Ambrozy & Haider: Ewiger Zweiter

Nach drei Jahrzehnten des Kampfes fügt sich der gescheiterte Sozialdemokrat scheinbar freudig seinem Widersacher, um sein eigenes politisches Überleben zu sichern.

Die Geschichte, das weiß man mittlerweile, wiederholt sich gern als Farce. Im Falle des Peter Ambrozy ist allerdings die tragische Note nicht zu übersehen. Der ehemalige Student der Juridischen Fakultät in Wien, der heute von sich behauptet, „immer schon ein Rebell“ gewesen zu sein, und dies damit belegt, dass er in den siebziger Jahren in der Hauptstadt den „Bund Kärntner Studenten“ anführte, wollte seiner Partei – und nicht zuletzt sich selbst – den Machterhalt sichern und verlor dabei vollends sein Gesicht.

Haider und Ambrozy, das ist die Geschichte zweier Männer, die in den siebziger Jahren ausgezogen waren, um gegen den jeweils anderen zu gewinnen. So verschieden sie von ihrem Naturell her waren, der Spieler und der Technokrat, zwischen ihnen, gleichsam als Übervater, stand der legendäre sozialdemokratische Landeshauptmann Leopold Wagner. Vom jüngeren, rotzfrechen freiheitlichen Landesparteisekretär sprach Wagner gern als seinem Lieblingsschüler, der leider in der falschen Partei war. Mit unverhohlenem Stolz erzählte Wagner einmal, dass der junge Haider jahrelang mit ihm übers Land gefahren und die Ohren gespitzt habe, um zu lernen, „wie der Vater agiert“. Ambrozy, damals einer der wenigen Akademiker in der Kärntner Partei, saß derweil am Schreibtisch in Wagners Büro. „Vielleicht war das ein Fehler“, gestand der Alte später, „der Peter war nie draußen mit mir, so hat er nicht gewusst, wie das geht.“

Wagner bestimmte 1988 Ambrozy zu seinem Nachfolger – zum Ärger maßgeblicher Funktionäre der Kärntner SPÖ, die dem neuen Parteiobmann bei Gelegenheit immer wieder Prügel in den Weg warfen – die Feindschaften blühen bis heute.

Stellvertreter. Gegen die Arroganz der Macht, mit der die SPÖ jahrzehntelang geherrscht hatte und der auch Ambrozy nicht abschwor, setzte sich nun Haider als Befreier in Szene. Das hinderte Ambrozy allerdings nicht, Haider für „bündnisfähig“ zu erklären und der Bundespartei zu empfehlen, sich ebenfalls „Optionen in alle Richtungen“ offen zu halten. Um ein paar hundert Stimmen verpasste Ambrozy im Jahr 1989 schließlich die absolute Mehrheit und sah hilflos zu, wie Haider mit den Stimmen der ÖVP, in der sich gewaltiger Zorn auf die Sozialdemokraten aufgestaut hatte, Haider zum Landeshauptmann gewählt wurde.

Zwei Jahre später, nach Haiders Lob für die „ordentliche Beschäftigungspolitik im Dritten Reich“, musste Ambrozy das begehrte Amt abermals abtreten an die ÖVP. Das war der Preis für Haiders Abwahl gewesen. Der damalige SPÖ-Vorsitzende Franz Vranitzky hatte darauf bestanden.
Im darauf folgenden Wahlkampf 1993/94 konnte sich Ambrozy nur noch mit Mühe als Spitzenkandidat behaupten. Der Bürgermeister von St. Veit, Gerhard Mock, führte damals schon die Phalanx der Kritiker an und sagte öffentlich, mit Ambrozy sei „keine Wahl zu gewinnen“.

Wieder wurde der Wahlsonntag für die SPÖ ein Debakel, und die ÖVP wollte von der Vereinbarung, dass die stärkste Partei, die SPÖ also, den Landeshauptmann stellen solle, nichts mehr wissen. Ambrozy musste gehen und kam als Klubobmann wieder. An der ersten weinseligen Runde von Sozialdemokraten und Freiheitlichen (damals trank man Brunello), in der man sich fast handelseins geworden wäre, wenn nicht Vranitzky ein Machtwort gesprochen hätte, war Ambrozy nur noch am Rande beteiligt. Doch es blieb ihm nicht erspart, nach langen Krämpfen wieder einen Schwarzen zum Landeshauptmann zu wählen. Im Jahr 1997 – eine lächerliche Unterschriftenfälschung unter Genossen zwecks Einberufung einer Sitzung war der Anlass – legte Ambrozy resigniert alle Parteifunktionen nieder und blieb einfacher Landtagsabgeordneter.

Überlebensgier. Es muss etwas mit der Offiziersehre in Ambrozys Elternhaus zu tun haben, dass er im Februar 2000 noch einmal in den Ring stieg, um die offene Rechnung mit Haider zu begleichen. Wieder raunzten die Parteifreunde im Hintergrund, und bei den Kärntner Freiheitlichen wurde schon der halbe Sieg gefeiert. So schlitterte Ambrozy abermals in die Niederlage um den Landeshauptmann. Doch diesmal wird er nicht sagen können, er habe Haider niemals ins Amt gehievt. Jener Politiker, den er vor wenigen Wochen noch aus moralischen Gründen den Kärntnern nicht zumuten wollte, hat jetzt ihn fest im Griff. Und Ambrozy spielt mit. Aus Parteiräson und politischer Überlebensgier.