA, 31. Jänner 2013, 16.41 Uhr. ALARM #Banken erlassen Alpine Kredite – „Insolvenz vermeiden“

Zu Jahresbeginn keimt die Hoffnung, der Konzern könnte es doch noch schaffen. Die Gläubigerbanken, bei denen Alpine mit insgesamt 660 Millionen Euro in der Kreide steht, erlassen 150 Millionen Euro, gleichzeitig verpflichtet sich FCC, Geld einzuschießen. Bis zu diesem Zeitpunkt hat das Abenteuer Alpine die Spanier bereits mehr als 700 Millionen Euro gekostet. Tatsächlich aber kommen die Eigentümer ihren Verpflichtungen nur bedingt nach. Sie lösen kurz darauf die Tochtergesellschaft Alpine Energie – letztlich die einzige wirklich werthaltige Beteiligung – aus dem Konzernverbund heraus (profil berichtete). Ein Geschäft, das im Hinblick auf die spätere Insolvenz rechtliche Konsequenzen haben könnte, da der Masse damit Vermögen entzogen wird.

APA, 24. April 2013, 13.00 Uhr. ALARM: #Alpine-Gruppe 2012 mit 449,7 Mio. Euro Jahresverlust

Die von KPMG erwarteten Verluste werden von der Realität übertroffen. Tatsächlich fährt der Konzern 2012 ein Minus von gut und gern 450 Millionen Euro ein. Noch am Tag der Veröffentlichung der vorläufigen Zahlen 2012 erklärt der neue Alpine-Chef Arnold Schiefer durchaus selbstkritisch: „Alpine hat geglaubt, Großprojekte in Osteuropa unter ähnlichen Rahmenbedingungen wie in Österreich abwickeln zu können.“ Die ausufernden Verluste begründet er mit „Selbstüberschätzung kombiniert mit mangelnder Kontrolle“. Zwei Monate später kollabiert die Unternehmensgruppe. Am 19. Juni beantragt Schiefer namens der Alpine Bau GmbH ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung, am 28. Juni wird auch noch die übergeordnete Holding in den Konkurs geschickt – damit sind auch drei Anleihen faktisch entwertet.

Die Schlussrechnung steht noch aus. Die tausenden Gläubiger – Banken, Versicherungen, Zulieferer, Anleiheinhaber – müssen sich jedoch darauf einstellen, nur einen Bruchteil ihres Geldes wiederzusehen.
Wenn überhaupt.