„Auch mal was Ungesundes“

Harald Leszkovich, 32 arbeitet seit 2001als Ernährungsberater in Wien. Er veranstaltet Gruppenseminare und bietet Einzelbetreuungen und Personal Coaching für Erwachsene und Kinder an.

profil: Warum werden die Kinder immer dicker?
Leszkovich: Weil sie verführt werden – hauptsächlich von der Werbung. Die Werbung verführt die Kinder, die Kinder verführen sich gegenseitig dazu, immer mehr von diesen „schlechten“ Sachen zu essen, die aber als „cool“ gelten.
profil: Wie kann man das vermeiden?
Leszkovich: Schwer. Man müsste wahrscheinlich in den Schulen ansetzen – dort kann man wesentlich mehr bewirken als zu Hause, weil der Einfluss der Eltern immer geringer wird, je älter die Kinder sind. Die Schulen müssten den Kindern gesundes Essen anbieten, nicht nur Leberkässemmeln. Auch wenn man unterwegs ist, hat man kaum die Möglichkeit, schnell gesundes Essen zu bekommen.
profil: Ab wann müssen Eltern bei der Ernährung ihrer Kinder aufpassen?
Leszkovich: Von Anfang an. Eltern sollten schon ihren ganz kleinen Kindern Vorbild sein, selbst gesund essen und den Kindern gesundes Essen anbieten. Zum Beispiel in der Wohnung ein paar Obstkörbe aufstellen oder mundgerecht geschnittenes Obst und Gemüse zum Zugreifen – es macht nichts, wenn das mal ein paar Stunden steht. Farben sind auch wichtig, bunt soll es sein. Und beim Gemüse darf ruhig auch mal Ketchup dabei sein.
profil: Das ist aber ungesund.
Leszkovich: Auch ein paar Pommes frites schaden nicht. Schlecht ist, wenn es nur ungesunde Sachen gibt. Das gilt auch für die Hauptmahlzeiten: Es darf auch mal was Ungesundes dabei sein – wenn es mit Gemüse, Tofu oder Fisch kombiniert wird.
profil: Und wenn ein Kind Gemüse partout nicht mag?
Leszkovich: Kein Kind mag überhaupt kein Gemüse – einzelne Gemüse werden abgelehnt, oft halt jene, die von den Eltern bevorzugt werden. Da muss man es mit anderen Gemüsesorten probieren und bei der Zubereitung fantasievoll sein.
profil: Was sollen Eltern tun, wenn das Kind zur Dicklichkeit neigt?
Leszkovich: Eine Nährwerttabelle hernehmen und über mehrere Tage eine genaue Analyse machen: Was isst das Kind den Tag über und welche Nährwerte hat das? Da entdeckt man meistens sehr schnell, woran es liegen kann. Und selbst bei genetischen Veranlagungen zum Zunehmen kann man auf diese Weise eingreifen: Denn wenn ein Kind dick wird, heißt das, dass es mehr isst, als es verbraucht. Da kann man gezielt einschreiten und die Ernährung umstellen oder Ernährungsfehler beseitigen, etwa indem das Kind zur Belohnung oder zur Entspannung isst.
profil: Vor welchen Ernährungsfallen müssen Eltern aufpassen?
Leszkovich: Zum Beispiel vor den so genannten Milch-Snacks und A-C-E-Produkten, die die Werbung als gesunde Kindermahlzeiten verkauft: Da sind durchaus auch gesunde Sachen drin, aber eigentlich sind das Süßigkeiten mit hohem Zucker- und Fettanteil.
profil: Auch bei Getränken lauern Kalorienfallen: Sollen Kinder nur Wasser trinken dürfen?
Leszkovich: Nein, nicht nur. Aber 100-prozentige Säfte sollten mit Wasser aufgespritzt werden. Hin und wieder darf es auch eine Limonade sein. Ich bin ein Fan von selbst gemachten, ungesüßten Teegetränken und merke, dass auch die Kinder, die ich betreue, das annehmen – vor allem als Durstlöscher.
profil: Gibt es Süßigkeiten, die man empfehlen kann?
Leszkovich: Wenn man auf etwas Bestimmtes richtig Lust hat, soll man es essen: Wenn man es von sich selbst oder jemand anderem verboten bekommt, dann wird der Heißhunger immer schlimmer. Man kann den Kindern auch Trockenfrüchte statt Schokolade anbieten.
profil: Sind Gummibärli gesünder als Schokolade?
Leszkovich: Gesünder nicht, aber sie sind zumindest fettfrei und haben dadurch weniger Kalorien als Schokolade.
profil: Nach welchen Prinzipien sollen Eltern ihre Kinder ernähren?
Leszkovich: Die Ernährungspyramide ist prinzipiell eine ganz gute Grundlage, mit einer breiten Basis aus Kohlehydraten und einer Spitze aus wenig Fett.
profil: Ist Frühstück wichtig?
Leszkovich: Ja. Speziell im Kindesalter. Vom Frühstück werden etwa 40 Prozent des Tagesbedarfes gedeckt, der sich später nicht aufholen lässt. Man braucht von der Früh an minütlich eine bestimmte Energiemenge, und je länger man die erste Mahlzeit hinauszögert, desto größer
wird das Defizit – und das macht sich
als Heißhunger bemerkbar, der den Körper dazu zwingt, Essen aufzunehmen.
Frühstück ist wichtig.
profil: Was sollen Kinder zum Frühstück essen?
Leszkovich: Mal Müsli, mal Brot, und es darf zwischendurch auch mal ein Schokoladeaufstrich sein. Abwechslung ist wichtig, keine Gewohnheiten erzeugen – denn das wird auch fad.
profil: Wie soll man mit Fast Food umgehen?
Leszkovich: Es ist begrüßenswert, dass die Fast-Food-Anbieter inzwischen auch umdenken: bei McDonald’s zum Beispiel werden die Menüs auch mit Light-Getränken angeboten, die Pommes kann man gegen Salat oder Fruchttüten tauschen. Somit wird der Burger, der nicht besonders gesund ist, durch die Ballaststoffe des Salates ausgeglichen.
profil: Wenn Eltern sehr auf die Ernährung der Kinder achten: Besteht die Gefahr, dass man ein Kind in die Magersucht treibt?
Leszkovich: Es gibt kaum Fälle, in denen die Eltern die Auslöser für Magersucht sind. Das ist eher ein gesellschaftliches Problem.