<i><small>Autodrom: David Staretz</i></small>
Endlich wieder Mercedes fahren

Denn der kleinste gemeinsame Nenner ist gefunden.

Wie der VW Polo inzwischen in die Abmessungen des einstigen Golf II geschlüpft ist, so hat sich auch die ­C-Klasse, Nachfolger des ehemaligen Baby-Benz, in eine markengerechte Dimension etabliert – und ist so etwas wie die ­E-Klasse der Geläuterten geworden, wobei Maßhalten die neue Vernunft ist. Zumal es jetzt eine abgeschwächte Motorversion gibt, die eigenartigerweise bislang nur in Holland zu haben war und erst seit Juni in Österreich angeboten wird.

Sie ist hierzulande hauptsächlich für Flottenautos ­gedacht, für Firmenfuhrparks, wo wirklich gerechnet wird. Etwa in Leasingraten: Die betragen 189 Euro pro Monat bei einer Mietvorauszahlung von 8340 Euro. Laufzeit 36 Monate. Restwert garantiert. Und ich glaube immer noch an Loriots Schilderung, wie er 1959 mit dem Fahrrad zum Mercedes-Händler fuhr, auf eine silbergraue 220-S-Limousine in der Auslage zeigte und den blasierten Verkäufer mit sofortiger Barzahlung bestrafte.

Das ließe sich im Falle des 180 CDI nötigenfalls wiederholen, schließlich wird er in der Grundausführung um 29.900 Euro angeboten, jedenfalls bis zum Ende des Jahres.

Es handelt sich um den Dieselmotor 180 CDI Blue Effi­ciency, also einen abgeräumten Vierzylinder mit 2,1 Liter Hubraum, den man bislang aus dem seit einem Jahr erhältlichen C 220 CDI kannte, wo er 170 PS leistet. In einem Gesamtpaket der kleinen Einsparungen (bei Aerodynamik, Wirkungsgrad, Gewicht, Rollwiderstand etc.) gelang es trotz zügiger Autobahn­etappen, den Verbrauch an die 6-Liter-Marke zu drücken. 6,1 l/100 km wiesen jedenfalls meine Aufzeichnungen auf, nachdem ich die rund 2000 Kilometer Wien–Utrecht–Wien in zwei aufeinanderfolgenden Nächten durchmessen hatte. So kontemplativ dahinschnürend kann ein Auto zum guten Freund werden, verlässlich und mit großzügigen Fahretappen von bald achthundert Kilometern. Mein Testwagen hatte als Option nämlich einen 66-Liter-Tank eingebaut, sieben Liter mehr als normal. Weiters: Avantgarde-Ausstattung um rund 2100 Euro, Navigation um rund 1000 Euro, ein Notlaufrad anstelle der Reifendicht-Dose um rund 80 Euro und ein paar Extras mehr, sodass der Gesamtpreis nach Steuern auf fast ­exakt 40.000 Euro stieg. Allerdings sind Feinheiten wie 6-Gang-Schaltgetriebe, sieben Airbags, Klimaanlage, Fahrlichtassistent, elektronisch kontrolliertes Fahrwerk und Lenkung, elektrische Fahrersitzverstellung (Höhe und Lehne), ASR und ESP, Isofix-Kindersitzbefestigung, Regensensor oder Nebelscheinwerfer schon dabei. Weiters mitgeliefert: Leichtmetallräder im 7-Speichen-Design, Adaptive Brake mit Berg-Anfahrhilfe (rollt nicht zurück), adaptives Bremslicht (blinkend bei Vollbremsung) sowie ein Brems-Assistent-System (zupackend bei typischer Sonntagsfahrer-Reaktion: schnell vom Gaspedal, aber zögerlich auf dem Bremspedal).

Wenn man einmal mit dem Aufzählen begonnen hat, ist kein Ende mehr.
Der C 180 ist also der kleinste und erschwinglichste Mercedes, der aussieht wie ein Mercedes, mit Motorhaube und Kofferraum, mit großem Lenkrad und häuslichem Innenraum, er ist die verkörperte Tugend des Hauses, wenn es um Werte wie Stabilität und Werterhaltung geht, um eine gewisse Zeitlosigkeit und Reduktion, wenn schon nicht auf das Wesent­liche, so doch auf sinnhafte Essenzen moderner Komfort- und Überlebenstechnik.

Er wirkt nicht so hilflos trendbestimmt wie A- oder ­B-Klasse mit ihren amorphen Formen, sondern zeigt erwachsene Formen und Proportionen.
Selbst die heutzutage fast schwächelnd anmutenden 120 PS sind hier ein Zeichen der Stärke, weil man imstande war, die ewige Spirale des Größer, Stärker, Schwerer, Teurer umzudrehen oder wenigstens anzuhalten.

Plötzlich fühlt man sich äußerst wohl in einer Limousine, die länger als zehn Sekunden von null auf hundert benötigt, was eigentlich ein Fall für betretenes Schweigen im ­Party-Smalltalk wäre. (Immerhin kann man Tempo 215 nachreichen, aber das schafft nun wirklich jeder bessere Renault Clio.) Neue Statuszahlen sollten lauten: „130–148 g/km!“ Aber das lässt sich halt so schwer anbringen im ­saloppen Plauderton. Und dass jemand erzählt, er habe nicht mehr als sechs Liter auf hundert Kilometer benötigt, diese Leier kennen wir schon seit den sechziger Jahren.

Stattdessen aber fragte ich Herrn Johannes Reifenrath, den ehemaligen Mercedes-Sprecher, im Smalltalk beim Fliegenfischen (wir sahen beide nur zu), wieso denn das Blau so eine coole Farbe sei. „Das habe ich so erfunden, weil es zu meinen neuen internen Aufgaben gehört, mir so etwas auszudenken. Wir fassen alle unsere technologischen Umweltbestrebungen unter diesem Begriff zusammen.“

Blau, das hatten wir doch schon einmal – waren das nicht einst Waschmittel, die sich des Blaus als Farbe der Sauberkeit bemächtigten? Heute jedenfalls hat die Autoindustrie die ­neuen Chromosomen vorgelegt: Volkswagen nennt es Blue­Motion, Mercedes hat die Lizenz für BlueTec, und BMW ­hatte für seine CleanEnergy-Programme (mit Wasserstoff­antrieb) schon lange Farbvariationen in Blau eingesetzt. Vielleicht sollten sich die Grünen auch langsam eine neue Leitfarbe überlegen.