Bankenschlussverkauf: Die Hypo Alpe-Adria hat sich eine eigene Bad Bank verpasst

Bankenschlussverkauf: Die Hypo Alpe-Adria hat sich eine eigene Bad Bank verpasst

Die notleidende Hypo Alpe-Adria hat sich eine eigene Bad Bank verpasst – einen Ramschladen, in dem gepfändete Autos, Immobilien und Yachten im Wert von mehr als zehn Milliarden Euro verkauft werden sollen.

Privatstrand, 18-Loch-Golfplatz, 3000 Quadratmeter Spa-Landschaft – das Adriatic Kempinski bietet alles, was man von einem 5-Sterne-Resort erwarten kann. „Obwohl sich die Welt in einer Krise befindet, zeigt dies, dass sich eine Investition in Kroatien durchaus lohnt“, erklärte der damalige kroatische Präsident Stipe Mesic am 28. August 2009 bei der feierlichen Eröffnung des Luxusresorts den Festgästen.
Wäre es doch bloß so.

Faule Kredite
Die Tourismusanlage Skiper in Savudrija im Nordwesten Istriens, wo neben dem Kempinski ab 2002 eine ganze Apartment­anlage aus dem Boden gestampft wurde, gehört zu den schlimmsten Fehlinvestitionen der Kärntner Hypo Alpe-Adria. Nach exorbitanten Baukostenüberschreitungen – statt der veranschlagten 100 Millionen Euro verschlang die Unternehmung 230 Millionen Euro – übernahm die Bank das Projekt zur Gänze vom Mehrheitseigentümer. Dieser konnte die Kreditlinien nicht mehr bedienen.
Der waghalsige Wachstumskurs der Hypo Alpe-Adria in Südosteuropa ist eines der größten Probleme der notverstaatlichten Bank. In den 2000er-Jahren wurden unzureichend bis gar nicht besicherte Kredite in Milliardenhöhe vergeben, die nicht mehr zurückbezahlt werden können. Insgesamt sitzt die Hypo Alpe-Adria auf einem Portfolio von 12,1 Milliarden Euro an faulen Krediten. Das heutige Geschäftsmodell in Osteuropa hat nur noch entfernt mit dem eigentlichen Bankgeschäft zu tun. Etliche Bankmitarbeiter in Kroatien, Slowenien, Bulgarien und den anderen früheren Wachstumsmärkten machen mittlerweile nichts anderes, als Sicherheiten zu pfänden – und die einkassierten Autos, Yachten und Immobilien zu verschachern. Die, an der Bilanzsumme gemessen, zweitgrößte Konzerndivision der Hypo Alpe-Adria ist nichts anderes als ein Ramschladen.

Die Bank besteht nach einer internen Reorganisation nun aus vier Säulen: dem normalen Bankgeschäft in den Märkten Südosteuropa, Italien und Österreich sowie einer Art Bad Bank in der Bank namens Heta Asset Resolution. Heta ist der griechische Buchstabe H – H wie Hypo. Während das Business in Österreich und Italien auf ein Minimum reduziert wurde, kommt die Division Südosteuropa mit Niederlassungen in Bosnien, Kroatien, Montenegro, Serbien und Slowenien noch auf eine Bilanzsumme von zwölf Milliarden Euro. Die Heta Asset Resolution wiegt mit 12,1 Milliarden Euro sogar noch ein wenig schwerer. Tendenz: fallend. Im Jahr 2012 hat Heta nach Auskunft der Hypo Alpe-Adria 1000 Autos, 583 Lastkraftwagen und 50 Boote verscherbelt, die als Sicherheiten für Leasingkredite gedient hatten. Mit der kroatischen Verpackungsgruppe Aluflex ist die letzte große Industriebeteiligung der Hypo Alpe-Adria kürzlich an den Wiener Investor Michael Tojner verkauft worden. Insgesamt hat die Abverkaufsgesellschaft laut einem Hypo-internen Papier so im laufenden Geschäftsjahr eine Milliarde Euro erlöst – aber auch schon wieder weitere Assets mit einem Buchwert von 200 Millionen Euro sichergestellt. Vor allem Liegenschaften sind Ladenhüter. 54 verkauften Immobilien stehen im Jahr 2012 nicht weniger als 784 neu gepfändete gegenüber. Das Portfolio von Heta ist ein Spiegelbild der entfesselten Osteuropa­pläne aus den Expansionsjahren. Was einst als Fantasie galt, wurde dann zum Albtraum: Zwei Drittel des Ramschbestands stammen aus den südosteuropäischen Märkten, notleidende Kredite aus Österreich machen in den Büchern gerade einmal 15 Prozent aus. Originell – für eine ehedem kleine Kärntner Landeshypothekenbank.

Aber was wird nun aus der Hypo Alpe-Adria?

Zahl der Kreditausfälle bleibt gleich
Der 2010 eingesetzte Bankchef Gottwald Kranebitter hatte sich ursprünglich für die Errichtung einer Bad Bank eingesetzt. Die Vorteile liegen auf der Hand: Befreit man die operativ gesunden Teile der Bank von ihren Kreditrisiken, so kann man sie irgendwann wirklich privatisieren – und die Einnahmen aus dem Verkauf an die Republik zurückzahlen. Lässt man die notleidenden Kredite direkt in der Bank, ist sie unverkäuflich. Und umgekehrt: Die Zahl der Kreditausfälle bleibt sowieso gleich – egal, ob diese in einer Bad Bank oder Good Bank geparkt werden. Warum also das Gute mit dem Schlechten belasten? Im Juli 2012 erteilte Finanzministerin Maria Fekter den Plänen eine Abfuhr – mit Verweis auf die Staatsschuldenquote. Garantien der Republik für eine Bad Bank hätten direkt auf die Verschuldung der Republik durchgeschlagen. „Nur damit die Organe dieser Banken aus dem Schneider sind, darf und will ich nicht den Steuerzahler belasten. Das habe ich den Herren so auch mitgeteilt“, sagte Maria Fekter forsch im „Kurier“.

Organisatorisch hätte das Hypo-Management alles für einen Sinneswandel im Ministerium vorbereitet. Und so viel ist bereits sicher: Die drei Teilbereiche Italien, Österreich und Südosteuropa werden in den kommenden Jahren – auch auf Druck der Europäischen Union – privatisiert werden. Heta hingegen wird bleiben. Behält das Liquidationsvehikel das bisherige Tempo bei und erlöst jedes Jahr eine Milliarde Euro, dann ist das Portfolio in rund acht Jahren bis auf den unverkäuflichen Rest abgebaut. Erst dann weiß der Steuerzahler, was die Rettung der Bank – abgesehen von den Kapitalspritzen durch die Republik – gekostet hat.

Eine erste Größenordnung gibt es bereits: Innerhalb der Hypo Alpe-Adria wurden für Heta 2,5 Milliarden Euro rückgestellt.

Betriebsanlagen
gepfändet 2012: 248
verkauft 2012: 265

LKW
gepfändet 2012: 489
verkauft 2012: 583

Immobilien
gepfändet 2012: 748
verkauft 2012: 54

PKW
gepfändet 2012: 845
verkauft 2012: 1000