Austria est in orbe ultima

Der Wiener Fußballklub Austria Magna Wien nimmt deutlich Konturen an – peinliche.

Die Technik eines Mammonärs lernten alle Fußballfreunde kennen und ächten, die den Magnatiker Frank Stronach at his worst erlebt haben.

Der Mann, dem als stolzer Steirer offenbar verwehrt wurde, Gouverneur in Westkanada zu werden, kennt als innovativer Werkzeugmacher jede populistische Schraube von innen und jeden angeblich unaufsperrbaren Verschluss von außen.
Anfangs, zum noch ehrfürchtigen Erstaunen, und bis heute, zum elenden Entsetzen, hat der Fußball-Flüsterer seine sehr willentlichen Hände nicht nur im Spiel des österreichischen Fußballverbandes, dessen Bundesligachef er ist, sondern auch noch in den schon an und für sich äußerst sensiblen Weichteilen der Wiener Austria.
Etwas mehr als anderthalb Dutzend Trainer und Betreuer hat er schon weggeknurrt, als großzügigsten Sponsor aller Austria-Zeiten ist es ihm gelungen, ein gutes Drittel der Veilchen-Fans gegen sich aufzubringen, und nun, da diese von ihm saisonal geforderte Meisterschaft endgültig in Scherben zerborsten ist, geht er zielsicher daran, der Austria 2005/06 vorauseilend ihr Grab zu schaufeln.

Frank Stronachs Technik is a Luada; weil er, aufmerksamer, aber nur sporadischer Besucher innerösterreichischer Matches, unglaublichen Respekt vor dem „Rapid-Geist“ hat, ohne zu ahnen, dass dieser vor zwei Jahren beinah den seinen aufgegeben hatte; folglich möchte er einen Austria-Geist herbeizwingen, was schon angesichts des völlig verfehlt gewählten Horr-Stadions illusorisch ist (die alten Pläne, Austria und Vienna gemeinsam in einem restaurierten Stadion auf der Hohen Warte spielen zu lassen und zudem eine Nachwuchs-Fusionsgemeinschaft einzugehen, existieren in Österreich noch, aber eventuell nicht mehr in Toronto); weil er, was im Werkzeugbau an allen Orten der Erde wahrscheinlich möglich ist, sich an schnelle Erfolge gewöhnt hat, suchte er die auch in seinem Spielzeug Austria und tauschte die dafür erforderlichen Bausteine – Menschen – nach Missbelieben aus. Konnten seine Spielkameraden seinen Hoffnungen nicht entsprechen, so long, and have a good day.

Dass der kanadische Kasperlkönig auch noch die österreichische Fußballmeisterschaft mitgestalten kann, indem er verfügt, welche der von ihm unter Vertrag genommenen („gekauften“) Spieler bei welchem Verein zu spielen haben, sich gleichzeitig in inkompatibler Zweigleisigkeit befindet, ohne dass, von marginalen Mundwerken wie jenem des Rapid-Präsidenten Rudolf Edlinger abgesehen, eine substanzielle Suada über den Apfel- und Birnen-, sprich Bananenstaat der Beine losbricht, ist ein offenbar nur zum Achselzucken einladender Zustand, den fein zu beschreiben wohl nur Fritz von Herzmanovsky-Orlando („Der Maulschreck im losen Netz“) gekonnt hätte.

Austria hat mit dem torlosen, folglich verlustreichen Ergebnis in der italienischen Schinkenstadt Parma nicht bewiesen, dass sie in der Fremde gegen eine um Gegentore beinah bettelnde Mannschaft gewinnen kann, aber dass sie außerhalb des dreisten Drucks mancher Aficionados sich’s beim Spielen leichter tut – im „Geisterspiel“ gegen Pasching auf dem, nach einer Randale, von der Bundesliga für Zuschauer gesperrten Platz gewann die Truppe erstmals mit 4:0. Das Resultat beweist, dass die Spieler des teuersten Vereins Österreichs eine furiose Furcht vor denen haben, die sie beobachten, auch kontrollieren könnten: Austria hat Angst vor ihrem Anhang. Und vor Abhängigkeit, weswegen das dreschflügelartige Dreingreifen Herrn Stronachs zu schwankenden Pubertätserscheinungen eines erst keimenden Teams (surprises gegen spanische Klubs, Malheurs gegen Mattersburg & Co) zum zielsicheren Missgriff werden musste. Sein paranoider Killerinstinkt (entferne den Mann aus einer Gruppe, die an ihn mehr glaubt als an dich) verführte ihn dazu, den wahrscheinlich einzigen Menschen zu eliminieren, der im Intrigantenstadl der Austria keinen Stammplatz hatte: den Sportdirektor Günter Kronsteiner.

Zumindest bis Mitte der Woche, wenn „endgültige“ Entscheidungen fallen sollen, ist der Mann mit den lieb ganz ehrlich runden Augen, Toni Polster, Chef vom Dienst. Erst jetzt dürstet das „Urgestein“, als das der wieselglatte Exstürmer sich bezeichnen lässt, nach der Quelle Herbert Prohaska.

Das hat sich der wahrhaftig Violette nicht verdient, und er gewänne an Achtung, würde er, nach der fast gewonnenen Schlacht um den Akkusativ des Kommentators, Herrn Polster gegenüber zum Optativ greifen: „Ich würde sagen, du kannst mich am … Abend anrufen.“

Austria erzeugt Irrsinn ohne Unterlass – AEIOU.

*
Weil es im Internet stand, stand im vorwöchigen profan, George Gershwin wäre der Komponist des Songs „Tea for two“ gewesen. Wahr ist vielmehr, dass den Text Irving Ceasar schrieb und Vincent Youmans 1924 die Musik. Manchmal ist die Technik halt noch immer a … Entschuldigung.