Biotechnologie: Gentechnik frei ! Der Streit um genmanipulierte Pflanzen eskaliert

Eine für diese Woche erwartete Entscheidung der Welthandelsorganisation WTO könnte die von der EU und Österreich aufgebauten Gentechnikverbote zum Einsturz bringen. Viele davon zu Recht, weil sie wissenschaftlich nicht haltbar und darüber hinaus nicht praktikabel sind.

Alles wäre so wunderbar gewesen. Österreich – eine gentechnikfreie Insel der Seligen, ein grünes Pendant zum atomfreien kleinen Land mitten im Kreis der Unbelehrbaren. Karl Schirnhofer, Inhaber einer Fleischwarenfabrik im oststeirischen Kaindorf, führte uns diese Vision vor Augen. Auf großflächig affichierten Plakaten leuchtete in Riesenlettern, weiß auf rotem Grund, ein einziges Wort in die graue Landschaft: „gentechnikfrei“. Man konnte meinen, ein neues Zeitalter sei angebrochen, zumindest hier in Österreich.

Der Mann, der im Steirerjanker zufrieden von den Plakaten schaut, hatte auch keine Mühe gescheut, seine Vision wenigstens im Bereich seiner Fleischwarenproduktion wahr zu machen. In jahrelanger Aufbauarbeit hatte er mit Bauern und Lieferanten verhandelt und eine komplizierte Logistik aufgebaut, um zu garantieren, dass seine Ware, die er österreichweit in 250 Zielpunkt- und Plusmärkten sowie in drei eigenen Geschäften vertreibt, frei bleibt von jener gentechnischen „Verseuchung“, die um sich greift. Das Label „gentechnikfrei“ wäre auch ein genialer Marketingschachzug in einem Land gewesen, in dem die Ablehnung der grünen Gentechnik, also gentechnisch veränderter Pflanzen und Nahrungsmittel, größer ist als überall sonst (siehe Grafik auf Seite 106).

Aus der Traum. Ein mit 24. Jänner dieses Jahres datiertes Fax informiert die zuliefernden Bauern über die „Beendigung des Projekts ‚gentechnikfreie Schweinefütterung‘“. Beschwerden und Reklamationen der Bauern über unzureichende Liefertermine und Logistik, die Preisgestaltung, die Qualität des Sojaschrots etc. hätten gezeigt, „dass die Umsetzbarkeit dieses Projekts nahezu unmöglich wird“. Aus den angeführten Gründen habe das Unternehmen beschlossen, „dieses Projekt ab sofort zu beenden“. Der bezahlte Aufpreis für gentechnikfreien Sojaschrot von 14 Euro je Tonne werde zurückerstattet, die Bauern könnten ihre Bezugsverträge für gentechnikfreien Sojaschrot in „normale“ Sojaschrot-Kontrakte umwandeln. Das heißt, dass wieder mit genmanipuliertem Sojaschrot gefüttert wird und dass das Label „gentechnikfrei“ für das Schweinefleisch von Schirnhofer Vergangenheit ist.

Obwohl in dem Fax mit keinem Wort erwähnt wird, dass an eine Fortsetzung des Projekts gedacht sei, stellt Franz Kneißl, Marketingleiter bei Schirnhofer, das Ganze gegenüber profil als vorübergehende Maßnahme dar. Außerdem werde die eingetragene Rindfleischmarke Almo weiterhin als „gentechnikfrei“ geführt „und noch weiter ausgebaut“ (Kneißl). Doch dieser Bereich mit 4500 jährlich angelieferten Almochsen ist in dem Betrieb mit einem Jahresumsatz von 100 Millionen Euro der weitaus kleinere gegenüber 100.000 jährlich angelieferten Schweinen.

Reine Lehre. Kneißl nennt gegenüber profil noch einen anderen, in dem Fax an die Bauern nicht erwähnten Grund für das, wie er sagt, vorläufige Ende des „gentechnikfrei“-Programms: die strengen Bestimmungen des österreichischen Lebensmittelkodex, die ein Produzent erfüllen muss, um das Recht zu erwerben, seine Ware als „gentechnikfrei“ bezeichnen zu dürfen. Während die EU-Bestimmungen den Maßstab praktischerweise einfach danach anlegen, ob in Tierfutter gentechnisch veränderte Komponenten zu finden sind, folgt der österreichische Lebensmittelkodex der reinen Lehre: Es darf auch im gesamten Vorprozess keine Gentechnik involviert gewesen sein. „Nach diesem Kodex ist eine gentechnikfreie Herstellung von Schweine- und Geflügelprodukten praktisch nicht möglich“, sagt Siegfried Pöchtrager von der Wiener Universität für Bodenkultur und Mitautor einer Machbarkeitsstudie für „gentechnikfreie“ Lebensmittel (siehe auch Kasten auf Seite 109). Damit entsteht eine paradoxe Situation: Die Kritiker der Gentechnik, die immer dafür gekämpft haben, dass die österreichischen Gesetze in jedem Fall um einiges strenger sind als die EU-Bestimmungen, erreichen mit ihrem Eifer am Ende das Gegenteil dessen, was sie erreichen wollten, wie der Fall Schirnhofer eindrucksvoll zeigt.

Vor zwei Wochen trafen sich in der Wiener Anwaltskanzlei Schönherr Vertreter der ARGE gentechnikfrei, darunter Tirolmilch, NÖM, Berglandmilch und Schirnhofer mit Funktionären der Landwirtschaftskammern, um ihre Strategie aufeinander abzustimmen. Eine Arbeitsgruppe soll bis zum Sommer Vorschläge zur Änderung der strengen Kodexbestimmungen ausarbeiten. Dann ist die Kodexkommission gefragt, in der sich zwei Gruppen gegenüberstehen: jene, die die Bestimmungen ändern, und jene, die sie in all ihrer Strenge beibehalten wollen. Wer die Oberhand behalten wird, ist noch offen.

Wahrscheinlich wird dabei auch die weitere Entwicklung in der EU sowie zwischen der EU und den USA eine Rolle spielen, wo voraussichtlich schon am Dienstag dieser Woche eine gewichtige Entscheidung fällt: „Aus für Gentechnikverbot droht: Rückschlag für Europa“, titelte der „Kurier“ am Dienstag der Vorwoche. Seit Jahren werfen die USA der EU vor, die in Europa geltenden Gentechnikverbote hätten einen rein protektionistischen Hintergrund und sollten nur US-Gentechnikprodukte vom europäischen Markt fern halten. Der EU sei es trotz wiederholter Versuche nicht gelungen, die von ihr behaupteten Gesundheits- oder Umweltgefahren, die von gentechnisch veränderten Pflanzen ausgingen, wissenschaftlich nachzuweisen. (So sagt es auch der Wiener Molekularbiologe und ehemalige ÖVP-Wissenschaftsminister Hans Tuppy im profil-Interview auf Seite 107.) Ein von der Genfer Welthandelsorganisation WTO eingesetztes Schiedsgericht soll den Streit nun am Dienstag dieser Woche entscheiden. Wendet sich das Blatt, wie von Eingeweihten erwartet, gegen die EU, dann könnte diese gezwungen sein, auch von ihren Mitgliedsländern die Aufhebung von Gentechnikverboten zu verlangen. Dann würde genau das eintreten, was viele Experten seit Langem vorhersagen: dass der Vormarsch der Gentechnik in der Landwirtschaft und in der Lebensmittelproduktion nicht mehr zu stoppen ist.

Die Wiener Molekularbiologin Susanne Fromwald, Gentechniksprecherin der in solchen Fragen besonders aktiven Umweltschutzorganisation Greenpeace, glaubt nicht, dass es so weit kommen wird. Begründung: Die Amerikaner hätten nur geklagt, weil es ab 1998 durch das von der EU verhängte Moratorium vorübergehend keine Neuzulassungen von gentechnisch veränderten Organismen mehr gegeben hat. Inzwischen gebe es wieder Zulassungen, daher sei der Klagsgegenstand weggefallen, glaubt Fromwald. Wie immer das Match ausgehen wird, eines ist für die Anti-Gentechnik-Aktivistin schon jetzt sonnenklar: „Der Widerstand in Europa gegen gentechnisch veränderte Pflanzen und Lebensmittel wird durch dieses Urteil sicher nicht gebrochen werden können.“

Gift-Kartoffeln. Dieser Widerstand wird seit jeher nicht allein mit spektakulären und daher medienwirksamen Aktionen geführt, sondern auch durch Versuche, die Auseinandersetzung um die neue Technologie auch auf eine wissenschaftliche Ebene zu heben. Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace sind hochprofessionell. Ausgebildete Molekularbiologen durchforsten Publikationen, um „Belege“ für die Gefährlichkeit der Gentechnik zu finden. „Greenpeace verfolgt eine klare Linie gegen die grüne Gentechnik und schürt Ängst in der Bevölkerung“, sagt Josef Glößl, Professor am Institut für Angewandte Genetik und Zellbiologie der Wiener Universität für Bodenkultur.

Dass es dabei nicht immer nur um eine redliche wissenschaftliche Auseinandersetzung, sondern um Agitation gegen eine junge Technologie geht, lässt sich an etlichen Beispielen belegen. Der Züricher Pflanzenökologe Klaus Ammann erhob im vergangenen November in der „Neuen Zürcher Zeitung“ sogar den Vorwurf, die Anti-Gentechnik-Kampagnisierer würden einer Kultur des Halbwissens anhängen und eine „systematische Desinformationskampagne“ betreiben. Als eines der Beispiele nannte Ammann den Fall des ungarisch-britischen Wissenschafters Arpad Pusztai und seiner „Gift-Kartoffeln“ (Copyright: „Kronen Zeitung“).

Der Fall hatte 1999 für weltweites Aufsehen gesorgt. Pszutai galt als führender Lektin-Forscher. Lektine sind pflanzliche Eiweißstoffe, die sich an bestimmte Kohlehydratketten binden und dabei eine zellzerstörende Wirkung entfalten können. Im Zuge eines mit 2,5 Millionen Euro dotierten Forschungsauftrages hatte der Wissenschafter Ratten mit Kartoffeln gefüttert, in die er zuvor ein Schneeglöckchen-Gen eingebaut hatte. Das Gen bewirkt die Produktion eines Lektins, das Schnee- glöckchen vor Blattläusen schützt. Als seine Fütterungsversuche den Verdacht aufkommen ließen, dass die Gentech-Nahrung bei den Tieren zu Schädigungen des Immunsystems und der Organe führt, schlug er in einem TV-Interview mit drastischen Aussagen Alarm, ohne zu ahnen, welches mediale Feuerwerk er damit auslösen würde. Pusztai wurde gefeuert, seine Daten von der Institutsleitung beschlagnahmt und eine Untersuchung eingeleitet.

Seither ist Pusztai einer der Stars der Anti-Gentechnik-Szene. Sein Schicksal gilt als Beleg dafür, dass kritische Forscher im Gentechnik-Wissenschaftsbusiness nicht geduldet werden. In Wahrheit hatte Pusztai gegen Gesetze wissenschaftlicher Redlichkeit verstoßen, indem er mit ungeprüften Ergebnissen an die Öffentlichkeit ging, was ihm auch der oberste Wissenschaftsberater der britischen Regierung zum Vorwurf machte. Inzwischen ist die Anzahl der Fachpublikationen, die sich mit Pusztais Aussagen auseinander setzen, weit über die 400 hinausgewachsen, dazu kommen rund 30 von Experten geprüfte und in angesehenen Wissenschaftsjournalen veröffentlichte Publikationen zur Sicherheit dieser Nahrungsmittel. Die Forscher kamen einhellig zu dem Schluss, dass Pusztais Studie unschlüssig und falsch konzipiert war.

Die Mär von den „Gift-Kartoffeln“ versank ebenso in den Annalen der Wissenschaft wie die Mär von der in der Milch entdeckten DNA aus gentechnisch veränderten Organismen. Ausgangspunkt für diese Behauptung war eine im Jahr 2000 von der hessischen Landesvereinigung für Milch und Milcherzeugnisse in Auftrag gegebene Untersuchung, die klären sollte, ob sich die DNA von gentechnisch veränderten Futterpflanzen in Kuhmilch nachweisen lässt. Zu diesem Zweck wurden ganze zwei Proben genommen – aus wissenschaftlicher Sicht ein völlig unzureichendes Sample. Die Milchproben wurden über den Postweg an das Forschungszentrum für Milch und Lebensmittel Weihenstephan (FML) im bayrischen Freising geschickt. Die dortigen Forscher entdeckten in den Proben tatsächlich Fremdgene aus gentechnisch veränderten Futtermitteln.

DNA in Milch? Der betroffene hessische Bauer, Gottfried Glöckner, gab die Ergebnisse, die an sich nur für die hessische Landesvereinigung für Milch und Milcherzeugnisse bestimmt gewesen waren, an die Umweltschutzorganisation Greenpeace weiter. Ralf Einspanier, Veterinär-Biochemiker an der Freien Universität Berlin, der die Proben untersucht hatte, wusste von Anfang an, dass die Fremd-DNA auf anderem als über den Verdauungsweg in die Milch gelangt sein musste. „Wenn man wissenschaftlich akkurat arbeitet, dann findet man in der Milch kein Material aus gentechnisch veränderten Organismen“, sagt der Forscher. Einspanier hat zu dieser Frage selbst drei wissenschaftliche Studien verfasst und das zusammengefasste Ergebnis im Internet veröffentlicht. Demnach verhält sich DNA von transgenen Pflanzen im Verdauungstrakt von Milchkühen nicht anders als die DNA von normalen Pflanzen. Und genau das wurde durch weitere Studien, eine davon durchgeführt von einer Forschergruppe der Universität für Bodenkultur, der Veterinärmedizinischen Universität und des Milchinstituts Wolfpassing, bestätigt.

Die Geschichte hat allerdings noch einen weiteren, auf den ersten Blick brisanten Hintergrund: Landwirt Glöckner hatte auf seinen Feldern schon frühzeitig so genannten Bt-Mais, eine gentechnisch veränderte Futtermaissorte des Schweizer Biotechunternehmens Syngenta, angebaut und diesen an seine Kühe verfüttert. Aus zunächst unbekannter Ursache verendeten nach und nach zwölf Kühe auf Glöckners Hof. Der Bauer verdächtigte den Bt-Mais als mögliche Ursache und wandte sich an das Berliner Robert-Koch-Institut, das als zuständige Behörde an der EU-weiten Zulassung des Bt-Maises von Syngenta beteiligt gewesen war. Eine vom Koch-Institut eingeleitete Untersuchung, an der sowohl Experten von staatlichen wie von privaten Forschungseinrichtungen teilnahmen, kam zu dem einhelligen Schluss, dass nicht der Bt-Mais die Ursache der tödlichen Gesundheitsprobleme unter Glöckners Rindern war, sondern unzureichende Futtermittelqualität und grobe Fehldosierung von Futtermittelanteilen sowie Verseuchung des Milchleistungsfutters und der Maissilage mit giftigen Mykotoxinen, die paradoxerweise durch den Bt-Mais ausgeschaltet werden sollten. Bt-Mais ist ein Dauerbrenner in der hitzigen Gentechnikdebatte. Er trägt seine Bezeichnung nach einem Bodenbakterium mit der Bezeichnung Bacillus thuringensis, abgekürzt Bt. Dieses weltweit verbreitete Bakterium ist in der Lage, das so genannte Bt-Toxin zu produzieren, einen Giftstoff, der spezifisch auf verschiedene Insekten, vor allem auf die Larven des Maiszünslers, wirkt. Diese Larven bohren sich durch Blätter und Kolben in den Stengel der Maispflanze, sodass diese abstirbt. Um die Pflanze vor dem Schädling zu schützen, wurde in den Mais jenes Gen eingebaut, welches das Bt-Gift kodiert.

Karl Kuchler, Professor für molekulare Genetik am Institut für Medizinische Biochemie an der Medizinischen Universität Wien, wirft den Umweltschützern und Kritikern des Bt-Maises Scheinmoral vor: „Bt wird im Biolandbau schon lange als Spritzmittel eingesetzt und ist von seiner Zusammensetzung her mit Anthrax eng verwandt. Das stört die Umweltschützer offenbar wenig. Doch das Gift tötet nicht nur die Schädlinge, sondern kann auch wertvolle Nützlinge töten.“

Gift in Pollen. Umweltschützer hingegen sehen diese Gefahr nur beim Bt-Mais und bringen zum Beleg den Monarch-Falter ins Spiel. Das Gift von Bt-Pflanzen kann auch in Pollen produziert werden. Greenpeace führt dazu amerikanische Untersuchungen an, die zeigen, dass diese Pollen die Larven des Monarch-Falters schädigen können. In Laborexperimenten wurden die Larven des Falters auf Seidenpflanzen aufgezogen, die mit Pollen von genmanipulierten Bt-Pflanzen bestäubt waren. Nach vier Tagen lebte von diesen Tieren nur mehr gut die Hälfte (56 Prozent), während auf den nicht mit Bt-Pollen verunreinigten Pflanzen alle Tiere überlebten. Kuchler hält dem entgegen, dass die Versuche angeblich nur auf ein bis zwei Fütterungen basieren würden, und zwar mit viel zu hohen Dosen. „Das kommt in der Natur so nicht vor. Aus diesen Versuchen wurde dann geschlossen, das Bt-Mais per se giftig ist“, so Kuchler.

Ende des Vorjahres nahmen Gentechnikgegner eine im „Journal of Agricultural and Food Chemistry“ veröffentlichte australische Studie zum Anlass, um erneut auf angebliche Gefahren der Gentechnik hinzuweisen. Wissenschafter hatten Erbsen durch Genmanipulation gegen Erbsenkäfer resistent gemacht und die Feldfrüchte dann an Mäuse verfüttert. Das schädigt nicht nur die Käfer, sondern offenbar auch das Immunsystem der Nager. Nachdem die Mäuse Staubpartikel aus dem Mehl der genmanipulierten Erbsen eingeatmet hatten, erkrankten viele der Tiere an einer Lungenentzündung. Das Projekt wurde aus Sicherheitsgründen nach zehnjähriger Laufzeit abgebrochen. Die wissenschaftliche Erklärung für die aufgetretenen Probleme lautet, dass die genmanipulierten Erbsen das Gen einer Bohnensorte enthielten, das normalerweise weder bei Tier noch Mensch schädliche Reaktionen verursacht. Wird dieses Gen jedoch einer Erbse eingepflanzt, entsteht dort ein anders strukturiertes Protein, das den Entzündungsprozess auslöst. Während die Studienautoren betonen, dass auf diese Weise die Wirksamkeit des Sicherheitsbewertungskonzepts von transgenen Pflanzen bestätigt wurde, nehmen Anti-Gentechnik-Aktivisten die Studie als weiteren Beleg für die Gefährlichkeit der Technologie.

Als weiterer Beleg muss eine von Raffaele Mazza an der katholischen Universität von Piacenza durchgeführte Studie herhalten, bei der Ferkel über einen Zeitraum von 35 Tagen mit gentechnisch verändertem Mais des Biotechkonzerns Monsanto gefüttert wurden. „Schockierender Medizin-Beweis: Genfutter verändert Erbanlagen“, titelte die „Kronen Zeitung“. Im Blut und im Muskelgewebe der Tiere ließen sich winzige Partikel des Futtermittels nachweisen. Der Studie lässt sich aber eindeutig entnehmen, dass sich transgene DNA beim Verdauungsvorgang nicht anders verhält als DNA aus nicht gentechnisch veränderten Pflanzen. Demnach fanden die Autoren der Studie auch keine funktionalen Fremdgenabschnitte in den Organen der Tiere. Laut Ralf Einspanier von der FU Berlin wird DNA aus Futtermitteln nicht vollständig abgebaut, das sei etwas ganz Natürliches: „Auch beim Huhn finden wir regelmäßig solche Genfragmente aus Futterpflanzen, allerdings keine gentechnisch veränderten Elemente, sondern lediglich Pflanzen-DNA.

Superunkraut. In einem Punkt könnten die Befürchtungen der Umweltschützer allerdings zutreffen: Die Gefahr, dass durch Kreuzungen zwischen gentechnisch veränderten Pflanzen und ihren wilden Verwandten Superunkräuter entstehen, besteht tatsächlich, wie Beispiele aus Deutschland und Kanada zeigen. Im Gegensatz zu Mais und Soja, die in Nordeuropa keinen direkten Kreuzungspartner in der Natur finden, könnte gentechnisch veränderter Raps auch in unseren Breiten sehr gut auskreuzen. Mittlerweile existieren aber einige Regularien, wie einzuhaltende Mindestabstände zwischen Feldern mit Genraps und konventionellen Pflanzen. Österreich stemmt sich gegen die Zulassung des GT-73-Raps, einer herbizidresistenten Art, die sehr leicht auskreuzt. Die EU hat die Einführung dieser Rapsart als Futtermittel erlaubt, sie soll allerdings nicht angebaut, sondern lediglich als Futtermittel importiert werden.

Die SPÖ-Europaabgeordnete Karin Scheele hält zwar die Gefahr von Auskreuzungen für durchaus relevant, erblickt aber in der grünen Gentechnik keine Gesundheitsgefahren für den Menschen: „Wenn etwas Derartiges nachgewiesen werden könnte, wären wir die Ersten, die rechtliche Maßnahmen setzen würden. Wir haben verbissen nach Studien gesucht, die Gesundheitsrisken aufzeigen, aber keine gefunden. Wir haben sogar grüne Berater engagiert. Doch es hieß nur: Hände weg von der Behauptung, Gentechnik sei gesundheitlich bedenklich – da würden wir uns nur lächerlich machen.“

Von Robert Buchacher, Ulrike Moser und Markus Wolschlager