Auf den Spuren der Lust

Die wichtigsten Pioniere der Orgasmus- und Sexualforschung.

1493 Leonardo da Vinci fertigt die berühmte - wenn auch physiologisch falsche - Darstellung "Der Geschlechtsverkehr" an. Er führt Studien an Leichen durch, untersucht Sexualorgane und zeichnet anatomische Skizzen. Unter anderem erkennt da Vinci, dass sich der Penis bei der Erektion mit Blut füllt.

1559 Der italienische Anatom Renaldus Columbus beschreibt die Klitoris als Zentrum der weiblichen Lust.

1905 Sigmund Freud veröffentlicht "Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie". Darin befasst er sich mit dem Sexualtrieb und dessen allmählichem "Reifeprozess". Freuds längst widerlegte Thesen über den angeblich "reiferen" "vaginalen Orgasmus" sind mit eine Ursache dafür, dass Generationen von Frauen unter unsinnigen Druck hinsichtlich ihrer Orgasmusfähigkeit gesetzt werden.

1908 Der deutsche Arzt Magnus Hirschfeld (li.), der wie die Berliner Mediziner Albert Moll (re.) und Iwan Bloch als Pionier der Sexualforschung gilt, publiziert die erste Zeitschrift für Sexualwissenschaft. In den Folgejahren gründet er das erste sexualwissenschaftliche Institut. Hirschfelds Konkurrent Moll gliedert "sexual response" erstmals in vier Phasen.

1927 Der Wiener Mediziner Wilhelm Reich publiziert "Die Entdeckung des Orgons I. Die Funktion des Orgasmus". Das Buch ist die erste Arbeit, die sich dem Thema Orgasmus mit biologischer Sichtweise nähert und gilt heute als Standardwerk. Auch Reich schlägt ein vierstufiges Modell des Orgasmus vor.

1944 Der deutsche Gynäkologe Ernst Gräfenberg postuliert, es gebe an der Vorderwand der Scheide eine Stelle, die auf erotische Reize derart heftig reagiere, dass eine Frau mit Sicherheit einen Orgasmus erfahre. Gräfenbergs Entdeckung, über die Wissenschafter noch heute debattieren, wird als "G-Punkt" bekannt.

1948 Der US-Biologe Alfred C. Kinsey veröffentlicht den Report "Sexual Behavior in the Human Male", 1953 folgt "Sexual Behavior of Human Female". Die Kinsey-Reports basieren auf mehr als 12.000 Interviews und widersprechen unter anderem Freuds These vom "unreifen " klitoralen und "reifen" vaginalen Orgasmus.

1966 William H. Masters und Virginia E. Johnson publizieren die Studie "Die sexuelle Reaktion", für die sie physiologische Abläufe während des Koitus untersucht haben. Anliegen der Autoren ist das "Aufzeigen physiologischer Grundlagen statt phallischer Irrtümer".

1979 Der amerikanische Anthropologe Donald Symons veröffentlicht das Buch "The Evolution of Human Sexuality" und stellt die Theorie auf, dass der weibliche Orgasmus bloß eine Art Laune der Evolution sei - und im Grunde ebenso überflüssig wie männliche Brustwarzen. Die streng biologische Sichtweise des Forschers löst heftige Debatten aus und stößt auf Kritik.