Problem-Blockbuster „The Dark Knight Rises”

Feuer, Lärm und Rost: Regisseur Christopher Nolan bringt seine Batman-Trilogie stilwidrig zu Ende. Stefan Grissemann über den Problem-Blockbuster „The Dark Knight Rises”.

Wenn der Dunkle Ritter sich erhebt, stehen Konfrontationen ins Haus. Leider geschieht dies in den fast drei Stunden, die "The Dark Knight Rises“ für sich in Anspruch nimmt, gerade zweimal. Denn der Mann, den sie den Batman nennen, weil er zuweilen ein Fledermauskostüm aus schwarzem Kunststoff trägt und sich mit diabolischen Gewalttätern anlegt, hat sich in eine Art Howard Hughes verwandelt: Depressiv und physisch schwer angeschlagen, vegetiert der verwaiste Milliardär Bruce Wayne (Christian Bale) in seinem luxuriösen Anwesen einsam vor sich hin, nur den sentimentalen Diener Alfred (Michael Caine) duldet er neben sich. In den 73 Jahren seit seinem ersten Erscheinen in einem US-Comic-Magazin hat The Batman an Strahlkraft nicht unbedingt gewonnen. Man merkt, es geht dem Ende zu.

Leider nicht schnell genug. Daher gelten weite Teile dieses Films einem schwergewichtigen Killer namens Bane, der sich "das nötige Übel“ nennt, mit einer schwarzen Maske, die man ihm vor Mund und Nase geschraubt hat, durch die Gegend stapft und mit seiner antikapitalistischen Terroristenbande die fiktive Metropole Gotham City zu vernichten ankündigt: ein Darth Vader für die Generation Occupy, ein eitles Muskelpaket mit Zwang zum Shakespeare’schen Großmonolog. Es gibt Geiselnahmen, Amokläufe und Sprengstoffanschläge, die eine ganze Stadt in den Abgrund zu reißen drohen. Déjà vu.

Irgendetwas muss schon in der Vorbereitung schiefgegangen sein an diesem seltsam uninspirierten Werk, das nach "Batman Begins“ (2005) und "The Dark Knight“ (2008) den Abschluss der Batman-Trilogie des britischen Regisseurs Christopher Nolan darstellt. Insbesondere die gute Form, die der zweite Teil der Serie (mit dem wenig später verstorbenen Heath Ledger als Joker) noch hatte, wirft nun ernstlich die Frage auf, ob hier noch derselbe Filmemacher am Werk war wie in den ersten beiden Folgen der Serie. Aber Nolan hat im Vorfeld alles wie immer gemacht: Er verfasste das Drehbuch erneut gemeinsam mit seinem Bruder Jonathan, er koproduzierte selbst und bat auch seinen alten Freund und Partner Wally Pfister wieder an die Kamera.

Aber der anspielungsreiche IMAX-Sommerkinozeitvertreib, den er wohl ins Auge fasste, will sich nicht einstellen. "The Dark Knight Rises“ verblüfft vielmehr als dialogintensive, wenig fesselnde Erzählung, die auch in ihren paar Beschleunigungsmomenten keine Spur von Humor, Eleganz oder Artistik aufweist. Sogar die zentrale Gegenüberstellung der Antagonisten läuft auf nichts weiter als ein plump inszeniertes Faustwatschenduell hinaus. Die Fadesse regiert in diesem Post-Superheldendrama mit einer Unumschränktheit, die selbst im behäbigen Comics-Blockbuster-Business der Gegenwart ihresgleichen sucht. Und das neue musiktheatralische Pathos, das sich dabei extrabreit macht, empfiehlt den Regisseur eher für eine Opernproduktion auf der Sommerseebühne als für Hollywoods Oberliga.

Es wäre untertrieben, "The Dark Knight Rises“ überorchestriert zu nennen: Hans Zimmers dauerdramatischer Musikspülung ist das geradezu verzweifelte Bemühen anzuhören, jene Spannung, die sich in Nolans konventionellen Schnittfolgen partout nicht findet, wenigstens als trommelnd-lärmendes Klang-Placebo nachzustellen. Auch politisch ergibt der Film keinen Sinn: Die tausend Anspielungen auf Finanzkrise, Wall-Street-Wirrnisse und globalen Terrorismus sind bloß künstliche Ideologiedurchlauferhitzer. "The Dark Knight Rises“ wirkt nicht wie ein Film des Jahres 2012, eher wie einer aus 1987 - und dabei leider mehr retro als chic: Rückblende in eine Welt jenseits der Donnerkuppel, wo Muskelschmalz noch vor Montagekunst kam und Kriegsheroen wie Rocky, Conan und Mad Max zum schwermetallischen Stelldichein baten. So schleppt sich auch Nolans formloser dritter Batman-Film von einer Standardsituation zur nächsten, stapft durch unterirdische Gefängniswelten und Rosthöhlen, bis in ein trostloses Finale, das wenig überraschend mit Enthüllungslogik, Kugelhagel und Nuklearbomben-Countdown arbeitet. In "The Dark Knight Rises“ sind nicht nur die Fledermäuse grau.