Banken: Tschüss München, ciao Milano

Um die neue Struktur der Bank Austria herrscht heftiges Tauziehen. Fest steht jedoch: Die HypoVereinsbank wird die Bank Austria an die Konzernmutter UniCredit verkaufen.

Die Analyse des Chefs über die Leistung seiner hoch bezahlten Mitarbeiter fiel deftig aus: „Albtraum“, „Blamage“ und „Debakel“ waren nur einige der Worte, die Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandschef des FC Bayern München, für den Auftritt seines Vereins fand. Und tatsächlich darf getrost als Demütigung bezeichnet werden, was den Bayern Mittwoch vergangener Woche in Mailand widerfahren ist. Mit 4:1 wurden die Münchner vom AC Mailand abgefertigt und aus der Champions League gekickt.

Was der mit dem FC Bayern lokal und freundschaftlich verbundenen HypoVereinsbank (HVB) – das Web-Portal der Bank bietet eine Tauschbörse für Sammelbildchen der Münchner Fußballer – schon demnächst aus Mailand dräut, rechtfertigt zwar nicht notwendigerweise die Bezeichnung Demütigung. Zur Mehrung von Ansehen und Ehre des bayerischen Kreditinstituts werden jene organisatorischen und gesellschaftsrechtlichen Umgruppierungen aber jedenfalls nicht beitragen, die Alessandro Profumo, Chef der Mailänder Großbank UniCredit, veranlasst hat und die spätestens im Sommer umgesetzt werden sollen.

Im Jahr 2000 hat die HVB die österreichische Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) übernommen und war damit zum zweitgrößten Geldinstitut Deutschlands und zur Nummer sieben weltweit aufgestiegen. Die expandierenden und zunehmend lukrativen Osteuropa-Aktivitäten der beiden Banken wurden zusammengelegt und fortan aus Wien geführt. Viereinhalb Jahre später begaben sich die Bayern, gebeutelt von hohen Verlusten bei Immobilienfinanzierungen und lahmendem Geschäftsgang auf dem Heimmarkt Deutschland, in die Arme von UniCredit. Ein Zusammenschluss, der für die Italiener vor allem den Reiz hatte, sich die beachtliche Marktposition von HVB beziehungsweise BA-CA auf dem rapide wachsenden osteuropäischen Markt einzuverleiben.

Bewertung. UniCredit-Chef Profumo, der großen Wert auf klare organisatorische Gliederungen, direkte Verantwortlichkeiten und eindeutige Ergebniszuordnungen legt, geht nun daran, den entstandenen Bankenkonzern nach seinen Leitlinien zu strukturieren. Seit Wochen arbeiten sich daher von UniCredit beauftragte Wirtschaftsprüfer durch die Bücher der BA-CA, um den österreichischen Bankkonzern samt dessen osteuropäischen Tochterinstituten nochmals im Detail zu bewerten. Gleiches tut auch eine aus Deutschland von der HVB entsandte Abordnung an Wirtschaftsprüfern.

Hintergrund der hektischen Aktivitäten: Schon in den nächsten Monaten – als Termin angepeilt ist derzeit der Sommer – soll die HVB ihres österreichischen Tochterkonzerns BA-CA entkleidet und auf eine rein deutsche Bank zurechtgestutzt werden. Die Bank Austria Creditanstalt – über deren eigene künftige Organisationsstruktur werden derzeit intensive Verhandlungen mit Betriebsrat und der Privatstiftung zur Verwaltung von Anteilsrechten (AVZ) geführt, welche größere Veränderungen theoretisch blockieren können – soll dann eine direkte UniCredit-Tochtergesellschaft werden. Die HVB wäre damit ihres größten Ertragsbringers beraubt (in den ersten neun Monaten des abgelaufenen Jahres erwirtschaftete die BA-CA ein Ergebnis vor Steuern von 1,11 Milliarden Euro, die HVB inklusive BA-CA bloß 1,57 Milliarden). Eine derartige konzerninterne Umgruppierung war zwar im Rahmen der HVB-Übernahme durch UniCredit als Möglichkeit und Fernziel angekündigt worden (siehe Faksimile), ob und wann diese Transaktion tatsächlich stattfinden wird, war bis vor Kurzem allerdings noch offen.

Sobald die HypoVereinsbank nicht nur in den internen Ergebnisaufschlüsselungen, sondern auch in ihren veröffentlichten Bilanzen „nackt“ dasteht, wird dies, kalkuliert UniCredit-Chef Profumo, den Druck auf Kosteneinsparungen sowie Ertragssteigerung verstärken und die Umsetzung diesbezüglich beabsichtigter Maßnahmen erleichtern. Das einst stolze Institut wird solcherart freilich auf eine Bank von bloß noch regional deutscher Bedeutung reduziert. Der Erwerb der zurzeit noch von der HVB gehaltenen BA-CA-Aktienmehrheit durch die Mailänder Konzernmutter erfordert freilich umfangreiche Bewertungen, die nun von den Wirtschaftsprüfern vorgenommen werden. UniCredit hält nur 93,9 Prozent der HVB-Anteile, und es gilt daher im Interesse der Streubesitzaktionäre sicherzustellen, dass die HVB einen angemessenen Ausgleich für den Abschied von ihrer wichtigsten Tochtergesellschaft erhält.

Strukturfragen. Schon am 15. März, dem Mittwoch dieser Woche, und somit noch vor der Übertragung der BA-CA-Aktien an die Mailänder Konzernmutter soll die künftige Organisationsstruktur der Bank Austria Creditanstalt feststehen und verlautbart werden. Die italienische Bankengruppe ist klar in einzelne Geschäftsbereiche gegliedert, deren – erfreuliche oder auch mangelnde – Profitabilität nicht durch Erträge aus ganz anderen Aktivitäten verschleiert beziehungsweise alimentiert werden soll. Diese im UniCredit-Konzern geltenden Leitlinien sollen – ähnlich wie in Bezug auf die HVB – nun auch bei der BA-CA implementiert werden.

Demgemäß drängt Profumo darauf, die Geschäftsfelder Vermögensverwaltung und Investment Banking, die künftig direkt aus Mailand gestioniert werden sollen, aus dem BA-CA-Konzern herauszulösen sowie vor allem das österreichische Kunden- und Filialgeschäft der BA-CA in eine eigene Gesellschaft auszulagern. Vor allem letzterem Vorhaben stehen sowohl BA-CA-Betriebsratsvorsitzende Hedwig Fuhrmann als auch die der Gemeinde Wien nahe stehende AVZ durchaus skeptisch gegenüber. Und sowohl Betriebsrat als auch Stiftung befinden sich dabei in einer durchaus starken Verhandlungsposition. Ein rechtliches Konstrukt namens „Bank-der-Regionen-Vertrag“ legt fest, dass die BA-CA als Universalbank mit sämtlichen dazugehörigen Aktivitäten bestehen bleibt und überdies innerhalb des HVB-Konzerns die Verantwortung für die meisten osteuropäischen Aktivitäten trägt. Überdies verfügen sowohl Stiftung als auch Betriebsratsfonds über BA-CA-Namensaktien, welche die Möglichkeit einräumen, Hauptversammlungsbeschlüsse zu verhindern. Und ohne Genehmigung durch die Hauptversammlung sind derart tief greifende Veränderungen, wie sie UniCredit-Chef Alessandro Profumo plant, nicht möglich.

Arbeitnehmervertreterin Fuhrmann ist naturgemäß nicht begeistert von der Aussicht, dass eine Ausgliederung den Rationalisierungsdruck im zwar durchaus profitablen Österreich-Geschäft, das aber in Bezug auf die Gewinnspannen mit den Osteuropa-Aktivitäten trotzdem nicht mithalten kann, mutmaßlich weiter verschärfen würde.

Die AVZ wiederum will verhindern, dass die BA-CA, für deren alte Verbindlichkeiten sowohl die Stiftung als auch die ihr nahe stehende Gemeinde Wien noch über viele Jahre haften, durch Abspaltungen an Ertragskraft verliert. Zudem sind die führenden Köpfe des AVZ-Vorstands – namentlich die ehemaligen BA-CA-Vorstände Gerhard Randa, Karl Samstag, Friedrich Kadrnoska und Franz Zwickl – nicht nur gewiefte Banker, die durchaus gewohnt sind, harte Verhandlungen zu führen, sondern es waren ausgerechnet diese Herren, welche den Bank-der-Regionen-Vertrag sowie die Namensaktien-Klausel ursprünglich konzipiert haben. Vor allem Franz Zwickl, der zu seiner Zeit als BA-CA-Vorstand zahlreiche gefinkelte gesellschaftsrechtliche Konstruktionen ausgetüftelt hat, scheint die Verhandlungen mit den Italienern nachgerade zu genießen und dabei erheblichen sportlichen Ehrgeiz zu entwickeln.

Dass die Verhandlungen daher bis kurz vor der geplanten Verlautbarung am Mittwoch andauern werden, gilt als gesichert. Am wahrscheinlichsten erscheint derzeit ein Kompromiss: Die Ausgliederung des Österreich-Geschäfts wird zwar beschlossen, aber erst in fünf bis sieben Jahren umgesetzt. Im Investment Banking einschließlich des für die BA-CA überaus profitablen Treasury wird eine enge Kooperation und Abstimmung mit der Konzernzentrale in Mailand angepeilt. Die Zuständigkeit für Osteuropa wird in Wien bleiben, um weitere Länder wie das Baltikum, Russland und die Türkei erweitert, womit auch ein Ausgleich geschaffen wäre, sollte die Verantwortung für Polen an Mailand abgetreten werden müssen (siehe Kasten). Als am wenigsten kontroversiell gilt die Ausgliederung des Vermögensverwaltungsgeschäfts, das vermutlich sehr bald an UniCredit verkauft werden wird.

Und den Fußballfans bei der HypoVereinsbank wird nach dem Verkauf der BA-CA zumindest eine wohltuende Erinnerung an Wien bleiben: Dem der Bank Austria nahe stehenden SK Rapid hat der FC Bayern in der laufenden Champions-League-Saison gezeigt, wer die Lederhosen anhat: In zwei Spielen wurde Rapid mit einem Gesamttorverhältnis von 6:1 abgefertigt.

Von Stefan Janny