<i><small>Autodrom: David Staretz</i></small>
Jänner, Februar, Genf, April

Das Autojahr beginnt auf teuren Teppichböden in der Schweiz.

Der Genfer Automobilsalon zählt seit Jahrzehnten zum jährlichen Auftakt des Automobiljahres – voll respektabler Tradition, aber immer dem Neuesten verpflichtet. Wer (als Herstellervertreter, Journalist, Händler, interessierter Besucher) nicht in Genf war, hat das Jahr versäumt, auch wenn sich bereits nahezu jede Neuerscheinung längst herbeiklicken und downloaden ließ. Das Internet hat der Welt vieles von der Gleichzeitigkeit genommen – Gleichzeitigkeit, wie sie Nachrichten zur vollen Stunde oder die fixen Auslieferungstermine von Zeitungen und Zeitschriften herstellen. Solches Vorrücken der öffentlichen Uhr löst sich zusehends in ein allgemeines Gehechel auf, man spürt nicht mehr, was wann zuerst geschah, was zu einem ständigen Gefühl des Etwas-versäumt-Habens führt. Damit kann man leben. Dennoch ist es angenehm, gültige Fixpunkte in der Erscheinungsrealität zu haben, auch wenn wir das Gefühl nicht loswerden, den Dacia Duster längst abgestaubt, den Honda CR-Z schon irgendwo gesehen, den Nissan Juke noch immer nicht verstanden zu haben und im Audi A1 schon gesessen zu sein.

Zu den erstaunlichsten Neuvorstellungen des Jahres zählt wohl der Porsche 911 GT3 R Hybrid. Was zuerst wie die übliche Boring-Correctness angewandter Hilflosigkeit klingt (ein schwerer, teurer Akku speichert ein wenig Strom, der den zusätzlich eingebauten Elektromotor antreibt, damit der beim Einparken und Beschleunigen hilft), wurde hier auf dramatische Weise anders gelöst. Dazu verpflichten schon die Vorgaben: Der Porsche GT3 R Hybrid ist ein kompromisslos zugefeiltes Renngerät, das dem internationalen Reglement für FIA-GT3-Rennwagen entspricht. Zusätzlich zu den 480 PS des massiven Sechszylindermotors stehen noch zwei Elektromotoren zur Verfügung. Diese bringen ihre Leistung von zusammen 163 PS an die Vorderräder. Allerdings werden sie nicht von Akkumulatoren gespeichert, sondern aus einem Schwungrad, wie man das schon bei der Watt’schen Dampfmaschine sah. Ein etwa fußballgroßes Gehäuse, in dessen Vakuum das Flywheel mit 40.000 Touren rotiert, befindet sich unterhalb des Beifahrersitzes. Das Schwungrad wird durch Bremsenergie in Bewegung gesetzt. Wird es elektromagnetisch abgebremst, setzt das zugleich die E-Motoren in Gang. Allerdings nur für sechs bis acht Sekunden – genügend Zeit, um einen Überholvorgang einzuleiten. Es handelt sich also um eine Art eingebauten Windschatten. Entscheidend genug im Rennsport.
O.k., die Welt wird so nicht gerettet. Aber es ist erfrischend, angewandte, halbwegs noch nachvollziehbare Physik um Sporterfolge kämpfen zu sehen. Der erste Einsatz des GT3 R Hybrid wird bei den 24 Stunden vom Nürburgring am 15./16. Mai sein.