<i><small>Autodrom: David Staretz</i></small>
Die Rückkehr des großen Kombi

Der Skoda Superb schafft eine klare Note in der Kakofonie der Raumtöner und Resonanzkörper.

Vans und SUVs haben uns den Blick auf die Schönheit einer schlanken Linie verstellt. Die meist dunklen, dem Amorphen verpflichteten Mobilkapseln sind Sinnbilder einer nach innen gerichteten Gesellschaft, könnte man sagen. So, wie wir in Goretex-Hose, Northface-Jacke, Zipp-Hoodie, Baseballmütze und All-Terrain-Schuhwerk dem Alltag trotzen, trotzen wir auch der möglichen Eleganz einer sorgfältigen Kleidung. Im Vor­ziehen von Schutz, Nutzen und Waschbarkeit gegenüber den Nachteilen der eleganten Form steckt ein pragmatischer Verzicht auf das Ausleben des Gegenwärtigen, auf das Feiern des Moments.

Gut, das mag jetzt etwas verstiegen klingen, aber was ich sagen möchte: SUVs und Vans sind einem häuslichen Egoismus verpflichtet. Sie wirken durch innere Geräumigkeit und äußere Abweisung, entsprechen dem bügelfreien, nach Sicherheit und Vernunft gerichteten Lebensstil der um sich selbst und den überschätzten Nachwuchs besorgten Familie, deren Kinder dazu angehalten werden, bloß nicht den metallenen Joghurt­deckel innen abzuschlecken wegen Krebsgefährdung. Wenn die Familie die Keimzelle der Gesellschaft ist, dann ist der Van ihr Zellgehäuse.

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Skoda gefällt seit Jahren durch einen unaufdringlichen Markenauftritt. Nicht einmal die Schlichtheit der Form ist übertrieben. Man fand nach dem durch Volkswagen eingeleiteten Turn­around sehr schnell zu einer Grundeleganz, der man vor dem Hintergrund technischer Brillanz und hoher Qualität ihre Glaubwürdigkeit ansieht. Seit 1991 besteht Skoda eigentlich nur aus Erfolgsmodellen; mit dem eigenwilligen Roomster gelang ihnen ein edelbitterer Beitrag zum Thema Minivan, der mit ­gekonnt gebrochenem Stil überzeugt.

Die große Limousine Superb, der man im ersten Anlauf vorwerfen konnte, sich nicht ausreichend von der Limousine Octavia abzuheben, gewann nach dem Modellwechsel deutlich an Raum und Klasse dazu. Verblüffend weit ist der Fußraum vor der Rücksitzbank, einzelne Passagiere beginnen unter Vereinsamung zu leiden und versuchen, durch Zurufe Gespräche mit dem ­Taxichauffeur zu führen.

Kombis, also Kombinationskraftfahrzeuge, waren jahrzehntelang schlecht angeschrieben als Tapezierer- und Anstreicherfahrzeuge mit schwerfälliger Heckgestaltung. Jetzt, wo uns massive SUVs die Sicht auf Fassaden verstellen, lernen wir die zarte (und mit den Jahren allgemein sportlich verfeinerte) Linie der Kombis zu schätzen. Ulster statt Neopren. Der Superb zieht als Kombi eine besonders gestreckte Linie. Obwohl er auch nicht länger ist als die vier Meter achtzig der ­Limousine, wirkt er, betont durch die Dachreling, perspektivisch bis an den Horizont.

Dem Grundpreis von 28.170 Euro in der gehobenen Ambi­tion-Ausstattung (mit modernem 125-PS-Benzinmotor) sollte man noch 440 Euro zurechnen für die elektrische Heckklappen-Fernbedienung. Klingt affig, ist aber ein erstaunlich brauchbares Feature in der Praxis. Erprobter Ernstfall: Man schließt den Wagen bei noch offener Klappe ab, räumt alle Taschen, Luftmatratzen, Klappstühle und Katzenkörbe raus. Irgendwer hat dann noch ­einen Finger frei, um auf den Knopf in der Klappe zu drücken, die sich dann majestätisch absenkt und verriegelt, während man schon in Richtung Strand eilt. Äh, wer hat jetzt den Schlüssel?

Empfehlenswert ist auch der 350-Euro-Parksensor hinten. Auf vermiedene Parkschäden hochgerechnet, hat man das bald herinnen. Auf die 235 Euro für abgedunkelte Heckscheiben kann man verzichten, aber der variable und nach hinten ausschiebbare Ladeboden sollte einem 205 Euro wert sein. Allein der kartenhausartige Hochkanteffekt ist eine geniale Lösung, um ein ganzes Regiment von Einkaufstaschen sturzsicher anzulehnen. Sehr praktisch und durchdacht sind auch die verstellbaren Raumteiler und Verzurrösen, mittels derer sich jegliches Gepäck fixieren lässt. Selbst ein vierarmiger Kerzenständer findet seine gepflegte Aufnahme.

Der Komfort des Superb ist nicht von der übertriebenen Sorte, sondern richtet sich gezielt nach gesenkter Akustik, komfortablem, aber nicht zu weich abgestimmtem Fahrwerk, wirkungsvoller Klimatisierung, sauberer Verarbeitung und lebt natürlich von dem grandiosen bis verschwenderischen Raumgefühl. Per Ladenorm lassen sich auf der Passat-Plattform sogar noch einige Kubikzentimeter mehr nützen als in einem Mercedes-E-­Klasse-Kombi. Das Sechsgang-Schaltgetriebe geht leicht und spielerisch von der Hand, die schlichte, aber ausreichende Motorkraft des 1400ers lässt sich gut einsetzen (theoretisch bis zu Tempo 200) und kommt dennoch mit acht bis neun Liter Superbenzin aus. Man kann sich tatsächlich zur Aussage versteigen, dass ein stärkerer Motor (160 PS, 260 PS mit 4x4-Antrieb oder 170 Diesel-PS sind im Programm) nicht notwendig ist – jedenfalls solange man keinen anderen probiert hat. Denn der Stärkere ist immer des Guten Feind.